Mit dem Volksbad: Startet Nürnberg die Bäder-Offensive?

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Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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17.11.2020, 05:53 Uhr
2024 soll hier wieder geschwommen werden.

2024 soll hier wieder geschwommen werden. © Daniel Karmann; Montage: nordbayern.de

Kommendes Jahr geht's los: 2021 startet die Sanierung des Volksbads. Ein Vorzeigeprojekt, dass sich die Stadt etwas kosten lässt. Und mit dem sie ein Ausrufezeichen setzt, schon wieder, findet die CSU. Wie schon mit dem Langwasserbad, dort vor allem im Bereich Sportschwimmen. Diese "hochattraktive Bäderstruktur" will die Stadtratsfraktion der Christsozialen noch besser nutzen.


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„Wir wollen den Schwung des Projekts Volksbad mitnehmen und wieder mehr Menschen für die städtischen Schwimmbäder begeistern", sagt Max Müller. Die Infrastruktur der Hallen- und Freibäder werde sich durch das Volksbad noch weiter verbessern, sagt der sportpolitische Sprecher und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CSU. "Da steckt mehr Potenzial drin als die derzeit nur 1,5 Besuche pro Einwohner im Jahresschnitt."

Müller und seine Partei wundern sich, dass "in einer vergleichbaren Stadt wie Essen die Bürger zwei Mal pro Jahr" ins Bad gehen. Das müsse mit attraktiven Angeboten auch in Nürnberg zu schaffen sein, ist die CSU überzeugt. Sie fordert von der Stadt deshalb die Bäder-Offensive und Ideen, welche Maßnahmen dafür ergriffen werden können oder müssen. Das sei auch nötig, da das Defizit von NürnbergBad seit Jahren steigt.

Bäder: Kostendeckung ist nicht drin

Tatsächlich hat der städtische Eigenbetrieb das jährliche Minus von 6,5 heuer auf zehn Millionen Euro korrigiert - coronabedingt. "Der Jahresverlust von NürnbergBad lag in den vergangenen fünf Jahren zwischen fünf und knapp über sieben Millionen Euro", erklärt Christian Vogel, Bürgermeister und Erster Werkleiter des Eigenbetriebs. Natürlich seien die Verluste gewaltig, das ist keine Frage. Aber im Vergleich mit vielen anderen öffentlichen Bädern deutschlandweit stehe Nürnberg viel besser da als die meisten.

Hier geht's ab(wärts): In der Doppelrutsche im Nordostbad.

Hier geht's ab(wärts): In der Doppelrutsche im Nordostbad. © Andre Karambatsos - 0151 / 614 1, NN

Bäder, weiß Vogel, können nie kostendeckend arbeiten. "Dafür bräuchten wir eine Verdoppelung der Badegäste - und dafür wiederum mehr Fläche, mehr Personal, mehr Reinigung und so weiter." Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem die Vermietungen der Wasserflächen für das Vereins- und Schulschwimmen "gleich zweimal nicht kostendeckend sind". Und doch sind in den städtischen Bädern diese zwei Säulen genauso wichtig wie das öffentliche Schwimmen "und alle leben gut miteinander".

365 Tage bis zu 16 Stunden täglich

Das Ergebnis fasst Vogel zusammen: "In Nürnberg kann man an 365 Tage im Jahr schwimmen, mehr oder weniger rund 16 Stunden am Tag." Deshalb hat ihn der Vorstoß der CSU etwas verwundert. Denn in einem sind sich die Fraktion der Christsozialen und der SPD-Bürgermeister einig: Die Bäder in der Stadt sind modern und müssen vor keiner Stadt verstecken. "Ganz im Gegenteil, wir sind in vielen Fällen der Leitwolf im deutschen Bäderwesen."

Das, sagt Vogel, spiegele sich auch in den Zahlen wieder. Zum Beispiel beim Vergleich mit Essen. "Da liegt die CSU einfach falsch", sagt Vogel. Die Essener gehen keineswegs häufiger ins Bad, vielmehr hatte die Stadt in Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr 70.000 Besucher weniger als die öffentlichen Bäder in Nürnberg. Obwohl Essen mehr Einwohner hat.

In seinen Bädern müssen Nürnberg also "das Rad nicht neu erfinden". Trotzdem könne auch der Eigenbetrieb "immer dazu lernen und das eine oder andere anpassen oder verbessern".

Schon für das Volksbad hat die Stadt eine Umfrage gestartet, um herauszubekommen, was sich die Badegäste wünschen. Die sehnen sich vor allem nach genug Schwimmfläche, Ruhe, Erholung, aber auch einen eigenen Kinderbereich und längeres Schwimmen am Abend. Mehr Veranstaltungen wollen dagegen nur acht Prozent.

Nürnberg hat die "richtige Mischung"

Vogel glaubt, in Nürnbergs Bädern daher die "richtige Mischung" zu haben. Das aber will er noch einmal überprüfen - mit einer weiteren Umfrage. Der aber habe Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Eines will Christian Vogel auf keinen Fall: ein städtisches Spaßbad, nur um die Zahl der Besucher zu steigern. In Nürnbergs Bädern liege der Schwerpunkt auf Schwimmen und Erholen. "Wer zu uns kommt will im Wasser seine Bahnen ziehen oder in der Sauna relaxen." Im Saunabereich sieht Vogel weiter einen Wachstumsmarkt. Auch Baby- und Kleinkindschwimmen seien etwas für die Zukunft.

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