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Wegen Coronavirus: Erste Hamsterkäufe in Nürnberg

Die Luft wird dünner - Desinfektionsmittel sind in vielen Supermärkten knapp - 29.02.2020 10:16 Uhr

Aufgrund der Infektionsgefahr dürfen Kunden in manchen italienischen Regionen nur stoßweise und dann nur in kleinen Gruppen die Lebensmittelmärkte betreten. Solche Zustände gehören in Deutschland bisher noch nicht zum Alltag.

© dpa/Claudio Furlan


"Der Artikel ist demnächst wieder lieferbar": Im Regal, unter dem dieser Satz steht, herrscht gähnende Leere. Hier stehen üblicherweise Desinfektionsmittel. "Die Leute kaufen ein wie verrückt", sagt eine Mitarbeiterin der Müller-Drogerie im Einkaufscenter Mercado. "Haben Sie denn noch Toilettenpapier?" Sie lacht den Kunden an. "Davon haben wir noch ein bisschen", sagt sie und betont dabei das "noch".

Ein paar Schritte weiter in der Drogerie dm erklärt eine Verkäuferin: "Desinfektionsmittel sind schon seit über einer Woche aus. Heute früh haben wir eine Lieferung bekommen. Unser Geschäft öffnet um 9 Uhr und um 9.30 Uhr war wieder alles weg." So etwas habe sie noch nicht erlebt. Wie sie sich das erklärt? "Es ist das Virus. Die Leute haben Panik. Ich werde jeden Tag mindestens 100 Mal danach gefragt."


Erster Nürnberger mit Coronavirus infiziert 


Das Virus. Es ist schon wie bei "Tempo" – jeder weiß, es sind Papiertaschentücher gemeint. Wer derzeit Virus sagt, muss "Corona" erst gar nicht mehr dazu erwähnen. So auch in einer Mercado-Apotheke. Links von der Eingangstüre steht ein Aufsteller: "Mundschutz ausverkauft – aktuell auch nicht zu bestellen". Auf der rechten Seite steht ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände. Wer Desinfektionsmittel kaufen will, wird auch hier enttäuscht. "Nichts mehr auf Lager", sagt die Apothekerin. Auch sie spricht vom Virus und von Panik unter den Menschen, das könne man an der Nachfrage beim Mundschutz sehen. "Seit einem Monat sind die Bestände ausverkauft und nicht mehr lieferbar."

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Erhöhte Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln

Was aber ist mit den Lebensmitteln? Zumindest am Freitagvormittag wirken die meisten Kunden bei ihrem Einkauf noch recht entspannt. "Nein, ich kaufe heute nicht mehr ein als sonst", sagt eine Frau, als sie aus der Edeka-Filiale in der Sulzbacher Straße hinausgeht. Auf ihre vielen Einkaufstaschen angesprochen, sagt eine andere Frau lachend: "Wir leben in einem Mehrgenerationenhaushalt, da kommt jede Woche einiges zusammen." 


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Allerdings: Die Zahlen der Handelsketten sprechen eine andere Sprache. "Im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus hat sich auch bei uns die Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln und Getränken erhöht", schreibt ein Sprecher von real unserer Zeitung. Man habe deshalb für bestimmte Produkte, insbesondere Konserven und Hygieneprodukte, die Lagerbestände erhöht. Engpässe bei Lieferungen befürchte man aktuell aber noch nicht.

Auch im Aldi an der Bessemerstraße ist das "noch" zu hören. "Noch haben wir Nudeln, da vorne im Regal an der Kasse", beschreibt der Verkäufer den Weg. Ähnlich sieht es bei Reis und Konserven aus.

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Liefermenge wird wohl reduziert 

Das deckt sich mit der Stellungnahme der Aldi-Süd-Zentrale in Mülheim an der Ruhr. "Bei einigen Artikeln ist bereits jetzt absehbar, dass sich die Liefermenge reduzieren wird und somit diese Artikel bei hoher Nachfrage schneller vergriffen sein könnten", heißt es. Darüber hinaus sei nicht abschätzbar, ob und welche Waren verzögert oder gar nicht angeliefert werden können. "Wir registrieren in unseren Filialen eine verstärkte Nachfrage nach Produkten in bestimmten Warengruppen wie haltbaren Lebensmitteln."

Die Pressestelle von Lidl Deutschland antwortet auf Anfrage der Lokalredaktion: "Besonders Artikel aus dem Trockensortiment, wie beispielsweise Konserven und Nudeln, sowie aus dem Hygienebereich, wie Toilettenpapier und Desinfektionsmittel, werden aktuell stark nachgefragt."


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Der Lebensmittelfilialbetrieb Norma mit Sitz in Fürth geht auf das Verbreitungsgebiet unserer Zeitung ein. In der Metropolregion sieht auch er "eine leicht erhöhte Nachfrage – vor allem im Bereich der haltbaren Lebensmittel". Das Unternehmen sei aber auf einen verstärkten Abverkauf bestimmter Warengruppen vorbereitet, die Aufstockung der Lagerbestände sei gewährleistet. "Wir sind derzeit noch weit entfernt von langen Kundenschlangen wie in Italien.

Es gibt Verdachtsfälle

Im städtischen Gesundheitsamt geht man davon aus, dass das Ansteckungsrisiko durch einen erkrankten Menschen bei einem Face-to-face-Kontakt von mindestens 15 Minuten deutlich steigt.

"Das Risiko für Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, an der Kasse von Kunden angesteckt zu werden oder umgekehrt, ist demnach eher gering", erklärt Dr. Alice Schaffer, zuständig für den Infektionsschutz in der Gesundheitsbehörde. In Nürnberg gebe es mittlerweile einige Verdachtsfälle, die derzeit geprüft werden, sagt sie. Bisher waren die Ergebnisse aber alle negativ. Schaffer: "Früher oder später werden wir auch einen positiven Fall haben."

Alexander Brock und Anne Kleinmann E-Mail

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