Trotz oder wegen Corona?

Kleiner Babyboom in Nürnberg: Was hat die Pandemie damit zu tun?

22.6.2021, 15:20 Uhr
In Nürnberg kamen im März mehr Babys als im Vorjahr zur Welt.

In Nürnberg kamen im März mehr Babys als im Vorjahr zur Welt. © Christine Blei Photography

Babyboom: In diesem März sind in Deutschland 65 903 Kinder zur Welt gekommen – zehn Prozent mehr als im März des Vorjahres. Auch in Nürnberg kam der Klapperstorch häufiger vorbei: Das Klinikum Nürnberg Süd, wo in den vergangenen Jahren im Schnitt zwischen 3200 und 3300 Geburten stattfanden, erblickten ebenfalls mehr Babys das Licht der Welt.

"Wir hatten im März tatsächlich signifikant mehr Geburten – und zwar mehr als 300. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber März 2020 und auch gegenüber den Vormonaten dieses Jahres", teilte Klinikumssprecherin Sabine Stoll mit. "Wir sehen hier also tatsächlich einen kleinen Baby-Boom, haben aber keine Informationen darüber, ob er mit der Pandemie zusammenhängt."


Auch in der Diakoneo Klinik Hallerwiese, einer der größten Geburtskliniken Deutschlands, war Anfang des Jahres 2021 ein leichter Anstieg der Geburten registriert worden. Im Februar waren es circa elf Prozent mehr Geburten als im Vorjahresmonat, im März circa 17 Prozent als im März 2020.

In Nürnberg boomt es ebenfalls

"Ich glaube nicht, dass die Schwankungen in den Krankenhäusern allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind", sagt Professor Franz Kainer, Chefarzt der Geburtshilfe der Diakoneo Klinik Hallerwiese. "Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, unter anderem auch wie Krankenhäuser mit der Pandemie-Situation umgegangen sind." Das heißt, Eltern hätten viel stärker als in vor-pandemischen Zeiten die Wahl ihrer Entbindungsklinik von den jeweiligen Besuchs- und Begleitbedingungen abhängig gemacht. Das könne auch zu zahlenmäßigen Verschiebungen geführt haben.

Die Hebammen und Ärzte im St.Theresien-Krankenhaus hatten ebenfalls gut zu tun, wie Professor Christian Löhberg, Chefarzt der Frauenklinik, berichtet. "Es ist auch bei uns so, dass im März mit 94 Kindern etwa zehn Prozent mehr Babys zur Welt kamen als in den anderen Monaten." Im Januar und Februar waren es 85 beziehungsweise 86, im April ebenfalls 86 und im Mai 80. Im gesamten ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichnete das Krankenhaus zehn Prozent mehr Entbindungen." Im Jahr 2020 waren es 900 Geburten, wenn es dieses Jahr so weitergeht, erwarten wir bis zum Jahresende knapp 1000."


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Für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen sowie ihre Familien und Freunde bleibt die Situation durch die Corona-Pandemie weiterhin herausfordernd. Bislang schon waren die Begleitung und Besuchsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Das bleibt auch so: In der Klinik Hallerwiese, eine der größten Geburtskliniken Deutschlands, dürfen derzeit Väter oder eine fest benannte Begleitperson bei der Geburt dabei sein.

Ein Besuch in der Wochenbettstation ist für eine festgelegte Person während der Besuchszeit von 14 bis 18 Uhr möglich. Beim Aufenthalt im Familienzimmer wird die Begleitperson gebeten, die Klinik in dieser Zeit nicht zu verlassen. Um die Klinik Hallerwiese zu betreten, muss ein Punkt der 3G-Regel (Getestet, Genesen, Geimpft) erfüllt werden.

Schnelltest für Schwangere

Im Klinikum Nürnberg ist zur Geburtsbegleitung im Kreißsaal eine Begleitperson willkommen. Schwangere, die kurz vor der Entbindung stehen, werden im Kreißsaal mit einem Corona-Schnelltest getestet. Auch die Begleitperson wird getestet, teilt das Krankenhaus mit.

Auf der Wöchnerinnen-Station und der präpartalen Station dürfen Mutter und Baby beziehungsweise die werdende Mutter Besuch von nur einer registrierten Kontaktperson (Ehemann / Partner / Partnerin) erhalten. Aber: Die Besuchszeit ist auf eine Stunde - von 15 Uhr bis 16 Uhr - beschränkt. "Der Besuch von Geschwisterkindern und weiteren Angehörigen ist weiterhin leider nicht möglich", so Pressesprecherin Sabine Stoll.


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Entscheidet sich die Familie, ein Eltern-Zimmer zu nutzen, ist die Unterbringung einer Begleitperson im Elternzimmer auf der Wöchnerinnen-Station möglich.
Allerdings: Der Besuch durch eine weitere Person ist dann nicht möglich. Die Verfügbarkeit der Elternzimmer hängt von der aktuellen Belegungssituation ab, eine Reservierung ist nicht möglich.

Die gleichen Bedingungen - beim Testen beziehungsweise für die Familienzimmer - gelten auch im Theresien-Krankenhaus, allerdings dürfen Väter oder die immer gleiche Bezugsperson hier bis zu drei Stunden den Nachwuchs und die Mutter besuchen.

Schon 2020 war ein Rekordjahr

In Bayern wurden im vergangenen Jahr insgesamt 128.764 Kinder lebend geboren, dies ist die höchste Geburtenzahl seit dem Jahr 1997; damals kamen sogar 130.517 Kinder auf die Welt. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Zahl der Geburten damit um 0,4 Prozent beziehungsweise 537 Geburten angestiegen. Im gesamten Freistaat erblickten 62.832 Mädchen und 65.932 Jungen das Licht der Welt: auf 100 weibliche Lebendgeborene kamen damit - wie bereits im Vorjahr - knapp 105 männliche Lebendgeborene.

Mittelfranken liegt weit vorn

Dabei registrierten fünf der sieben Regierungsbezirke einen Anstieg der Geburtenzahlen. Die deutlichsten Zunahmen ergaben sich für die Regierungsbezirke Niederbayern (+2,3 Prozent) sowie Mittelfranken und Schwaben (jeweils +1,1 Prozent). Die Veränderungsraten in den vier weiteren Regierungsbezirken lagen zwischen -1,9 und +1,0 Prozent.

Das bayerische Landesamt für Statistik geht davon aus, dass die hohen Geburtenzahlen im Jahr 2020 in erster Linie auf die derzeit vergleichsweise hohe Anzahl junger Frauen im gebärfähigen Alter zurückzuführen sei. "Dies liegt zum einen noch an den Auswirkungen des Babybooms ab Mitte der 1950er- bis Ende der 1960er-Jahre (Enkelkinder der geburtenstarken Jahrgänge), zum anderen resultieren sie aus der Zuwanderung junger Menschen aus dem Ausland nach Bayern. Inwieweit auch die Corona-Pandemie zu einem temporären Anstieg der Geburtenzahlen geführt hat beziehungsweise führen wird, kann erst anhand der Daten für das Jahr 2021 untersucht werden", teilte das Amt mit.

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