Aufholjagd kommt zu spät

2:3 am Millerntor: Fehlstart sorgt beim Club für Ernüchterung

Uli Digmayer
Uli Digmayer

Sportredaktion

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16.7.2022, 15:10 Uhr
Das erste Saisontor von Neuzugang Kwadwo Duah sollte dem Club am Millerntor nicht wirklich weiterhelfen.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Das erste Saisontor von Neuzugang Kwadwo Duah sollte dem Club am Millerntor nicht wirklich weiterhelfen.

Als der 1. FC Nürnberg vor 78 Tagen am Hamburger Millerntor gastierte, lastete auf beiden Mannschaften enormer Druck. Immerhin ging es an diesem 32. Spieltag darum, die kleine (St. Pauli) bzw. noch kleinere (FCN) Restchance im Aufstiegsrennen zu wahren. Ein 1:1, das keinem weiterhalf, sollte am Ende für kollektiven Frust sorgen.

Beim schnellen Wiedersehen war die Enttäuschung längst der Lust auf den Neustart gewichen - auch wenn nach eher durchwachsenen Vorbereitungen hüben wie drüben eine gewisse Unsicherheit mitschwang.

Erwartungsgemäß hatte Trainer Robert Klauß mit Jan Gyamerah, Christoph Daferner und Kwadwo Duah drei Neuzugänge aufgeboten. Weil Johannes Geis kurzfristig erkrankt ausfiel, bildeten Fabian Nürnberger und Lino Tempelmann eine Doppel-Sechs. Auf den Außenbahnen wirbeln sollten Mats Möller Daehli und Taylan Duman, beim letzten Aufeinandertreffen im Mai Schütze des späten Ausgleichstores.

Nicht ins Aufgebot geschafft hatte es neben Lukas Schleimer (Innenbandriss im Sprunggelenk), Pascal Köpke (Aufbautraining nach Knie-OP) und Felix Lohkemper überraschend auch Manuel Schäffler - wohl ein eindeutiges Signal des Trainers an den 33-jährigen Sturmroutinier. Dafür durfte der erst 17-jährige Niklas Jahn nach den guten Eindrücken der vergangenen Wochen mit nach Hamburg reisen.

Den etwas besseren Start erwischten die Gastgeber, die gleich die Initiative übernahmen und sich gefällig vor das Nürnberger Tor kombinierten, ohne dabei gefährlich zum Abschluss zu kommen. Fast hätte der Club dann von einem kapitalen Patzer in der Hamburger Abwehr profitiert: Nach einem Missverständnis zwischen dem Ex-Nürnberger Jakov Medic und dem wiederholt unsicheren Keeper Dennis Smarsch spritzte Daferner dazwischen, brachte dann aus spitzem Winkel aber nur ein harmloses Schüsschen zustande (7.). In der 14. Minute war es erneut Daferner, der nach feinem Zuspiel von Gyamerah aus halblinker Position über das Tor schoss.

Der Club war nun drin in der Partie, eine Direktabnahme von Innenverteidiger Asger Sörensen nach Flanke von Tim Handwerker strich knapp am Tor vorbei (20.). Leider scheint das Defensivverhalten bei Standardsituation auch in dieser Saison eine Baustelle zu bleiben. Leart Paqarada trat eine Freistoßflanke von links scharf nach innen und fand am Fünfmeterraum Jackson Irvine, der sich gegen Gyamerah durchsetzte und unhaltbar zum 1:0 einköpfte (24.).

Witz-Elfer wirft den Club aus der Bahn

Und es sollte noch schlimmer kommen: Nachdem Lukas Daschner im Laufduell mit Tempelmann und Christopher Schindler im Strafraum zu Boden gegangen war, zeigte Schiedsrichter Florian Heft sofort auf den Punkt und verzichtete auch auf eine Überprüfung der Szene durch die TV-Bilder. Dann hätte er vielleicht gesehen, dass keine elfmeterwürdige Berührung zu erkennen war. Paqarada durfte trotzdem zur Ausführung schreiten und verwandelte sicher zum 2:0 (37.). Eine krasse Fehlentscheidung, die den Club völlig aus der Bahn werfen sollte.

Nur zwei Minuten später durfte Daschner unbehelligt durch die Nürnberger Abwehr spazieren und aus 15 Metern abziehen. Keeper Christian Mathenia war zwar mit den Fingerspitzen noch dran, vom Innenpfosten trudelte der Ball aber über die Linie. Wohl kein unhaltbares Tor. Sekunden vor der Pause hatte St. Pauli sogar noch das 4:0 auf dem Fuß. Aber auch so war diese erste Halbzeit für die Gäste zu einem kleinen Desaster geworden.

Klauß reagierte zur Pause, stellte in der Abwehr auf eine Dreierkette um und brachte Erik Wekesser für den blassen Duman. Ein erstes Signal setzte dann aber der bis dahin wenig auffällige Duah. Nur 30 Sekunden nach Wiederanpfiff zündete der Schweizer nach Steilpass von Nürnberger den Turbo, drang in den Strafraum ein und schloss mit einem platzierten Schuss ins lange Eck eiskalt zum 1:3 ab. Sollte da doch noch etwas gehen am Millerntor?

Nachhaltig beeindruckt zeigten sich die Kiez-Kicker durch diesen Gegentreffer nicht. Vielmehr musste Mathenia erneut gegen den agilen Paqarada (52.) und Irvine (53.) retten. Auf der Gegenseite verzog Wekesser aus aussichtsreicher Position (62.). Letztlich brachte St. Pauli gegen einen Club, dem offensiv nicht mehr viel einfiel, seinen Vorsprung fast souverän über die Runden, auch wenn der eingewechselte Enrico Valentini nach einem Blackout von Medic in der Nachspielzeit noch auf 2:3 verkürzen konnte. Zu spät, um die erste Saisonniederlage noch abzuwenden. Somit steht Nürnberg in einer Woche im brisanten Frankenderby schon gehörig unter Druck. Auch wenn es diesmal erst der zweite Spieltag ist.

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