Bahn plant Großinvestition

Geplantes ICE-Werk: 400 Menschen demonstrieren in Altenfurt - auch König ist dagegen

26.6.2021, 17:43 Uhr
Rund 400 Menschen haben in Altenfurt gegen das geplante ICE-Werk demonstriert. 

Rund 400 Menschen haben in Altenfurt gegen das geplante ICE-Werk demonstriert.  © Günter Distler, no credit

Die Deutsche Bahn will für die Pflege und Wartung ihrer ICE-Züge im Großraum Nürnberg ein Werk mit einer Halle von bis zu 400 Metern Länge errichten. Mehrere Standorte stehen zur Diskussion, darunter eine Fläche nahe der Nürnberger Stadtteile Altenfurt und Fischbach.

Erst kürzlich positionierten sich Ministerpräsident Markus Söder und weitere CSU-Politiker klar gegen den Bau eines ICE-Werks an dieser Stelle. Dann kündigte das bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an, dass der dortige Staatswald nicht verkauft wird. Dennoch rief die Bürgerinitiative "NEIN zum ICE-Werk in Nürnberg Altenfurt/Fischbach" am Samstag zu einer Kundgebung auf. "Wir sind noch nicht am Ziel. Und wir werden erst Ruhe geben, wenn die Bahn den Standort aufgibt und gar nicht erst ins Raumordnungsverfahren schickt", sagte Sprecher Markus Fleischmann.

Protestzug durch Altenfurt

Erstmals konnte wegen der entspannteren Corona-Lage ein Protestzug durch Altenfurt stattfinden. Rund 400 Menschen folgten dem Aufruf. Sie hielten Abstandsgebote und Maskenpflicht ein.

Fleischmann berichtete, dass die Bahn trotz der breiten Ablehnung aus Bevölkerung und Politik an dem Standort festhält. Am 14. Juni habe Bahn-Projektleiter Carsten Burmeister bei einem Bürgerdialog neue Pläne für das ICE-Werk vorgestellt. Diese hätten für Entsetzen gesorgt: "Der komplette Wald zwischen Altenfurt und Regensburger Straße würde vernichtet werden", so Fleischmann. Er stellt klar: "Wir bringen unseren Protest auf die Straße, bis die Bahn einlenkt."

Einer der vielen Redner war Werner Miegl vom Bürgerverein Südost. 

Einer der vielen Redner war Werner Miegl vom Bürgerverein Südost.  © Günter Distler, no credit

Auch Werner Miegl, Vorsitzender des Bürgervereins Südost, will weiterprotestieren: "Wir haben viel Unterstützung aus der Politik erfahren, das gibt uns Hoffnung. Die Sektkorken knallen aber noch nicht."

Bannwald und Orchideenwiese vernichtet

Aus Sicht der Bahn gibt es viele Argumente für Altenfurt, so Lena Pietzuch von der Bürgerinitiative: Von 32 Auswahlkriterien sprechen 22 für den Standort, etwa die gute Erreichbarkeit, nur zehn Punkte dagegen. Gerade diese sind aber für die Bürgerinnen und Bürger im Südosten ausschlaggebend: So müssten zum Beispiel 45 Hektar Bannwald gefällt werden, ein Natura-2000-Schutzgebiet und eine bedeutende Orchideenwiese würden komplett zerstört .

Die Bürgerinitiative rechnet unter anderem mit enormer Lärm- und Abgasbelastung durch den Betrieb sowie den Liefer- und Mitarbeiter-Verkehr. Ausgleichsmaßnahmen für den geschützten Wald würden mangels Fläche nicht in der Nähe stattfinden können, stellte auch Wolfgang Dötsch vom Bund Naturschutz klar.

Oberbürgermeister Marcus König, SPD-Stadtrat Thorsten Brehm, und Landtagsabgeordnete Verena Osygan positionierten sich gegen den Standort Altenfurt/Fischbach.

Oberbürgermeister Marcus König, SPD-Stadtrat Thorsten Brehm, und Landtagsabgeordnete Verena Osygan positionierten sich gegen den Standort Altenfurt/Fischbach. © Günter Distler, no credit

Politiker verschiedener Parteien positionierten sich am Samstag in Redebeiträgen klar gegen den Standort Altenfurt. Darunter Landtagsvizepräsident Karl Freller (CSU) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osgyan. Stadtrat Thorsten Brehm (SPD) fragte, warum sich die Verantwortlichen im vergangenen Jahr, als die Bahn ihr Vorhaben, ein Werk im Großraum Nürnberg zu bauen, nicht zusammengesetzt und über geeignete Flächen verhandelt hätten. "Wir brauchen einen Neustart bei dem Projekt. Es muss ein Standort gefunden werden, der verträglich ist", so Brehm.

Masken und Abstand: Die Polizei hatte beim dem Demo-Zug durch Altenfurt nichts zu beanstanden. 

Masken und Abstand: Die Polizei hatte beim dem Demo-Zug durch Altenfurt nichts zu beanstanden.  © Günter Distler

Im Oktober 2020 hatte OB Marcus König auf einer Pressekonferenz das ICE-Werk mit geplanten 450 Arbeitsplätzen noch als großen Gewinn für die Stadt bewertet. "Es ist ein hervorragender Tag für Nürnberg", sagte er damals. Jeder Euro, der in Nürnberg investiert werde, sei ein guter Euro.

"Bahn hat Weg der Kooperation verlassen"

Eine so große Investition habe man im Vorfeld nicht sofort ablehnen können. Die Bahn habe seinerzeit nicht mit offenen Karten gespielt, findet er heute. Weder über die Ausmaße noch über die favorisierten Standorte seien detaillierte Pläne vorgelegt worden. Die Stadt habe andere Flächen ins Gespräch gebracht – diese seien aber nicht auf Interesse gestoßen. "Die Bahn hat den Weg der Kooperation verlassen", sagt König, der sich ein Werk so nah an der Wohnbebauung nicht mehr vorstellen kann.

16 Kommentare