Mühsamer 1:0-Erfolg beim SSV Ulm

Joker Duman zaubert den Club in die zweite Runde

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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7.8.2021, 20:42 Uhr
Mann des Abend, weil einziger Torschütze in Ulm: Nürnbergs Taylan Duman.

Mann des Abend, weil einziger Torschütze in Ulm: Nürnbergs Taylan Duman. © Silas Stein, dpa

Auf einer Liste mit den größten Pokal-Überraschungen seit 1991 taucht gleich vier Mal der 1. FC Nürnberg auf. Vier Mal eher so, wie es der 1. FC Nürnberg bestimmt nicht wollte. Der TSV Havelse (1991), die Amateure von Hertha BSC (1993), der SSV Ulm (2001) und erneut der TSV Havelse (2012) ließen den Club jeweils erstaunlich schlecht aussehen. Dass auch die Ulmer ihren geschichtsträchtigen Erfolg von vor 20 Jahren wiederholten könnten, schien deshalb vor dem Wiedersehen am Samstagabend zumindest im Bereich des Möglichen.

Zwei Klassen trennen beide Vereine aktuell, von einem Zwei-Klassen-Unterschied merkten die rund 6700 Zuschauer, darunter auch mehrere Hundert Anhänger des favorisierten Zweitligisten, freilich nicht viel. Der es ja überhaupt nicht mag, favorisiert zu sein – weil sich der Gegner dann gerne mal mit neun, zehn Mann hinten reinstellt, giftig in die Zweikämpfe rumpelt und auf Umschaltmomente lauert.

Viel mehr mussten sich auch die Ulmer nicht einfallen lassen, um die Nürnberger im Ballbesitz vor große Probleme zu stellen. Eine Sensation mit Club-Beteiligung gab es trotzdem nicht, weil Taylan Duman elf Minuten vor Schluss einen genialen Moment hatte. Ein Blick, ein Schlenzer über den guten Ulmer Torwart Heimann hinweg – Endstand 1:0 (0:0) für den 1. FC Nürnberg.

Fünf Änderungen

Richten sollten es zunächst die Erfahreneren, richteten es aber nicht; gleich auf fünf Positionen hatte Robert Klauß seine Startformation im Vergleich zum 2:2 in Paderborn vor acht Tagen verändert. Felix Lohkemper und Manuel Schäffler stürmten für Erik Shuranov und Dennis Borkowski, Christopher Schindler verteidigte im Abwehrzentrum vor dem neuen Torwart Carl Klaus, zudem durfte Fabian Nürnberger wieder im linken Mittelfeld beginnen.

Wer sich davon mehr Schwung und vor allem Ideen versprochen hatte, durfte ungefähr neun Minuten daran glauben. Bis zur besten, weil einzigen Tormöglichkeit in der ersten Halbzeit: Handwerkers Hereingabe nahm Lohkemper in der Mitte aus zehn Metern direkt und verfehlte den Kasten nur knapp. Danach tat sich unmittelbar vor und in beiden Strafräumen nicht mehr viel; die Ulmer versuchten ihr Glück mit zwei, drei allerdings wenig präzisen Distanzschüssen, Nürnberg bevorzugte im letzten Platzdrittel die gute, alte Flanke aus dem Halbfeld. Von links, von rechts, aber ebenfalls meistens viel zu ungenau.

Von einem Zweitligisten darf man etwas mehr erwarten, von einem Viertligisten eigentlich nicht, weshalb die SSV-Fans ihrer Mannschaft auch freundlich applaudierten, die sich das 0:0 zur Pause sehr verdient hatte und der Club nicht viel mehr. Auch so genannte Amateure können ausdauernd rennen und mit geschickter Raumaufteilung unangenehm sein.

Lohkemper verpasst knapp

Es schien, als hätten sich die Gäste etwas vorgenommen für den zweiten Durchgang; Krauß verschlenzte sich in aussichtsreicher Position leicht, Nürnberger scheiterte aus 14 Metern an Heimann, ebenso Lohkemper aus spitzem Winkel. Drei Abschlüsse in sechs Minuten deuteten zumindest etwas mehr Entschlossenheit an, jedoch konnte der Club sein Anfangsniveau nicht halten.

Fortan war auch der Regionalligist um mehr Spielanteile bemüht, offenbar, um die bekannten Schwächen der Nürnberger in der Rückwärtsbewegung für sich zu nutzen. Tatsächlich tat sich die eine oder andere Lücke auf, auf der anderen Seite verfehlte Lohkemper nach gut einer Stunde eine scharf getretene Hereingabe von Valentini um Zentimeter.

Je länger die Erstrunden-Begegnung dauerte, desto näher rückte allerdings die nächste Überraschung. Dem Club fiel nicht viel ein, Ulm verteidigte geschickt, musste dabei aber nicht über sich hinauswachsen. Klauß reagierte und tauschte wieder die Angriffs-Pärchen: Shuranov und Borkowski für Schäffler und Lohkemper – torgefährlicher wurde der FCN dadurch nicht. Auch, weil häufig der letzte Pass zu schlampig geriet.

Stattdessen brauchten die Nürnberger sogar ein bisschen Glück, um nicht in Rückstand zu geraten: Handwerkers Schubser gegen den auffälligen Rochelt haben kleinlichere Schiedsrichter schon mit Elfmeter bestraft, Michael Bacher ließ weiterspielen.

Die Ulmer trauten sich von Minute zu Minute mehr zu, merkten, dass der 1. FC Nürnberg tatsächlich zu packen gewesen wäre – wenn Taylan Duman, drei Minute zuvor für Nürnberger eingewechselt, mit links nicht sehenswert aus gut 20 Metern ins lange Eck getroffen hätte (79.); ein Traumtor des Sommer-Zugangs von Borussia Dortmund II.

Dumans genialer Moment sollte dem Club tatsächlich zum Einzug in die zweite Runde reichen, weil Herres‘ Kopfball in der 89. Minute ganz knapp an Klaus‘ Kasten vorbeiflog und Rühle in der Nachspielzeit verzog. Auf die berühmte Liste müssen deshalb heuer andere.

Ulm: Heimann; Stoll (78. Allgeier), Reichert, Geyer, Kehl (88. Jann) - Heußer - Heilig, Rochelt (83. Wähling) - Beck - Harres, Fink (78. Rühle).

Nürnberg: Klaus; Valentini, Sörensen, Schindler, Handwerker - Geis - Krauß, Nürnberger (75. Duman) - Möller Daehli (90. Suver) - Lohkemper (63. Borkowski), Schäffler (63. Shuranov).

Schiedsrichter: Bacher (Amerang). - Zuschauer: 6743. - Tor: 0:1 Duman (79.). - Gelbe Karten: Stoll, Rühle, Reichert / Handwerker, Krauß, Borkowski.


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