Center Parcs: Wie ökologisch wertvoll ist das Muna-Areal?

18.3.2021, 05:30 Uhr
So soll das Muna-Areal genutzt werden: Die neue Bebauung soll vor allem in der Mitte und in einem Streifen von Ost nach West erfolgen. Im Nordosten werden 35 Hektar komplett unberührt gelassen. Das gilt auch für einen Streifen zum See und die wichtigten Fledermausquartiere im Südwesten.

So soll das Muna-Areal genutzt werden: Die neue Bebauung soll vor allem in der Mitte und in einem Streifen von Ost nach West erfolgen. Im Nordosten werden 35 Hektar komplett unberührt gelassen. Das gilt auch für einen Streifen zum See und die wichtigten Fledermausquartiere im Südwesten. © Center Parcs

Die Ergebnisse fallen differenziert aus. Klar ist, das Muna-Gelände ist viel mehr als ein ökologisch nicht sonderlich spannender monokultureller Fichtenwald. Zu Beginn der Diskussionen um das geplante Projekt hatte Center Parcs so argumentiert. Mittlerweile weiß man, dass sich auf dem Gelände Biotoparten mit sehr hoher Wertigkeit befinden.

Etliche, streng geschützte Arten kommen in dem Areal vor. Unter anderem Waldlaubsänger, Zauneidechsen, Kammmolche, Eisvogel, Grauspecht, Ringelnattern oder 14 verschiedene Arten von Fledermäusen. Insbesondere bei der Bartfledermaus und der Zwergfledermaus haben die Quartiere in den alten Gebäuden der Muna landesweite Bedeutung.

Ein Jahr auf dem Gelände

Die Planungen für eine Ferienanlage auf diesem Areal haben also ihre Herausforderungen. Allerdings hatte auch Center Parcs nicht völlig unrecht. Laut Forstgutachten gibt es auf dem Gelände tatsächlich größere Flächen mit Waldbeständen, die ökologisch als nicht besonders wertvoll und zukunftsfähig eingestuft werden. Das ist bei größeren Fichtenbeständen in Bereichen mit Staunässe der Fall, die bald einem Sturm zum Opfer fallen könnten.


Das plant Center Parcs am Muna-Areal in Langlau


Die Aufgabe von Burchard Stocks, der als deutschlandweit anerkannter Fachmann für Raumanalysen bei Großprojekten gilt, war es nun, die Ergebnisse der zahlreichen Fachfirmen zusammenführen. Und das waren nicht eben wenige. Ein Jahr lang waren die Experten auf dem Areal unterwegs, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Sie kartierten die Vegetation, suchten in Tümpeln nach Eidechsen, lockten mit Lichtquellen Falter an und spielten Vogelgeräusche ab, um auf Antwort zu lauschen.

65 Hektar bleiben aus der Planung

Im Ergebnis hat man nun einen guten Überblick, wie es um das Muna-Areal ökologisch wirklich steht. Damit war Stocks Aufgabe allerdings nicht zu Ende, denn er sollte die Ergebnisse gleich in konkrete Vorgaben für eine Planung übersetzen. Also zeigen, wie man Beeinträchtigungen für Flora und Fauna möglichst gering halten kann und wie man sie sinnvoll kompensieren kann, wenn sie doch nötig werden.


Das kann Center Parcs an Wertschöpfung für die Region bringen


Diesen Aufwand betreibt Center Parcs nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern weil man weiß, dass die behördlichen Auflagen in einem Raumordnungsverfahren in Deutschland scharf sind. Von Anfang an müht man sich deswegen schon aus Eigeninteresse, die Parkplanung möglichst ideal auf die Naturschutzbelange abzustimmen.

In einem ersten Schritt wurden rund 65 Hektar komplett aus der Planung genommen, in denen sich die artenreichsten Gebiete der Fläche befinden. Der größte Bereich befindet sich im Nordosten des Geländes und umfasst einen 36 Hektar großen, besonders strukturreichen Waldbestand. Der schließt zudem direkt an das Naturschutzgebiet der Halbinsel am Brombachsee an.

Wichtiges Fledermausquartier

Hier grenzen weitere Sicherungsbereiche entlang eines Streifens an, die das Areal direkt vom Uferweg trennen. Dort befinden sich auch sehr wertvolle Heideflächen, die sich zum Beispiel auf dem früheren Hubschrauberlandeplatz entwickelt haben. Auch hier sollen keine Veränderungen stattfinden. Das gilt zudem für einen Bereich im Süden des Geländes, wo sich die wichtigsten Fledermausquartiere in alten Militärunterkünften befinden. Des Weiteren will man ein größeres Waldstück in der Bebauung einzäunen und aus der Nutzung nehmen, weil hier besonders wertvolle Arten vorkommen.

Im Ergebnis konzentriert sich die Center-Parcs-Bebauung auf dem Areal in der Mitte, wo das Hauptgebäude mit Hallenbad und einem See angesiedelt werden soll und läuft dann in einem Streifen nach Osten und Westen. Dass die Erschließung des Geländes auffallend kurvig ausfällt, liegt ebenfalls an Umweltvorgaben. Die Untersuchungen zeigten nämlich, dass die geplante Erschließungsachse auch der Zugkorridor der Fledermäuse zu ihren Jagdrevieren am See ist. Um hier Störungen zu vermeiden, müssen neue Wege mitunter sogar abgesenkt werden, um den Fledermäusen nicht in ihrem gewohnten Weg zu stehen.

Warten auf den Pfofelder Bürgerentscheid

Die Bebauung ist von Anfang an so geplant, dass bevorzugt die Waldbereiche gerodet werden, die als strukturschwach gelten. Und es gibt von Stocks und seinem Team auch bereits konkrete Vorgaben zu einem möglichst störungsarmen Lichtkonzept oder der optischen Eingliederung in der Landschaft. Auch Ideen für Kompensationsmaßnahmen sind bereits skizziert. Die Experten sehen große Aufwertungspotentiale in dem bestehenden Naturschutzgebiet auf der Halbinsel und dem 36 Hektar großen Waldstück.

Ende April dürfte die Raumanalyse vollständig abgeschlossen sein. Dann wandert sie erst mal in die Schublade. Und zwar so lange, bis der Bürgerentscheid in Pfofeld über Center Parcs entschieden hat. Erst bei einem positiven Votum würde man das Raumordnungsverfahren starten. Dann würde die von Center Parcs bereits erstellte Raumanalyse als Vorarbeit in das Verfahren und die Gespräche mit Behörden und Umweltverbänden als Vorschlag eingebracht. Im Laufe des Verfahrens können dann weitere Umplanungen nötig werden.

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