Neuer Stadtteil Lichtenreuth: "Das Projekt ist ein Leuchtturm"

Foto: Eduard Weigert Datum: 9.11.16..Mitarbeiterportrait....Silke Roennefahrt
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1.2.2021, 05:54 Uhr
Wohnen im Grünen: Allein im ersten Abschnitt sollen in Lichtenreuth 1600 Wohnungen entstehen.

© Aurelis / West 8 Urban Design & Landscape Architecture Wohnen im Grünen: Allein im ersten Abschnitt sollen in Lichtenreuth 1600 Wohnungen entstehen.

Der heute 76-Jährige erinnert sich noch genau an die erste gemeinsame Wohnung, die er 1950 mit seinen Eltern bezog. Zuvor hatte sich die Familie mit Großeltern und anderen Verwandten zwei Zimmer in der Bauernfeindstraße geteilt; dass er mit den Eltern ein eigenes Domizil in einem Gebäude auf dem Bahngelände beziehen konnte, kam dem damals Sechsjährigen zunächst durchaus komfortabel vor.

In diesem Haus ist Dieter Linz aufgewachsen. Das Gebäude wurde bereits abgerissen.

In diesem Haus ist Dieter Linz aufgewachsen. Das Gebäude wurde bereits abgerissen. © Klaus Lehnberger

Doch die Bedingungen waren aus heutiger Sicht alles andere als luxuriös: Die Wohnung bestand nur aus Schlafzimmer und Küche, in dieser stand auch das Schlafsofa des Buben. Im Winter war es in den Räumen kalt, nur der Herd und ein kleiner Kanonenofen sorgten für Wärme. Fließendes Wasser gab es nur im kleinen Toilettenraum, den sich Familie Linz mit den Großeltern teilte, die nebenan in einer separaten Wohnung lebten.

Wohnungen, Einzelhandel und Gastronomie

Dieter Linz mit seiner Mutter um 1950.

Dieter Linz mit seiner Mutter um 1950. © Eduard Weigert, NNZ

"Mein Großvater war Hausmeister auf dem Gelände", erinnert sich Dieter Linz. Er sei für die Ölausgabe zuständig gewesen, habe sich um zwei Heizanlagen gekümmert und abends alle Tore auf dem weitläufigen Areal geschlossen, oft begleitet von seinem Enkel, für den das Gelände aber kein riesiger Abenteuerspielplatz war. "Ich durfte mich nicht frei bewegen, die Bahn war da sehr streng." Vielleicht auch mit Blick auf die Sicherheit, schließlich rollten regelmäßig die Tankwagons auf das Grundstück, wurden dort be- und entladen.

Linz hat die Erdhügel mit den unterirdischen Tanks noch vor Augen, ebenso das gelbe Wohnhaus, unter dessen Dach er bis 1959 wohnte. Im Erdgeschoss waren die Büros der rund 30 Mitarbeiter des Betriebsstoffhauptlagers untergebracht. Aus seiner Kindheit hat er davon keine Fotos mehr, vor ein paar Jahren war er aber noch mal mit der Kamera auf dem Gelände unterwegs und konnte ein paar Bilder machen. Mittlerweile steht das Haus nicht mehr, schließlich haben die Arbeiten am künftigen Stadtteil Lichtenreuth bereits begonnen.

Auf dem insgesamt 100 Hektar großen Areal des ehemaligen Güterbahnhofs sollen neben Wohnungen, Einzelhandel und Gastronomie auch Gewerbe und die neue Universität entstehen. Rund 1600 Wohnungen, eine Schule und drei Kindertagesstäten sind allein im ersten Abschnitt geplant, noch in diesem Jahr soll mit dem Bau der Erschließungsstraßen für das Modul 1 begonnen werden. Derzeit werden laut Projektentwickler Aurelis die entsprechenden Flächen frei gemacht, noch vorhandene Gebäude werden abgerissen, der Boden wird aufbereitet. Zuletzt hatte der Fund mehrerer Fliegerbomben auf dem Areal für Aufsehen gesorgt.

Ein grüner Stadtteil

Auch an der acht Hektar großen ökologischen Ausgleichsfläche "Lichtenreuth naturnah" wird gearbeitet, dazu werden Offenlandstrukturen mit Tockenrasen, Großbäumen und Büschen wieder hergestellt oder neu geschaffen. Dieser Teil des Geländes wird nicht öffentlich zugänglich sein, wohl aber der zehn Hektar große Park im Norden des Areals. Schließlich soll Lichtenreuth ein grüner Stadtteil werden. Bau- und Planungsreferent Daniel Ulrich schwärmt von "einem der fortschrittlichsten Quartiere überhaupt in Europa".

Die Entwicklung sei äußerst positiv, "das Projekt ist ein Leuchtturm, da ist alles drin, was man an moderner Stadtplanung haben will". Dazu gehört für Ulrich auch, dass Grünflächen und Fußgänger reichlich Platz bekommen, weil Autos in Tiefgaragen parken. Ohnehin wird es weniger Stellflächen als üblich geben, der öffentliche Nahverkehr wird ausgebaut, unter anderem durch die Verlängerung der Straßenbahnlinie 7 mit den drei neuen Haltestellen "Quartiersplatz", "Bruneckerstraße" und "Universität".

Dieter Linz ist in den 1950er Jahren auf dem früheren Betriebsstoffhauptlager der Bahn aufgewachsen.

Dieter Linz ist in den 1950er Jahren auf dem früheren Betriebsstoffhauptlager der Bahn aufgewachsen. © Eduard Weigert, NNZ

Dieter Linz hofft, dass er die Entwicklung noch weiter verfolgen kann und vielleicht durch das fertige Viertel spazieren gehen wird. Dass dann vermutlich nur wenige Autos übers Gelände fahren werden, wird ihm bekannt vorkommen. "In meiner Kindheit waren die Straßen oft leer." Fußball spielen und schussern auf der Straße - in Lichtenreuth sollte der Platz dafür dann wieder vorhanden sein.

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