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Neuer Stadtteil in Nürnberg: Die ersten Grundstücke sind bereits verkauft

Mammutprojekt ist auch für die Planer eine Herausforderung - 19.04.2021 10:51 Uhr

Zwischen den flachen Zäunen sollen sich nach und nach Eidechsen sammeln, die dann umgesiedelt werden.

16.04.2021 © Foto: Stefan Hippel


Aber noch führen hier die Eidechsen das Kommando. In einem kleineren Zipfel des riesigen Areals haben die Mitarbeiter für die Reptilien flache Zäune aufgestellt, zwischen denen sich die Tiere nach und nach versammeln sollen. Rund 1000 Exemplare seien schon umgesiedelt worden in den Dürrenhembacher Wald bei Schwarzenbruck, sagt die Stadtplanerin Esther Gilcher, die beim Projektentwickler Aurelis für die Vorbereitung der Flächen zuständig ist.

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Für sie und ihre Kollegen ist der Artenschutz eine von vielen verschiedenen Teilaufgaben, die bei der Gestaltung des neuen Stadtteils im Nürnberger Süden zu berücksichtigen sind. Ein Projekt, das auch für die daran beteiligten Entwickler alles andere als alltäglich ist: Rund 100 Hektar groß ist das Areal, das in den nächsten Jahren das neue Zuhause für mehrere tausend Menschen werden soll.


Neuer Stadtteil Lichtenreuth: Das hat es mit dem Projekt auf sich


Nachdem der Freistaat rund ein Drittel davon für die neue Universität erworben hat, bleiben immer noch über 60 Hektar, die zum Stadtquartier für Wohnen, Dienstleistung, Nahversorgung und Gewerbe entwickelt werden sollen.

Noch ist einiges an Fantasie notwendig

Viele Planungsrunden liegen schon hinter Esther Gilcher und Stefan Wiegand, die sich bei Aurelis um das Projekt kümmern.

16.04.2021 © Foto: Stefan Hippel


Die ersten Vorarbeiten haben schon vor der Jahrtausendwende begonnen, es folgten in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg zahlreiche Planungsrunden, Rahmenvereinbarungen und ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, den das Büro West 8 aus Rotterdam für sich entschied.

"Bis man etwas sieht, sind meistens schon Jahrzehnte vergangen", sagt Gilcher, für die die Arbeit an dem Mammutprojekt trotzdem "ein Traum" ist. Oft müsse sie planen, ohne zu wissen, ob ihre Ideen jemals realisiert werden. "Hier weiß ich, dass etwas kommt. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich hier durchradeln kann."

Noch brauchen Außenstehende allerdings einiges an Fantasie, wenn sie sich den neuen Stadtteil vorstellen wollen, über dessen Arbeitsnamen Lichtenreuth derzeit wieder heftig diskutiert wird. Wer das Gelände zwischen Ingolstädter und Münchner Straße gemeinsam mit Esther Gilcher und Geschäftsführer Stefan Wiegand besichtigt, der blickt derzeit auf eine Art Mondlandschaft aus Sand.

Eine Mondlandschaft, in deren Entstehung jedoch bereits ein hoher zweistelliger Millionenbetrag investiert wurde: Zahlreiche Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs mussten abgerissen und der Bauschutt entsorgt werden. Immer wieder sorgten Bombenfunde für Schlagzeilen und verzögerten die Arbeiten.

Teilflächen an privaten Investor verkauft

Jetzt ist das Areal weitgehend freigeräumt, die Erschließungsarbeiten haben begonnen. Dazu gehört auch der Bau einer Straße, die durch das Gelände der künftigen Universität führt, entlang dieser Trasse soll auch die Straßenbahn fahren.

Noch dominiert hier der Sand. Aber bald soll es losgehen mit den Bauarbeiten an Nürnbergs neuem Stadtteil, der vom Investor den Arbeitstitel Lichtenreuth bekam, über den gerade debattiert wird.

16.04.2021 © Foto: Stefan Hippel


Vom Hasenbuck aus soll dann im kommenden Jahr mit der Bebauung des 33,5 Hektar großen Moduls 1 begonnen werden. Mehrere Teilflächen sind laut Aurelis bereits an einen privaten Investor verkauft worden, der sich allerdings derzeit noch nicht im Detail zu seinen Plänen äußern will. Auch das Evangelische Siedlungswerk hat zwei Grundstücke erworben, hier sollen 150 geförderte Wohnungen entstehen, auch eine Einzelhandelsfläche ist geplant. Bis 2025 sollen die beiden Anlagen fertig sein.

Die Herausforderungen für die Planer hören mit dem Verkauf nicht auf. Die öffentlichen Flächen müssten parallel dazu entwickelt werden, sagt Esther Gilcher. Grünflächen und Park dürften nicht zu spät fertig werden, die ersten Bewohner sollen nicht über Jahre auf einer Baustelle wohnen müssen. "Sonst kann ein Gebiet auch kippen."

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Viele Fragen müssen noch geklärt werden

Deshalb gehört auch die Frage, wie der Baustellenverkehr von den bereits fertigen Einheiten ferngehalten werden kann, zu den vielen Fragen, die es zu klären gilt. Bis das letzte Haus stehe, werde es wohl zehn Jahre dauern, schätzt die Projektentwicklerin. Und das gilt nur für die erste Teilfläche, für das zweite Modul, das einen Mix aus Wohnen und Gewerbe, sozialen und kulturellen Einrichtungen bieten soll, wird derzeit erst der Bebauungsplan erstellt.

Gut zehn Hektar sind für Parkflächen reserviert, hinzu kommt ein acht Hektar großer naturbelassener Bereich als ökologische Ausgleichsfläche, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein wird.

Die Autos werden weitgehend in Tiefgaragen verbannt, Durchgangsverkehr soll es nicht geben, nicht mal zwischen den beiden Modulen ist eine (Auto-)straßenverbindung geplant.

In Lichtenreuth, oder wie auch immer das Quartier dann heißen wird, sollen die Menschen zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sein. "Da ist alles drin, was man an moderner Stadtplanung haben will", sagt auch Bau- und Planungsreferent Daniel Ulrich. "Das wird eines der fortschrittlichsten Quartiere in Europa." Auf einer Fläche dieser Größe könne man ganz anders planen als auf kleinen Arealen. Wiegand und Gilcher sehen es ähnlich. "Wir können bei Null anfangen und Stadt erfinden. Diese Chance haben auch wir nicht oft."


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