Der Club verteidigte die Bayern zur Verzweiflung

29.4.2019, 22:05 Uhr

© Sportfoto Zink

Es hat nicht viel gefehlt zur riesigen Sensation. Furchtlos, mutig und engagiert trat der Club von Beginn an gegen die Bayern auf, gewann die wichtigen Zweikämpfe und setzte vereinzelt kleine Nadelstiche nach vorne. Einen dieser Nadelstiche verwandelte Matheus Pereira zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung mit einem Linksschuss gekonnt, ehe Serge Gnabry etwas glücklich den Ausgleich erzielte.

Zwischen der endgültigen Nürnberger Ekstase und der vorläufigen Titelentscheidung für die Bayern lagen nur wenige Minuten – und der Innenpfosten. Erst scheiterte Tim Leibold mit seinem Elfmeter am Aluminium, dann war es der überragende Christian Mathenia, der Kingsley Coman im Eins-gegen-eins auf eine Nervenprobe stellte und als Sieger hervorging. Doch wie kam es dazu, dass der Club die sonst so übermächtigen Bayern vor dermaßen große Probleme stellte?

Wie zuletzt auch agierte der FCN aus einem 4-1-4-1-System heraus. Gegen den Ball, und das war mit einer Ballbesitzquote von 67 Prozent für die Bayern meistens der Fall, ließ sich Stürmer Mikael Ishak in die Viererkette ins Mittelfeld zurückfallen. Der Schwede lief im Zentrum Räume zu, war Wandspieler für die wenigen Nürnberger Angriffe und tauchte teilweise am eigenen Strafraum zum verteidigen auf. Nach 72 Minuten und knapp 9,8 gelaufenen Kilometern war für ihn Schluss, Timothy Tillman durfte sich gegen seinen aktuellen Arbeitgeber zeigen.

Die Bayern versuchten es immer wieder über die Flügel. In der Anfangsphase lief meist alles über das Duo auf der linken Seite, bestehend aus Kingsley Coman und David Alaba. Boris Schommers vertraute hinten rechts trotz der Temponachteile auf Robert Bauer – und wurde nicht enttäuscht. Immer wieder verwickelte die Bremen-Leihgabe den quirligen Franzosen Coman in Zweikämpfe, von denen er 62 Prozent für sich entscheiden konnte. Gemeinsam mit Pereira, der in der ersten Halbzeit der einzige war, der ab und zu für offensive Entlastung sorgte, gelang es Bauer, dass die Bayern ihr Spiel nun mehr und mehr auf die rechte Seite verlagerten.

Dort brachten die deutlich langsameren und an diesem Tag fast unsichtbaren Thomas Müller und Joshua Kimmich es kaum zu Stande, gefährliche Flanken in Richtung Top-Torjäger Robert Lewandowski (21 Tore in der laufenden Saison) zu schlagen. Das ehemalige WG-Duo aus Tim Leibold und Sebastian Kerk machte es ähnlich stark wie das auf der anderen Seite und brachte den Club mit 0:0 in die Pause, nachdem Schlussmann Christian Mathenia (mit der kicker-Note 1 bester Nürnberger) die einzige gefährliche Bayern-Chance in Halbzeit eins zunichte gemacht hatte.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff gelang dem FCN dann das, von dem jeder Club-Fan geträumt hatte. Kerk, mit fast 13 abgespulten Kilometern laufstärkster Akteur auf dem Platz, setzte sich im direkten Duell gegen Kimmich durch und flankte auf Löwen, der erst noch an Ulreich scheiterte. Der Nachschuss von Pereira lag dann aber im Tor und brachte das Max-Morlock-Stadion zum Beben.


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Der Club lief und lief, verteidigte was das Zeug hielt. Ein Sieg wäre nach dem zwischenzeitlichen 1:1 das gewesen, was sich der Club nicht nur verdient, sondern auch gebraucht hätte, um die Ergebnisse der Konkurrenz aus Hannover und Stuttgart vergessen zu machen. Für Bayern-Trainer Niko Kovac wäre der Elfmeter die Entscheidung gewesen, denn "wäre der Strafstoß reingegangen, hätten wir die Chance von Coman kurz vor Schluss niemals mehr bekommen".

Kerk darf als nächstes ran

So stand am Ende ein 1:1, was den Club weder entscheidend näher an den Relegationsplatz brachte, noch den endgültigen Knock-out im Abstiegskampf bedeutete. Zumindest brachte das Duell mit den Bayern aber Gewissheit in die Frage, wer denn den nächsten Elfmeter für den FCN schießen werde. "Ich" antwortete Kerk selbstbewusst auf die Nachfrage, wer nach Behrens und Leibold wohl der nächste beim Club sein wird, der sich aus elf Metern probieren darf.

 

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