Sonnen-Mythen im Check

Experte erklärt: Darum sollten Sie mindestens Lichtschutzfaktor 30 nutzen

5.8.2021, 16:55 Uhr
Für viele geht es jetzt in den Süden. Hilft es, wenn man schon vorgebräunt ist? 

© Matthias Niese, NN Für viele geht es jetzt in den Süden. Hilft es, wenn man schon vorgebräunt ist? 

Viele reisen jetzt bereits vorgebräunt vom Freibad oder Badesee in den Süden. Bringt das der Haut etwas?

Dirk Debus: Ja, eine Vorbräunung bringt etwas. Es wird empfohlen, sich im Frühjahr langsam an die Sonne zu gewöhnen. So kann die Haut eine so genannte Lichtschwiele aufbauen, also dicker werden, und sich durch die Bräunung einen gewissen Schutz vor den UV-Strahlen aufbauen. Das heißt aber nicht, dass man sich zur Vorbereitung auf den Urlaub schön in die Sonne knallen sollte.


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Es ist immer die Rede von verschiedenen Hauttypen, die unterschiedlich viel Sonne vertragen. Stimmt diese Einteilung überhaupt? Und stufen sich die Leute richtig ein?

Debus: Die Einteilung stimmt tendenziell schon und die meisten Menschen haben wohl schon ein Gefühl dafür, was sie bräuchten. Ob sie es umsetzen, ist eine andere Sache. Neben dem Hauttyp muss man aber noch mehr beachten: Jahreszeit, Höhen- und Wetterlage zum Beispiel. Wer es genau wissen will, muss sich für den jeweiligen Tag und Ort eigentlich den UV-Index ansehen, ein objektives Maß für die Stärke der sonnenbrandverursachenden UV-Strahlung. Das machen wohl die wenigsten.

Greifen die meisten trotzdem zum richtigen Sonnenschutzfaktor?

Debus: Nicht unbedingt. Unter einem Lichtschutzfaktor von 30 sollte man tatsächlich gar nicht anfangen. Und auch dann muss man unbedingt alle zwei Stunden und nach dem Baden nachcremen. Das mit dem Schutzfaktor und der Schutzzeit ist eh mit Vorsicht zu genießen. In den Studien wird die Creme immer viel dicker aufgetragen, als das die meisten Menschen tun. Man müsste sich eigentlich messerdick einstreichen – das macht im Alltag eher niemand.

Dr. Dirk Debus ist Oberarzt für Dermatologie am Klinikum Nürnberg und in der Ambulanz der Hautklinik. Außerdem koordiniert er das Hauttumorzentrum.

Dr. Dirk Debus ist Oberarzt für Dermatologie am Klinikum Nürnberg und in der Ambulanz der Hautklinik. Außerdem koordiniert er das Hauttumorzentrum. © Klinikum Nürnberg

Macht es einen Unterschied, ob ich ein Öl, ein Spray oder eine Creme verwende?

Debus: Das ist egal. Den größeren Unterschied macht die Art des Filters. Unterschieden wird zwischen mineralischen Filtern, die oft einen weißlichen Film auf der Haut hinterlassen und die Sonne auf der Hautoberfläche reflektieren, und chemischen Filtern, die in die Haut eindringen und dort die Strahlung absorbieren. Beide schützen, aber auf unterschiedliche Art und Weise.

Eigentlich wurde und wird viel zum richtigen Sonnenschutz aufgeklärt. Welche falschen Vorstellungen kommen Ihnen trotzdem unter?

Debus: Die Menschen fühlen sich oft fälschlich zu sicher. Wenn sie sich eingecremt haben, gehen sie mit gutem Gefühl voll in die Sonne. Dabei ist ein Lichtschutzmittel eigentlich nur der letzte Schutzschild. Der erste ist: Schatten. Starke Sonnenstrahlung, vor allem mittags, vermeiden. Der zweite: Hut, Hemd, Hose. Erst als letztes kommt das Sonnenschutzmittel.

Viele Menschen hassen das Eincremen. Wie geht es Ihnen?

Debus: Ganz ehrlich? Manche Sonnencremes sind schon angenehm, aber ich hasse so pappiges Zeugs, da bleibe ich lieber im Schatten. Es muss einfach zum Ritual werden, gerade für die Kinder. Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter sind eindeutig ein Risikofaktor für Hautkrebs. Die Erwachsenen müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Man muss sich immer vor Augen halten: Mittlerweile jeder 50. erkrankt im Lauf seines Lebens an Hautkrebs, und die Zahlen steigen weiter an. Trotzdem darf man die Sonne und ihre positiven Effekte natürlich genießen und sollte das auch.

Was könnte die Menschen denn motivieren, sich besser zu schützen?

Debus: Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass Hinweise auf vorzeitige Hautalterung und Falten die Menschen viel wirksamer zum Sonnenschutz animieren als die Warnung vor einem Melanom. Ein Kollege aus Heidelberg hat beispielsweise die Sunface-App entwickelt. Die zeigt im Zeitraffer, wie sich das eigene Gesicht mit der Zeit verändern wird, abhängig von der UV-Exposition. Die App hatte, zum Beispiel bei Jugendlichen, einen deutlichen Effekt. Die nutzten danach mehr Sonnencreme und gingen weniger ins Solarium.

Was kann ich tun, wenn es mich doch mit einem Sonnenbrand erwischt?

Debus: Bei einem leichten Sonnenbrand kühlen After-Sun-Lotionen und beschleunigen die Heilung. Wenn es schlimmer ist, kann man durchaus auch zum Arzt und in die Klinik gehen und sich zum Beispiel eine Kortisonsalbe verschreiben lassen.

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