Geplantes ICE-Werk: BN sieht "Walderhalt als oberstes Ziel"

18.2.2021, 15:39 Uhr
Das Waldgebiet bei Altenfurt ist als Standort für ein ICE-Werk im Gespräch.

Das Waldgebiet bei Altenfurt ist als Standort für ein ICE-Werk im Gespräch. © Wolfgang Köper

Vielmehr solle die Deutsche Bahn im gesamten süddeutschen Raum nach einer ökologisch verträglichen Alternative suchen, fordert die Umweltorganisation. Auch Industriebrachen oder aufgelassene Bahn-Grundstücke seien zu berücksichtigen. Die sieben genannten Standorte für das 400 Millionen-Euro-Projekt sind aus BN-Sicht ungeeignet. Vor allem, weil bei einigen Flächen viele Bäume fallen müssten.

"Keine Verfügungsmasse"

Eingriffe in den Reichswald lehnen die Naturschützer jedoch rundweg ab: "Der Walderhalt ist unser oberstes Ziel, er ist keine Verfügungsmasse für Infrastrukturprojekte", betont BN-Landesbeauftragter Martin Geilhufe. Auch der Landesbund für Vogelschutz schließt sich dieser Auffassung an und verweist außerdem auf die große Bedeutung des Waldes in Zeiten des Klimawandels.

Bei den Flächen zwischen Altenfurt und Fischbach wie auch bei der Muna Feucht handle es sich um geschützten Bannwald und um ein europäisches Vogelschutzgebiet, so Geilhufe.

Panzerübungsplatz ist gescheitert

Der Bund Naturschutz merkt an, dass an den Schutzkategorien "Bannwald" und "Vogelschutzgebiet" schon andere Planungen gescheitert sind. Er erinnert an einen Panzerübungsplatz, ein BMW-Werk sowie an den Bau einer Straße, die auf dem Gelände der Muna Feucht vorgesehen waren.

Die Nürnberger SPD hatte kürzlich vorgeschlagen, das Areal des ehemaligen Munitionslagers südlich des Gewerbeparks Nürnberg-Feucht-Wendelstein zur Prüfung in das Raumordnungsverfahren einzubringen.

SPD: Entsorgung von Altlasten

Zwar müsse dort Wald weichen, aber an einer für die Bevölkerung unproblematischeren Stelle, hatte Nürnbergs SPD-Vorsitzender Torsten Brehm argumentiert. In diesem Zug könnten endlich die Rüstungsaltlasten fachgerecht entsorgt werden.

Dieses Argument machte sich auch Nürnbergs CSU-Bundestagsabgeordneter Michael Frieser zu eigen. Er hatte sich für eine "ergebnisoffene Prüfung" der Muna Feucht als möglichen Standort für das geplante ICE-Werk ausgesprochen. Dies hatte ihm heftige Kritik seitens der Feuchter CSU eingebracht.

Alternativen nur Alibi-Standorte?

Die Deutsche Bahn hatte von Beginn an ein 46 Hektar großes Areal bei Altenfurt favorisiert. Der Bund Naturschutz sieht die alternativ genannten sechs Flächen nur als "Alibi, um den Standort Altenfurt durchzusetzen".

Werner Miegl, Vorsitzender des Bürgervereins Südost, bewertet die Standortwahl als "katastrophal für die Anwohner und als völlig ungeeignet". Viele Altenfurter empfinden dies offenbar genauso: In den Straßen, die in den Nähe der Bahngleise liegen, sind zahlreiche Plakate aufgehängt, die sich entschieden gegen ein ICE-Werk und eine damit verbundene Rodung des Reichswalds vor ihrer Haustüre wehren.

Erholung für Anwohner

Viele Protestplakate gegen das geplante ICE-Werk sind in den Vorgärten Altenfurts aufgestellt.

Viele Protestplakate gegen das geplante ICE-Werk sind in den Vorgärten Altenfurts aufgestellt. © Hartmut Voigt

Für die Menschen im Südosten ist der Wald das Naherholungsgebiet schlechthin: Dort sind Spaziergänger, Jogger, Radler und Hundebesitzer unterwegs.

"Die Bürger sind in höchster Alarmbereitschaft und protestieren seit Monaten", fügt Miegl an, der Ausbau des benachbarten Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost habe schon viel Wald vernichtet. Neben dem ICE-Werk drohen außerdem mit der geplanten Stromtrasse P53 weitere Rodungen. Fischbach, Altenfurt und Moorenbrunn seien bereits stark belastet.

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