Frischekur: So wird der Jamnitzerplatz umgestaltet

3.5.2021, 05:40 Uhr

Eine ältere Dame führt ihren Mini-Hund aus, zwei kleine Mädchen im Kindergartenalter drehen lachend mit ihren Dreirädern Runden um ihre Mütter, ein paar junge Leute spielen Tischtennis oder liegen auf Stufen, ein Mann sitzt mit einer Flasche Bier auf einer Parkbank in der Sonne und beobachtet das Treiben. Ein ganz normaler Frühlingstag auf dem Jamnitzerplatz. Menschen jeden Alters genießen die Sonne und die ersten warmen Temperaturen.


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Und so soll es auch nach der Frischekur auch bleiben, betont Bürgermeister Christian Vogel, der als Werkleiter von Sör für die Grünanlangen zuständig ist: "Es soll auch in Zukunft ein Platz für alle sein. Keiner hat das Recht, diesen besonderen öffentlichen Raum für sich zu beanspruchen", stellt er klar und spielt dabei auf Diskussionen in der Vergangenheit an: Immer wieder gab es Ärger wegen Ruhestörungen und Drogenkonsumenten. Linksautonome gerieten mit der Polizei aneinander, es folgten sogar Gerichtsprozesse.


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Dass es auf einem Platz im Herzen des großstädtischsten, kulturell vielfältigsten und am dichtesten besiedelten Stadtteile Nürnberg jemals eine sprichwörtliche Friedhofsruhe geben könnte, scheint unrealistisch. Aber: "Es muss ein gutes Miteinander für alle Generationen und gesellschaftlichen Gruppen geben", findet Vogel.

Damit das gelingt, habe man die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Viertel in die Planung einbezogen, berichtet er. "Wir haben die Bürgerbeteiligung sehr ernst genommen." Aber auch die Polizei wurde befragt. Über mehrere Stufen, in vielen Gesprächen und Runden brachte die Bevölkerung nach Auskunft von Bürgermeister Vogel ihre Wünsche ein. "Wir haben vieles davon umgesetzt, obwohl es ursprünglich anders geplant war", berichtet er.

Bio-Toilette kommt auf Bürgerwunsch

So stand die Stadtverwaltung einer öffentlichen Toilette zunächst kritisch gegenüber, die Argumente der Bürgerschaft überzeugten am Ende aber: Ein Bio-Klo – ähnlich wie an der Norikus-Bucht – wird nach dem Umbau aufgestellt. Aber auch Sitzgelegenheiten platzierte Landschaftsarchitektin Stephanie Hackl, so wie die künftigen Nutzerinnen und Nutzer anregten. Schließlich überzeugten auch die Jüngsten mit ihren Ideen: So werden auf ausdrücklichen Kinderwunsch Schaukeln statt Schwinggeräten auf dem Spielplatz aufgestellt.

In den vergangenen Monaten liefen bereits einige Vorarbeiten, ab dem 17. Mai beginnt die eigentliche Umbauphase. Dann ist der der Platz bis Ende des Jahres komplett gesperrt. "Wir ziehen das jetzt in einem Aufwand durch", sagt Bürgermeister Vogel. Ihm sei klar, dass das gerade im Sommer eine echte Durststrecke für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils werden wird. Er bittet aber um Verständnis und verweist auf den Veit-Stoß-Platz, der momentan noch hergerichtet wird, die Rosenau und den Pegnitzgrund.

Mehr Grün im Herz von Gostenhof

Nach Abschluss der Arbeiten, das verspricht Vogel, werde der Platz grüner und biete mehr Spiel- und Sportflächen sowie Ruhezonen. Auf einem Lageplan zeigt er, dass der alte Baumbestand fast vollständig erhalten bleibt. Zwei Kastanienbäume mussten gefällt werden. Für sie gibt es laut Vogel aber Ersatzpflanzungen und zehn weitere neue Bäume sind vorgesehen. Etwa 1.050 Quadratmeter Rasenflächen entstehen neu und laden zum Beispiel zum Picknicken ein.


Trinkgelage und Gegröle


Besonders gewinnen wird der Platz durch ein begehbares Wasserspiel, das den seit vielen Jahren defekten Brunnen ersetzt, ist der Bürgermeister überzeugt. Rund um ihn gibt es neue Sitzgelegenheiten. Und nach Abschluss der Arbeiten soll natürlich wieder gespielt und gesportelt werden: Sör hat Spielplätze für kleinere und größere Kinder eingeplant, Bodentrampoline, Flächen für Spiele von Basketball bis Boule vorgehsehen und auch die beliebten Tischtennisplatten sollen wieder aufgebaut werden.

2,3 Millionen-Euro-Investition

2,3 Millionen Euro kostet die Frischekur, etwa die Hälfte davon übernehmen Bund und Freistaat Bayern. "Ohne die Städtebauförderung wäre das nicht möglich gewesen", sagt Christian Vogel. "Ein sanierter Jamnitzerplatz ist ein Gewinn für den Stadtteil und seine Bewohnerinnen und Bewohner", ist der Bürgermeister überzeugt.

Aber daran gibt es auch Kritik: Durch die Aufwertung des Umfelds könnten die bisherigen Nutzerinnen und Nutzer vertrieben werden, Mieten ansteigen und die Gentrifizierung des Stadtteils befeuert werden, so die Befürchtung etwa der Initiative Mietenstopp.

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