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So will Nürnberg in Wasserstoff-Technologie punkten

Projekte hoffen auf Geld aus dem Konjunkturpaket - 07.08.2020 18:41 Uhr

Stefan Kaufmann (rechts) informiert sich in Nürnberg über Wasserstoff-Speicherung.

© Alisa Zellner / EnCN / H2.B


„Wir brauchen genau diese Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik“, sagt Stefan Kaufmann nach seinem Besuch. Der 50-Jährige ist seit sechs Wochen neuer „Innovationsbeauftragter grüner Wasserstoff der Bundesregierung“. Spitzname „Mister Wasserstoff“, denn das Bundesforschungsministerium hat seine Stelle extra geschaffen.


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Kaufmann soll die nationale Wasserstoffstrategie umsetzen, die die Regierung nach langem Hin und Her Anfang Juni beschlossen hat. Sieben Milliarden Euro fließen in den Aufbau umweltfreundlicher und marktfähiger Technologien. Nürnberg und Bayern wollen dabei eine große Rolle spielen.

Kaufmann tourt aktuell durch Deutschland, um sich einen Überblick zu verschaffen über Forschungszentren, vielversprechende Projekte, große und kleine Unternehmen, die sich mit seinem Thema beschäftigen.

„Hier kommt viel Expertise zusammen“, sagt der CDU-Politiker beim Rundgang über das ehemalige AEG-Gelände an der Fürther Straße. „Die Bündelung der Kompetenzen gelingt hier sehr gut.“ Kaufmann ist zu Gast beim Zentrum Wasserstoff.Bayern (H2.B), das die Bayerische Regierung im September gegründet hat.

Die Uni Erlangen-Nürnberg, Fraunhofer- und Helmholtz-Institut, mehrere Stadtwerke und inzwischen über 60 Unternehmen, von Audi bis Siemens, haben sich dafür zum Wasserstoffbündnis Bayern zusammen geschlossen.

Kaufmann spricht mit den Mitarbeitern des Lehrstuhls für Energieverfahrenstechnik, die sich mit Brennstoffzellen und Methanisierung beschäftigen. Dabei wird aus CO2-Abgasen Methan hergestellt, dass anschließend als künstliches Erdgas genutzt werden kann.

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Der Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik versucht, Verfahren durch geeignete Katalysatoren zu verbessern, und entwickelt Methoden, um Wasserstoff zu speichern. Wenn etwa im Sommer viel Solarenergie vorhanden ist, kann sie mit Hilfe von Wasserstoff gespeichert werden und erst bei Bedarf verbraucht.

Manche Technologien sind dabei besser geeignet, um große Mengen über weite Strecken etwa per Schiff oder Zug zu transportieren, andere lohnen sich eher für Einfamilienhäuser. Bis zum Jahr 2024 soll unter anderem ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn BOB mit Wasserstofftanks unterwegs sein.

Sonnenschirme produzieren Strom

Am Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung begutachtet Kaufmann Photovoltaik-Folie aus dem Drucker. Weil sie so dünn ist, können damit Fenster, Lastwagen oder auch Sonnenschirme beklebt werden und so zur Stromversorgung beitragen. Die Produktionsanlagen eignen sich in abgewandelter Form auch, um Elektroden und Membranen für Brennstoffzellen zu drucken.

In der „Solarfabrik der Zukunft“ begutachtet Kaufmann Photovoltaik-Folie aus dem Drucker.

© Alisa Zellner/EnCN/H2.B


„Wir haben unsere Zielsetzungen und Schwerpunkte präsentiert und gezeigt, was durch das Forschungsnetzwerk bereits in der Praxis möglich ist“, sagt H2.B-Sprecher Fabian Pfaffenberger. Die Beteiligten hoffen, dass von den Millionen aus der Wasserstoffstrategie auch ein Teil nach Bayern fließt. „Es geht jetzt darum, die Landesstrategien mit der des Bundes zu verzahnen“, sagt Kaufmann, der seit 2009 für den Wahlkreis Stuttgart-Süd im Bundestag sitzt.

Ehrgeizige Klimaschutzziele

Er würde es begrüßen, wenn sich Bayern und Baden-Württemberg noch mehr miteinander absprechen. „Es gelingt uns nur gemeinsam – auf Bundes- und auf europäischer Ebene – unsere ehrgeizigen Klimaschutzziele umzusetzen und international wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Ob aus den 130 Milliarden Euro des Ende Juni beschlossenen Konjunkturpakets noch zusätzliches Geld in die Wasserstoffindustrie fließt, kann Kaufmann noch nicht versprechen. „Da befinden sich die Häuser noch in der Findungsphase“, sagt er. Forschungs-, Wirtschafts- und Verkehrsministerium reden mit, um eigene Schwerpunkte setzen zu können.


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„Wir wünschen uns einen engen Austausch mit der Bundesregierung“, sagt Christian Egetemeyr, stellvertretender Referatsleiter für Energieforschung im Bayerisches Wirtschaftsministerium, der den Besuch begleitet hat. „Toll, dass Herr Kaufmann am zweiten Tag seiner Sommerreise gleich hier bei uns ist.“

Grüner Wasserstoff soll künftig in vielen Branchen zum Einsatz kommen. Vor Nürnberg war Kaufmann bei einem stahlverarbeitenden Betrieb in Jena zu Gast. Am nächsten Tag geht es weiter zum Autobauer BMW nach München. Vom AEG-Gelände aus fährt „Mister Wasserstoff“ zu seinem nächsten Termin in Fürth aber erst einmal mit der U-Bahn.

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