Bissiger Club-Protest gegen DFB: "Bei Toten in Katar feiert ihr"

6.3.2020, 19:49 Uhr
Die Club-Ultras haben mit Schmähungen auf das Vorgehen des DFB in der Causa Hopp reagiert.

Die Club-Ultras haben mit Schmähungen auf das Vorgehen des DFB in der Causa Hopp reagiert. © Sportfoto Zink

Der Druck zwischen Deutschlands Fankurven und dem DFB steigt. Nach dem Wirbel um ein Transparent gegen Dietmar Hopp, weswegen der FC Bayern München und die TSG Hoffenheim streikten, hat sich nun auch Nürnbergs Nordkurve geäußert. Bei einem Transparent, das die organsierte Fan-Szene während des Spiels gegen Hannover 96 am Freitagabend zeigte, spielte der Hoffenheimer Mäzen zumindest eine indirekte Rolle. 

Dieses Foto zeigt den zweiten Teil des Spruchbandes.

Dieses Foto zeigt den zweiten Teil des Spruchbandes. © Sportfoto Zink

Was dieses Fadenkreuz bedeuten soll, ließen die Fans offen.

Was dieses Fadenkreuz bedeuten soll, ließen die Fans offen. © Sportfoto Zink

"Bei einem alten, weißen Milliardär seid ihr betroffen", stand auf einem ersten Spruchband. Der DFB stellt sich hinter Hopp, will künftig hart durchgreifen - und möglichst Schmähungen unterbinden, etwa mit Kollektivstrafen gegen die Vereine. Schiedsrichter können zudem künftig bei entsprechenden Sprechchören oder Spruchbändern Spiele unterbrechen. Beim Club-Spiel gegen Hannover verzichtete der Referee aber darauf. 


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Nur wenige Sekunden später entrollen die Club-Ultras ein zweites Spruchband. "Bei Toten in Katar feiert ihr trotzdem: Dumme, verlogene Heuchler." Dabei nehmen die Fans Bezug auf die Vergabe der Fußball-WM in den Wüstenstaat. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe: Hunderte Arbeiter seien bereits auf den Baustellen für die Stadien gestorben, die Aktivisten gehen derzeit von 1426 Toten aus. Die Arbeitsbedingungen sollen katastrophal sein, bei brütender Hitze Katars schuften die Männer, die häufig aus Nepal, Bangladesch und Indien stammen, stundenlang. Gesetze, die sie schützen, gibt es so gut wie keine. Mehr dazu in unserem Podcast "Sitzplatz Ultras". 

"Vom Fußballverband geschaffene Paralleljustiz" 

Die Fans skandierten am Freitagabend in Nürnberg "Fick Dich DFB", hielten entsprechende Plakate in die Höhe, Dutzende davon zeigten einen Mittelfinger. In die Verunglimpfungen des Verbandes stimmten auch die mitgereisten Anhänger aus Hannover ein. 


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Die Transparente sind die erste Wortmeldung der Nürnberger Fan-Szene in dem Zwist zwischen Ultras und DFB, der seit Tagen schwelt. Erst am Freitag drohten die Fans mit provozierten Spielabbrüchen, wenn es zu den vorgeschlagenen Unterbrechungen wegen Plakaten kommen sollte. Das kündigte der Zusammenschluss "Fanszenen in Deutschland" in einem offenen Brief an. Darin heißt es: "Die tatsächliche Schande der vergangenen Wochen liegt im Verhalten der Verbände, allen voran des DFB. Zuerst wurden die öffentlichkeitswirksam ausgesetzten Kollektivstrafen wieder eingeführt. Wohlgemerkt, in einer von einem Fußballverband geschaffenen Paralleljustiz."

Die Kurven werfen dem Verband "verfassungswidrige Bestrafung" vor, die mit "unserem Verständnis von Demokratie nicht in Einklang zu bringen" ist. Wie auch die Club-Ultras nimmt die Fanszene Bezug auf die WM in Katar.  Sie nennen den Staat ein "Land, welches Menschenrechte und Werte mit Füßen tritt."

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