Kein Torjäger, kein Problem:

Diskussion um Schäffler und Shuranov: Fehlt dem FCN ein Knipser?

23.4.2022, 11:00 Uhr
Gruppenbild mit Knipser außer Dienst: Erik Shuranov (rechts) findet derzeit keinen Platz beim Club.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Gruppenbild mit Knipser außer Dienst: Erik Shuranov (rechts) findet derzeit keinen Platz beim Club.

Wo auf dem Platz seine Mannschaft dem Gegner den Ball abnehmen müsste, um die Wahrscheinlichkeit auf ein eigenes Tor zu erhöhen, das weiß Robert Klauß sehr genau. In einer Zone zwischen der Mittellinie und einem Punkt knapp 25 Meter vor dem gegnerischen Tor, am besten in zentraler Position. So schätzt es der Club-Trainer und wird von den Daten bestätigt.

Das Global Soccer Network, eine Sandhäuser Firma die sich auf Fußballanalysen spezialisiert hat, kommt zu dem Ergebnis, dass im Schnitt und in den fünf besten Ligen Europas 25,78 Prozent der Pressingaktionen in dieser Zone erfolgreich sind. Und: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 5,12 Prozent fällt nach so einer Balleroberung ein Tor.

Zum Vergleich: Das noch höhere Pressing in Tornähe ist zwar auch mit einer Quote von 24,02 Prozent erfolgreich, die Torwahrscheinlichkeit im Anschluss liegt allerdings nur noch bei 2,41 Prozent.

Das Problem des 1. FC Nürnberg und des Trainers über dieses theoretische Wissen hinaus: Sie schießen trotzdem noch zu wenige Tore. 45 Treffer sind die schlechteste Ausbeute der Aufstiegskandidaten, die zweitschlechteste aus dieser Gruppe haben Werder und der Hamburger SV mit allerdings schon 54 erzielten Toren.

Burgstaller ein Kandidat?

Es wird deshalb rund um den Club nun über das Fehlen eines sogenannten Knipsers diskutiert. Die Bild-Zeitung brachte im Zuge dieser Debatte jüngst erst eine Rückholaktion vom derzeitigen Hamburger Guido Burgstaller ins Gespräch. Dieter Hecking sagt zu diesem Gerücht: natürlich nichts. Stattdessen lächelt der Sportvorstand freundlich und sagt dann, dass er schon auch sieht, dass der Club keinen Spieler in der Mannschaft hat, der 15 bis 20 Tore in einer Saison garantiert. Hecking sagt aber auch, dass das nicht so schlimm ist.

Weil sein Club trotzdem ein Aufstiegskandidat ist und sich nur mit den aufeinanderfolgenden Spielen gegen Ingolstadt (0:5) und Karlsruhe (1:4) die Tordifferenz vermiest hat. Die Club-Offensive, sagt Hecking, zeichne sich eben durch die Unberechenbarkeit ihres Personals aus - dass viele gefährlich werden können.

Schäffler in der Nebenrolle

Das stimmt natürlich, aber wahrscheinlich hätte auch Klauß nichts dagegen, wenn er einen Spieler wie den Schalker Simon Terodde (24 Tore in 26 Spielen) in seiner Mannschaft wüsste. Am ehesten entsprechen der Terodde-Kategorie beim Club noch Manuel Schäffler und Erik Shuranov. Nur spielen die beiden in der Erfolgsgeschichte der vergangenen Wochen nur eine Nebenrolle.

Vor allem für Shuranov hat Klauß ein paar tadelnde Worte parat, wenn man ihn nach ihm fragt. Der 20-Jährige müsse sich selbst klarmachen, wie er gearbeitet hatte, als er noch mehr Spielzeit bekam. Shuranov, sagt Klauß, könne gerne unter anderem fortan auch wieder selbst mal den Ball erobern - und so die Wahrscheinlichkeit auf Club-Tore erhöhen.

Klein gegen groß

Gegen den SV Sandhausen wird das zumindest von Beginn an eher noch nicht der Fall sein. Am Sonntag wir man mit Manuel Schäffler auch den zweiten potenziellen Knipser aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in der Startelf sehen.
Zumindest klingt Klauß in der Pressekonferenz vor dem Spiel so. Gefragt, ob er denn gegen die nicht gerade klein gewachsenen Sandhäuser wieder auf die Taktik aus dem Hinspiel setzen will, sagt er zumindest nicht nein.

In Sandhausen musste ja Shuranov spät den Sieg retten mit seinem Knipsertreffer aus dem Spiel heraus, geplant war die Sache aber eigentlich anders. Mit spielstarken Spielern wollte man die Gastgeber nerven, tat das dann aber nur mit Blick auf sich selbst. Trotzdem: „Die Idee war gar nicht so schlecht, nur die Umsetzung war lange Zeit relativ kacke“, sagt Klauß heute.

Am Sonntag (13.30 Uhr) soll die Umsetzung dann besser werden. Wie das gelingen soll? Indem man nicht zu verkopft an die Angelegenheit herangeht, sagt Klauß: „Wir dürfen es nicht zu kompliziert machen und müssen die Spieler in einer Anordnung bringen, in der sie nicht viel nachdenken.“ Ist die Anordnung auch noch eine, die Ballgewinne erlaubt, wird es ein schöner Sonntag.

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