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Protest gegen neues ICE-Werk: "Das ist Wahnsinn"

Bürgerverein lehnt Standort neben Altenfurter Wohnviertel entschieden ab - 16.10.2020 05:35 Uhr

Das ICE-Instandhaltungswerk in Nürnberg soll rund um die Uhr arbeiten. Hier ist die bereits bestehende Wartungshalle in Köln-Nippes zu sehen.

© Foto: Deutsche Bahn AG / Daniel Saarbourg


Bislang herrscht in der Öffentlichkeit der Eindruck, es handle sich hauptsächlich um eine 450 Meter lange Halle mit sechs Gleisen, in der die ICE-Züge gewartet werden. Das ist aber falsch. Das Werk soll in vier Abschnitte unterteilt sein, die sich über insgesamt 5,5 Kilometer hinziehen. Begrenzt wird das Areal von der Regensburger Straße und der Bahnlinie nach München/Regensburg. Der schmale Geländestreifen verläuft an der gesamten östlichen Seite Altenfurts entlang bis zur Autobahn A6.

Bahn gibt Plan nicht heraus

Einen exakten Lageplan gibt die Deutsche Bahn aber nicht heraus: "Das Areal steht doch noch nicht fest. Es ist nur einer von mehreren möglichen Standorten. Die Entscheidung fällt erst nach einem ergebnisoffenen Raumordnungsverfahren", entgegnet ein Bahn-Sprecher auf die Bitte der Lokalredaktion nach einer Planskizze. Daher wolle man nicht mit einer Geländekarte den Eindruck erwecken, es sei schon beschlossene Sache.


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"Der Standort ist gänzlich ungeeignet, er verläuft unmittelbar am Altenfurter Wohngebiet. Es ist Wahnsinn", erklärt Werner Miegl, Vorsitzender des Bürgervereins Südost, "wir sind dagegen und werden tun, was wir können. Für die Bewohner im Südosten gibt es keinen einzigen Vorteil."

Zehntausende von Bäumen geopfert

Dem Software-Entwickler geht es nur um den angedachten Standort, nicht um das Projekt an sich. 400 Millionen Euro Investition, 450 neue Arbeitsplätze - das klinge gut. Aber man müsse bedenken, dass dafür auch 45 Hektar Mischwald mit Zehntausenden von Bäumen geopfert würden.

Für die Anwohner im Südosten verlaufen hier beliebte Jogger- und Radlerrouten, Spaziergänger und Hundehalter sind mit ihren Vierbeinern unterwegs. Der direkte Rad- und Fußweg nach Fischbach würde gekappt.

Zur groben Einordnung: rechts Fischbach, links Altenfurt: Das neue ICE-Werk soll sich über insgesamt 5,5 Kilometer an Altenfurt entlang ziehen. Einen exakten Lageplan gibt die Deutsche Bahn aber noch nicht bekannt. Klar ist: Begrenzt wird das Areal von der Regensburger Straße und der Bahnlinie nach München/Regensburg. Der schmale Geländestreifen verläuft an der gesamten östlichen Seite Altenfurts entlang bis zur Autobahn A6.

© Bayerische Vermessungsverwaltung


Miegl hat sich bereits informiert, wie ein vergleichbares ICE-Werk in Köln-Nippes von den Anwohnern aufgenommen wird: "Da gibt es jede Menge Ärger. Einerseits wegen des Lärms mit laufenden Motoren, Gebläse oder Hupen und auch wegen der nächtlichen Beleuchtung."

"Wir fühlen uns als Fußabstreifer Nürnbergs"

Altenfurts Stadtteilsprecher Thomas Bahlinger ist ebenfalls verstimmt: "Wir im Südosten fühlen uns wie der Fußabstreifer Nürnbergs. Neben der jetzigen Baustelle für das Autobahnkreuz auf drei Ebenen gibt es Überlegungen, hier die Juraleitung von Tennet zu errichten. Und nun kommt auch noch ein ICE-Werk ins Gespräch. Jetzt ist einfach mal Schluss!"

Der Bürgerverein Südost stört sich daran, dass die Stadt bei der Standort-Diskussion keinen Kommentar abgebe und nichts hinterfrage. "Wir haben den Eindruck, dass die Stadt voll hinter der Bahn steht." Man müsse nicht in Panik verfallen, aber sich deutlich positionieren, meint Bürgervereins-Chef Miegl. Anfang November ist ein Gespräch mit der Deutschen Bahn terminiert, am 24. November ist eine Stadtteilversammlung in Altenfurt angesetzt. Inzwischen läuft im Netz auch eine Petition gegen den geplanten Standort.

Raumordnungsverfahren startet bald

Das Bürgermeisteramt verweist darauf, dass die Deutsche Bahn und nicht die Stadt Nürnberg für das Projekt verantwortlich zeichnet. Bei dem angedachten Gelände handle es sich um zum größten Teil um Staatsforst und um gemeindefreies Gebiet.

Das neue ICE-Werk soll Züge reinigen, ausbessern und reparieren. Die Deutsche Bahn hat bereits Instandhaltungswerke unter anderem in München, Hamburg, Berlin, Köln-Nippes (Foto) und Leipzig.

© Foto: Deutsche Bahn AG / Daniel Saarbourg


Tobias Schmidt, Leiter des Bürgermeisteramts, rechnet mit einem einjährigen Raumordnungsverfahren, das zu Beginn 2021 startet. Der Standort dürfte dann 2022 feststehen. Bis Ende 2024 sollte, so seine Einschätzung, das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Der erste ICE könnte 2028 zur Wartung in das nagelneue Werk rollen.

Andere Standorte im Blick

Doch wohin in Nürnberg? Dem Vernehmen nach sind weitere Grundstücke wie der Rangierbahnhof, die Regiowerkstatt an der Austraße oder ein Bahnareal an der Ingolstädter Straße im Gespräch. Ein Bahn-Pressesprecher unterstreicht nochmals, dass die DB das langgestreckte Areal im Südosten favorisiert.


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Zu den Alternativen will er sich nicht äußern: "Das ist schließlich Gegenstand des Raumordnungsverfahrens. Wir gehen mit Respekt und Dialogbereitschaft an das Projekt." Natürlich sollen die Gespräche mit Umweltschutzverbänden und Bürgervereinen rechtzeitig geführt werden. Der Bund Naturschutz hat sich - wie bereits berichtet - eindeutig gegen den Standort Altenfurt ausgesprochen. Grundsätzlich unterstützt der BN zwar die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft, aber nicht auf Kosten des wertvollen Bannwalds.

ICE-Werk arbeitet rund um die Uhr

Sicherlich ist auch der Lärmschutz ein zentrales Thema - egal, an welchem Standort. Denn soviel verrät der Bahn-Mitarbeiter: In dem ICE-Werk wird rund um die Uhr gearbeitet. 25 Züge sollen pro Tag gereinigt, ausgebessert und gewartet werden. Die leiseren Tätigkeiten werden im Freien erledigt, die lärmintensiveren Arbeiten erfolgen in der Halle.

Das ICE-Werk soll auch die XXL-Züge mit fast 400 Metern Länge und 920 Sitzplätzen wieder möglichst schnell auf die Strecke bringen. Darum sind im Anschluss an die Halle Abstellanlagen geplant, auf denen die Schienengefährte warten, bis sie in den DB-Fahrplan eingepflegt werden.

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