Robert Klauß im Interview, Teil 1

"Gewinnst du das Derby, bist du für eine Woche unsterblich"

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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18.5.2022, 05:50 Uhr
Emotional, auch ohne Zuschauer: Robert Klauß freut sich aber noch mehr auf Derby mit Fans im Stadion.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Emotional, auch ohne Zuschauer: Robert Klauß freut sich aber noch mehr auf Derby mit Fans im Stadion.

Sein zweites Jahr mit dem 1. FC Nürnberg hat Robert Klauß jetzt zu einem guten Ende gebracht. Es hätte auch ein sehr gutes werden können, aber dazu haben dann am Ende doch ein paar Kleinigkeiten gefehlt. Der Club-Trainer über:

die Personalplanung

Letztes Jahr waren wir um diese Zeit schon sehr weit, dieses Jahr wird sich das noch ein bisschen ziehen. Ich werde in den nächsten Wochen schon noch ein paarmal auf das Handy schauen. Aber wir haben schon einen großen Stamm von Spielern, die hierbleiben. Wenn man von der Kadergröße ausgehen, dann sind wir schon bei 90 Prozent. Wir haben keinen großen Umbruch geplant.

das Fehlen eines Knipsers

Dass uns Manuel Schäffler in der abgelaufenen Saison in dieser Hinsicht nicht helfen konnte, daran tragen auch wir die Schuld, weil wir anders Fußball gespielt haben. Bisschen häufiger flacher kombiniert haben, nicht mehr so mit dem Zielspieler agiert haben, bisschen weniger geflankt haben. Da hat aber Manuel seine Stärken. Da kann er nichts dafür. Auf der anderen Seite ist er nicht mehr an die Leistung des letzten Jahres herangekommen. Klar ist, dass wir vorne Torgefahr brauchen. Ob das jetzt der eine Knipser ist oder ob man das verteilen kann - wichtig ist, dass wir torgefährlicher werden.

die schlechten Standardsituationen

Wir haben da schon ein paar neue Trainingsinhalte für die kommende Saison festgelegt. Aber in diesem Bereich steht und fällt auch alles mit Schützen und Zielspielern. Da haben wir jetzt bewusst Erik Wekesser geholt, weil wir um seine Qualitäten als Standardschütze wissen. Jetzt gucken wir, dass wir weiter arbeiten. Thema Zielspieler, Einrückverhalten, Trainingsinhalte und so weiter.

seine schönsten Saisonmomente

Das war einmal das Spiel gegen Darmstadt mit der Rückkehr der Ultras, dem späten Siegtreffer, dem gemeinsamen Feiern - das war der emotionale Höhepunkt. Und dann noch das Spiel in Hannover. Vor dem Spiel habe ich in der Kabine gesessen und wusste zu hundert Prozent, dass wir gewinnen. Das war das erste Mal, dass ich gefühlt habe: Heute sind wir viel besser als der Gegner. Dieses Gefühl hätte ich gerne öfter. Die anderen 33 Spieltage waren eher so, dass man wusste, es wird wieder schwierig bis zur 90. Minute.

die Fans

Die Rückkehr der Fans fand ich schön. Ich hatte vorher eineinhalb Jahre ein leeres Max-Morlock-Stadion erlebt. Das war traurig. Ohne Zuschauer gegen Osnabrück oder Braunschweig ein 0:0 oder 1:1 raus zu quälen - puh. Dann ist es schon geiler, wenn du auch nur 1:1 gegen Dresden spielst, aber eben vor Zuschauern. Das ist etwas ganz anderes.

den verpassten Aufstieg

Erst einmal haben wir eine Euphorie rund um den Verein erzeugt. Wir konnten kurz vom Aufstieg träumen. Wenn wir wie Heidenheim oder Paderborn das ganze Jahr Siebter gewesen wären mit größerem Abstand nach vorne, dann würden jetzt diese letzten Spiele nicht in so negativer Erinnerung bleiben. Aber durch diese Chance, die wir nach dem Darmstadtspiel hatten, wird jetzt der Rest der Saison bisschen negativ gesehen. Das ist okay. Je höher man steigt, desto tiefer kann man fallen. Aber der Weg bis zum Spiel gegen Sandhausen war richtig gut. Diese verpasste Chance hat weh getan und wir haben gemerkt, dass es nicht gereicht hat.

die anstehenden Derbys

Ich freue mich einfach darauf. Endlich mal wieder Zuschauer beim Derby. Ich habe jetzt zwei Derbys ohne Zuschauer erlebt, das war schon auch traurig. Gerade das Rückspiel in Fürth war hochemotional und ein richtig geiles Fußballspiel. Es war halt bloß keiner da, der es ansehen konnte. Und natürlich wollen wir die Derbys gewinnen. Da kannst du dich hier in der Stadt mal für eine Woche kurz unsterblich machen. Danach bist du auch wieder tot und gefallen, aber für die Woche bist du erst einmal unsterblich.

(Lesen Sie morgen im zweiten Teil, was Robert Klauß über seinen Ehrgeiz sagt, den Umgang mit den Schiedsrichtern und warum er sich über den Platzsturm nach dem Spiel gegen Schalke richtig geärgert hat)

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