Die Linken-Direktkandidatin im Portrait

Evelyn Schötz: "Pflegekräfte in den Bundestag!"

8.9.2021, 11:04 Uhr
Porträitfoto von Evelyn Schötz, Abgeordnete Die Linke Wahlkreis Roth, Bundestagswahl 2021. Foto: Die Linke

Porträitfoto von Evelyn Schötz, Abgeordnete Die Linke Wahlkreis Roth, Bundestagswahl 2021. Foto: Die Linke © Die Linke, NN

Geboren ist Evelyn Schötz 1961 in Lauf. Sie wohnt in Schwaig, ist verheiratet und hat einen Sohn. Von Beruf ist sie staatlich anerkannte Altenpflegerin. Seit 30 Jahren arbeitet sie in der Pflege, davon über 20 Jahre in der Psychiatrie der Bezirksklinik Engelthal. Ihre Hobbys sind Lesen und Reisen mit dem Wohnwagen. Viel Freizeit investiert sie auch in ihr politisches Engagement.

„Politisiert wurde ich bereits in meiner Jugend durch die Gewerkschaft“, sagt Evelyn Schötz. Die wichtigsten Stationen: 2017 Eintritt in die Linke, seit 2018 Kreissprecherin, seit 2020 Mitglied im Bundesausschuss der Linken, seit 2020 Kreisrätin im Nürnberger Land. Nun kandidiert sie bei der Bundestagswahl am 26. September.

Als Direktkandidatin der Linken hat sie keine realistische Chance, in den Bundestag gewählt zu werden. Auf der Landesliste der Linken steht sie auf Platz elf. Aktuell stellen die bayerischen Linken sieben Bundestagsabgeordnete. 2017 hatte die Linke in Bayern 6,1 Prozent erreicht. Damit es für Evelyn Schötz reichen könnte, müsste das Ergebnis deutlich besser ausfallen. Genau darum kämpft sie.

Den Notstand bekämpfen

Dass die Bekämpfung des Pflegenotstands ihr zentrales Anliegen ist, hat mit ihrer langjährigen Erfahrung in diesem Bereich zu tun. Mit der Privatisierung sei die Pflege ökonomisiert worden, womit Gewinnstreben und Sparzwänge einhergingen, erklärt sie. „Und wo lässt es sich am leichtesten sparen? Beim Personal.“

Dadurch sei die Arbeitsbelastung gestiegen, die Entlohnung habe mit der allgemeinen Entwicklung nicht Schritt gehalten und in der Konsequenz fehle jetzt eine ganze Generation in den Pflegeberufen. Deswegen müsse die Attraktivität der Pflegeberufe gesteigert werden „Und deswegen müssen auch mehr Pflegekräfte in den Bundestag“, betont Evelyn Schötz. Doch auch in anderen Politikbereichen fordert sie ein Umdenken. Einige Beispiele:

Klimawandel: „Wir müssen den Ressourcenverbrauch deckeln und absenken“, sagt Evelyn Schötz. „Mit sozialökologischen Investitionen wollen wir dafür sorgen, dass dies nicht auf Kosten der breiten Bevölkerung geschieht. Durch eine Energiewende in öffentlicher oder genossenschaftlicher Hand können bis 2030 100 000 hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden.“

Verkehrswende: Konkret in den beiden Landkreisen will sie den ÖPNV weiter ausbauen und so kostengünstig machen, dass er eine attraktive Alternative zum Auto wird. Die Landkreise arbeiteten zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten kontinuierlich daran. Doch das reiche nicht aus. „Da ist eindeutig der Bund gefragt“, betont Evelyn Schötz.

Corona: „Leider sehe ich, solange nicht global eine hohe Durchimpfungsquote erreicht ist, keine andere Möglichkeit, als Distanz wahren“, sagt Schötz. „In Großraumbüros, Schlachthöfen wurde oft weiterhin dicht an dicht gearbeitet. Hier müssen künftig die Verantwortlichen bezüglich ihrer Fürsorgepflicht in die Pflicht genommen werden.“

Digitalisierung: Die Linke möchte den Glasfaserausbau mit zehn Milliarden Euro jährlich fördern. „Alle Menschen sollen digitale Dienstleistungen nutzen können, unabhängig vom Geldbeutel“, so Evelyn Schötz.

Rente: Wahlkampfunterstützung hat Evelyn Schötz am Wochenende vom bayerischen Linken-Spitzenkandidaten Klaus Ernst bei dessen Besuch in Lauf und Röthenbach erhalten. Ernst betonte, das Beispiel Österreich zeige, dass die Rente ohne verlängerte Lebensarbeitszeit stabilisiert und deutlich angehoben werden könne. Dafür sei eine Beitragspflicht aller Verdienenden und ein etwas höherer Beitragssatz insbesondere der Arbeitgeber notwendig – und just an Letzterem würde es scheitern.

Steuer: Die Linke ist für die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 53 Prozent, wie er bis zur Ära Kohl gegolten habe, so Schötz. Eine weitere Forderung ist die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Mittelstand: Die Steuerpolitik der Linken unterstütze den Mittelstand, da sie die Großbetriebe stärker in den Fokus habe und diesen Steuervorteile nehme, so Klaus Ernst.

Mindestlohn: Die Linke fordert die Anhebung auf 13 Euro. Zudem dürfe befristete Beschäftigung nur aus besonderem Grund genehmigt werden.