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Vor 15 Jahren: Nürnberg gedenkt der NSU-Opfer

Initiativen erinnern mit Kundgebungen in der Südstadt an die Menschen - 09.06.2020 06:00 Uhr

Nürnberg gedenkt einmal mehr den NSU-Opfern.


Neben einer kleineren Gedenkfeier mit Vertretern der türkischen Community und dem türkischen Generalkonsul, die um 10 Uhr stattfindet, ist am selben Ort um 18 Uhr eine weitere Veranstaltung angemeldet, zu der die Initiative "Das Schweigen Durchbrechen" einlädt.


NSU ist noch immer Bezugspunkt für Extremisten


Die Initiative will mit ihrer Gedenkkundgebung nicht nur an İsmail Yaşar erinnern, sondern auch "die gesellschaftlichen Umstände kritisieren, die zum Entstehen des NSU führten und eine zeitnahe Aufklärung der Mord- und Anschlagsserie verhinderten". Marek Berger, Sprecher der Initiative kritisiert auch, dass der NSU-Prozess mehr Fragen aufgeworfen habe als beantwortet: "Die Netzwerke der Unterstützer in Neonazistrukturen und Sicherheitsbehörden wurden nicht offengelegt. Struktureller Rassismus wurde nicht als Problem benannt." Daher fordert die Initiative, "dass die Perspektiven der Hinterbliebenen endlich berücksichtigt werden, der NSU-Komplex ganz aufgeklärt wird und alle Täter zur Verantwortung gezogen werden."

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Unterstützt wird die Kundgebung von den Organisatoren des Straßenfests gegen Rassismus und Diskriminierung, dem Verein Junge Stimme. Das Fest bei dem alljährlich an die Nürnberger NSU-Mordopfer Abdurrahim Özüdoğru, Ismail Yaşar und Enver Şimsek erinnert wird, hätte eigentlich am 13. Juni, dem Todestag von Abdurrahim Özüdoğru auf dem Aufseßplatz steigen sollen. Die sechste Auflage der bunten Veranstaltung, bei der verschiedene Organisationen, Parteien, Verbände und Gewerkschaften um ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung und für ein besseres Zusammenleben zu setzen, muss jedoch aufgrund der Corona-Beschränkungen ausfallen.

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Stattdessen sind - ähnlich der heutigen Veranstaltung in der Scharrerstraße, bei der neben den Initiatoren auch Birgit Mair vom Bündnis Nazistopp und Stephan Doll von der Allianz gegen Rechtsextremismus als Redner auftreten – am Samstag, 13. Juni, zwei Gedenkkundgebungen für Abdurrahim Özüdoğru geplant. Von 13 bis 14 Uhr sind am Tatort an der Ecke Gyulaer Straße/Siemensstraße Lesungen auf deutsch und türkisch, sowie Reden und eine Schweigeminute geplant. Anschließend findet am Aufseßplatz von 15 bis 16 Uhr eine zweite Kundgebung statt. Hier sprechen neben Vertretern des Bündnis Straßenfest und der Initiative "Schweigen Durchbrechen" Birgit Mair vom Bündnis Nazistopp und Jessica Marcus vom KJR Nürnberg Stadt.

Zudem stellen die Veranstalter am 13. Juni ab Nachmittag eine Online-Version ihres Straßenfests Gegen Rassismus und Diskriminierung ins Internet, die auf www.strassenfest-aufsessplatz.de abgerufen werden kann. Neben Videobotschaften von Politikern und der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg sind dort auch Beiträge verschiedener Vereine und Gruppen sowie von Künstlern, die in den vergangenen Jahren am Straßenfest aufgetreten sind, zu sehen, die jeweils mit einer Zwischenmoderation vom Aufseßplatz gezeigt werden.

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