Nach Kreuzbandriss

Der Club wartet auf Tim Handwerker: Comebackversuch im neuen Jahr

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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2.12.2022, 05:21 Uhr
Unfreiwilliger Zuschauer: Tim Handwerker arbeitet am Comeback - und wird sehnlichst erwartet.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, NN Unfreiwilliger Zuschauer: Tim Handwerker arbeitet am Comeback - und wird sehnlichst erwartet.

Dass nichts selbstverständlich ist, weiß Tim Handwerker jetzt also auch. Geahnt hat er es womöglich schon und war deshalb vielleicht nur mittelmäßig überrascht, als die Verantwortlichen am Valznerweiher vor ein paar Wochen beschlossen haben, dass Robert Klauß nicht mehr Trainer des 1. FC Nürnberg sein darf. Jener Klauß also, unter dem der Linksverteidiger Tim Handwerker immer hat spielen dürfen, wenn er fit war.

Und fit war Handwerker eigentlich immer. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß er jetzt auch. Beim Spiel in Regensburg versuchte sich Handwerker an einer Offensivaktion, die Saison war noch jung und voller Hoffnung - doch dann ging die Offensivaktion schief und riss Handwerker sich das Kreuzband.

Deshalb hat er es verpasst, sich ganz persönlich von Klauß zu verabschieden. Handwerker lebt jetzt die meiste Zeit in Bergisch-Gladbach. Dort ist er geboren, dort arbeitet er jetzt an seinem Comeback, auf das sie auch beim Club sehnlichst warten. Das wiederum ist auch nicht selbstverständlich. Handwerker spielte zwar immer, aber eben lange Zeit auch selten so überzeugend, dass irgendjemand in Nürnberg damit gerechnet hat, dass man ihn mal sehnlichst zurückerwartet.

Ist jetzt aber so, Handwerker hat sich zum Leistungsträger gemacht - einer, der zurzeit leider dienstunfähig ist. Wie lange es noch dauert bis zur Rückkehr? Handwerker gibt sich da defensiv. Er hat Demut gelernt in den letzten Monaten. Und dass eben nicht alles selbstverständlich ist. Auf seinen Körper, sagt er, hat er sich immer verlassen können. Jetzt muss er sogar neu lernen, wie man Treppen steigt. „Man muss sich jeden Schritt erarbeiten“, sagt Handwerker, „es ist erstaunlich, wenn man sieht, was es alleine schon braucht, um Treppen zu steigen.“

Zu viele Verletzte

Für Bundesligafußball braucht es noch mehr. Im Verein hoffen manche, dass Handwerker im März wieder zur Verfügung steht. Was nicht unwichtig wäre, weil mit Erik Wekesser eine Vertretung auf der linken Abwehrseite verletzungsbedingt ebenfalls länger fehlen wird. Und Wekesser ist ja nicht der einzige, der Handwerker in den Krankenstand gefolgt ist. „Die vielen Verletzten sind sicherlich ein Grund“, sagt Handwerker deshalb über den komplizierten Saisonverlauf des Clubs, „das steckt keine Mannschaft so einfach weg.“

Er hat sich ausgetauscht mit anderen Verletzten. Mit Pascal Köpke zum Beispiel, der ebenfalls gerade eine lange Pause wegen einer Knieverletzung hinter sich hat. Am Ende, sagt Handwerker, ist man aber auf sich alleine gestellt: „Du bis gezwungen, damit klar zu kommen.“ Er kommt damit klar, auch wenn es Punkte gab, an denen er sich gewundert hat, warum jetzt diese eine Stelle wieder weh tut im bis dahin gesunden Körper. Grundsätzlich sieht er sich im Plan. „Bis jetzt ist alles super verlaufen“, sagt Handwerker.

Endlich wieder vor Fans spielen

In dieser Saison noch will er wieder auf dem Platz stehen. Er vermisst ja alles - vor allem die Zuschauer. In Köln ist er während seiner Pause mal ins Stadion gegangen, auf einem Konzert war er auch. Und er hat sich gewundert und gefreut, dass so viele Menschen Eintritt bezahlen für etwas, das ihnen Spaß macht. In so einem Mittelpunkt will er auch wieder stehen. „Ich freue mich unheimlich auf das volle Stadion“, sagt er, „vielleicht lernt man das jetzt noch einmal mehr zu schätzen.“ Vor seiner Verletzung, meint er damit, war das alles irgendwie selbstverständlich.

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