Petition gestartet: Das könnte sich auf Nürnbergs Straßen ändern

22.5.2020, 06:00 Uhr
Ein Modell für Nürnberg? Auch in Nizza gibt es seit Kurzem neu eingerichtete Fahrradstreifen.

Ein Modell für Nürnberg? Auch in Nizza gibt es seit Kurzem neu eingerichtete Fahrradstreifen. © Foto: Valery Hache / AFP

"Gerade jetzt können die Städte Lücken im Fahrradnetz schließen sowie die Gehwege und den ÖPNV entlasten", sagt Berthold Söder vom Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Er ist sich sicher: Pop-Up-Bike-Lanes "schaffen schnell und einfach eine pandemiesichere Infrastruktur und eine fairere Verteilung des Straßenraums".

Weil auch in Nürnberg in Corona-Zeiten die Zahl der Radfahrer gestiegen ist, macht der VCD Nürnberg jetzt Druck: Eine Petition wurde gestartet. Nach kürzester Zeit wurde das erste Ziel von 500 Unterschriften erreicht, jetzt sind es schon über 1600 Befürworter. (Stand Freitag, 7:30 Uhr)

Für am dringendsten hält der VCD den Abschnitt zwischen Rennweg und Rathenauplatz auf der Bayreuther Straße, um eine gefährliche Radweglücke kurzfristig zu schließen. Gefordert wird nun "schnelles Handeln der Verantwortlichen um den neuen Oberbürgermeister Marcus König".

Als weitere Strecken für Pop-Up-Bike-Lanes werden vorgeschlagen: der gesamte Altstadtring, der Plärrer, die Bayreuther Straße zwischen Rennweg und Nordostbahnhof, die Fürther Straße, die Rothenburger Straße zwischen Oberer Kanal- und Fuggerstraße sowie die Maximilianstraße zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Fürther Straße.


Experte: "Autoverkehr wird eine Renaissance erleben"


Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt den Vorstoß des VCD und die Petition. Der angestrebte Radentscheid sieht solche Lösungen für breitere Radwege ebenfalls vor. Aus Sicht des ADFC-Vorsitzenden Markus Stipp ist aktuell die passende Zeit "für Experimente und zum Sammeln von Erfahrungen".

Grundsätzliches Wohlwollen der Politik

Bei der Politik gibt es grundsätzlich Wohlwollen für den Vorstoß. Der CSU-Fraktionschef Andreas Krieglstein plädiert dafür, es dort zu machen, "wo es technisch möglich und wirtschaftlich umsetzbar ist". Seiner Meinung nach sollte mit Blick auf den kommunalen Zehn-Millionen-Euro-Jahresetat für den Radverkehr "der Lückenschluss Priorität haben".

Volle Unterstützung für eine Verbindung von der Bayreuther Straße zum Rathenauplatz signalisieren derweil die Grünen. "Wir möchten, dass die Menschen auf das Rad umsteigen und nicht auf das Auto", sagt Stadtrat Mike Bock. Er verweist auch auf eine Mitteilung des bayerischen Verkehrsministeriums von Anfang April, in der das Radfahren als "eine geeignete, weil infektionsarme Art der Mobilität" propagiert wird.

Wegen des vorgeschriebenen Mindestabstands von 1,50 Meter sollten Radwege nun deutlich breiter sein. Deshalb plädieren die Grünen für "zeitlich befristete Verkehrsversuche" – zumal die Hürden dafür kürzlich in einer Novellierung der Straßenverkehrsordnung am 28. April "deutlich gesenkt wurden".

"Wir sollten prüfen, ob wir das nicht bei dem ohnehin beschlossenen Radweg in der Rothenburger Straße machen und das sozusagen über eine Interimslösung vorziehen", sagt SPD-Fraktionschef Thorsten Brehm zum Thema Pop-Up-Bike-Lanes. An der Bayreuther Straße sieht er "zweifelsohne Handlungsbedarf ". Die Stelle aber jetzt "im Hauruckverfahren umzugestalten", sei "keine gute Idee", weil man sich "auch die Kreuzungsbereiche ansehen muss – diese sind die Gefahrenpunkte. Dafür braucht es eine solide Planung, die das Radfahren sicher macht", meint Brehm.

"Nicht einfach etwas wegnehmen"

Ähnlich und eher "zwiespältig" sieht den Sachverhalt der Bau- und Planungsreferent Daniel Ulrich. Er hält es für falsch, "in Zeiten der Gesundheitskrise auf Zuruf anderen Verkehrsteilnehmern wie den Autofahrern etwas wegzunehmen". Entscheidend sei "das Primat der Sicherheit" – und hier sieht er bei der Gestaltung der Kreuzungen Probleme bei den Pop-Up-Bike-Lanes.

Ulrich sichert aber zu, dass die städtischen Verkehrsplaner nachdenken werden, an welchen "verkehrlich sinnvollen Stellen" abgetrennte Bike-Lanes möglich wären. Da Straßenabschnitte mehrere Hundert Meter lang seien und keine Zufahrten haben sollten, drängen sich für Ulrich zuerst der Nordwestring und vor allem die Rothenburger Straße auf, wo eine Radschnellwegtrasse geplant wird. Auch die Fürther Straße und andere Hauptstraßen sollen untersucht werden. Ulrich verspricht, dass die Verwaltung zeitnah Vorschläge machen werde.

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