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Letztes Urteil gefallen: Das wird aus dem historischen Saal 600

Der Neubau des Strafjustizzentrums ist fertiggestellt - 20.02.2020 16:21 Uhr

Mitten im Ersten Weltkrieg, im September 1916, weihte Ludwig III., der letzte bayerische König, den Justizpalast ein. Seit dem Spatenstich im September 1909 flossen sieben Millionen Goldmark in den Bau. Zum Vergleich: Die Maurerstunde kostete im Jahr 1910 etwa 76 Pfennige. Besonders prächtig geriet auch der historische Saal 600.

18.02.2020 © Foto: Stadt Nürnberg/Christine Dierenbach


Am Donnerstag um 15 Uhr wurde das letzte Mal im Saal 600 ein Urteil verkündet. Der Neubau des Strafjustizzentrums an der Westseite des Nürnberger Justizgebäudes ist fertig, der historische Schwurgerichtssaal 600 wird seine Funktion als Gerichtssaal verlieren.

Museen müssen ihre Schätze kreativ präsentieren und ihre Ausstellungen intelligent konzipieren, um Besucher anzulocken - mit dem Memorium Nürnberger Prozesse verhält es sich gerade umgekehrt.

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Nürnberger Prozesse: Weltgeschichte im Saal 600

Hier wurde Weltgeschichte geschrieben: Am 20. November 1945 begann im Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes der Hauptkriegsverbrecherprozess gegen 24 NS-Schergen. Exakt 65 Jahre später, am 21. November 2010, wurde das Museum "Memorium Nürnberger Prozesse" offiziell eröffnet.


Das Interesse am historischen Saal 600 war schon viele Jahrzehnte vor der Eröffnung des Memoriums riesengroß. Vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946 fanden hier vor dem Internationalen Militärtribunal die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher statt. Das Verfahren hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Völkerrechts bis in die Gegenwart.

Der Saal 600 war immer ein Ort der Rechtsprechung, nun wird der Ostbau dem Memorium Nürnberger Prozesse für die Erweiterung der Museumsfläche sowie der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien für Büros und Seminarräume zur Verfügung stehen. Der Saal 600 wird ab März 2020 ausschließlich als Ort der Begegnung und Erinnerung genutzt werden.

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Nürnberger Prozesse: Das waren die zwölf Todesurteile

Am 20. November 1945 begann ein Gerichtsverfahren, das Geschichte schrieb. In Nürnberg begannen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes. Knapp ein Jahr später, am 30. September und am 1. Oktober 1946 wurden die Urteile gesprochen. Zwölf NS-Verbrecher wurden zum Tode verurteilt.


Als Veranstaltungsort steht er dem Memorium, der Internationalen Akademie und der Justiz zur Verfügung. Seine Funktion als Gerichtssaal verliert er nun.

Justiz zieht um

Mit dem Memorium Nürnberger Prozesse befindet sich im Dachgeschoss des Schwurgerichtsgebäudes bereits seit zehn Jahren eine Dokumentationsstätte. Sie klärt auf über die Angeklagten und ihre Verbrechen, die 1946 bis 49 durchgeführten Nürnberger Nachfolgeprozesse sowie die Auswirkungen der Verfahren bis in die Gegenwart.


Nürnbergs Saal 600 als Weltkulturerbe: Söder plant Vorstoß


Der Neubau des Strafjustizzentrums an der Westseite des Justizgebäudes ist fertiggestellt. Ab März werden dort die Strafprozesse der großen Strafkammern des Landgerichts Nürnberg-Fürth stattfinden.

ULRIKE LÖW

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