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Existenzangst beim Club: Dem FCN drohen massive Verluste

Kein Spielbetrieb bedeutet keinen Umsatz - Geldgeber haben Auflagen - 18.03.2020 17:50 Uhr

Bedrohliche Pandemie! Die Corona-Krise ist auch für den Club existenzgefährdend. © Sportfoto Zink / DaMa


Am Tag nach der DFL-Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main sind Niels Rossows Sorgen nicht unbedingt kleiner als davor. Der Kaufmännische Vorstand des 1. FC Nürnberg ist da bereits "mit einem unguten Gefühl hingefahren", wie er erzählt. Was er in einem Konferenzraum am Flughafen dann so alles erfahren hat, ließ ihn ausgesprochen nachdenklich werden.

Seit Montag so gut wie sicher ist: Die Saison 2019/2020 würde, wenn überhaupt, ohne Zuschauer fortgesetzt. Wobei aktuell auch innerhalb der Deutschen Fußball-Liga "niemand damit rechnet, dass man ab 2. April wieder spielen kann", wie Rossow erklärt, er auch nicht. In der letzten März-Woche soll auf dem kurzen Dienstweg entschieden werden, ob eine zeitliche Ausdehnung der Sars-CoV-2-Zwangspause vonnöten ist.

+++ Rossow fordert mehr Solidarität im Fußball +++

Deshalb haben sich die Vertreter der 36 Profiklubs lediglich online verabredet und ohne lästige Einberufungsfristen, "damit wir in der Lage sind, schneller reagieren zu können", sagt Rossow, der selbst das wirtschaftlich komplizierteste Szenario, sprich Corona-Krise bis in die neue Runde hinein, nicht ausschließen kann. Aber wer kann das schon.

Ka Depp, Folge 35: Der Club unter Quarantäne

Fakt ist: "Wir sind aktuell nicht in der Lage, unser Produkt zu verkaufen", sagt Rossow, also Spiele des 1. FC Nürnberg. Und wer nichts verkaufen kann, macht auch keinen Umsatz, so einfach ist das. Wenn aber trotzdem hohe Fixkosten drücken wie etwa die Gehälter der Profis, kann ein mittelständisches Unternehmen wie der Club relativ schnell in Schieflage geraten. Also versuchen sie zu retten, was noch zu retten ist. Falls der Betrieb wider Erwarten in nächster Zeit wieder anlaufen sollte, wären Geisterspiele die, Stand heute, einzig praktikable Lösung, Stand morgen oder übermorgen aber vielleicht nicht mal mehr die. "Wenn es die Existenz der Vereine sichern würde, dann müsste man diese Kröte einfach schlucken", sagt Rossow, "da müssen wir uns von der Romantik ein bisschen verabschieden."

Im Vereinszentrum stecken sie dieser Tage ihre Köpfe (in gebotenem Abstand) zusammen, um die beiden Varianten durchzuspielen. Saison-Abbruch, Saison-Fortsetzung ohne Zuschauer. Allein durchs Ticketing würde der Club bei noch vier ausstehenden Heimspielen, darunter die möglicherweise ausverkauften gegen Fürth und Stuttgart, nach Schätzungen dieser Zeitung mindestens 1,5 Millionen Euro verlieren. Im schlimmsten Fall, also zusätzlich ohne die letzte, noch ausstehende Fernsehgeld-Tranche, würde sich ein hoher einstelliger Millionenbetrag aufsummieren.

Der Notfall-Modus - nicht nur in Nürnberg

Wirklich existenzbedrohend wäre das immer dicker werdende Minus, wenn es auch nach dem 30. Juni keine Einnahmen gäbe. "Bis 30. Juni werden wir in der Lage sein, das zu bestreiten", versichert Rossow, "sollte uns das Thema Corona vielleicht sogar bis Ende des Jahres beschäftigen und wir dadurch nicht den regulären Spielbetrieb aufrechterhalten können, dann wird es existenziell, ganz klar - und nicht nur für uns."

+++ FCN-Familie im Corona-Kampf: Der Club hilft +++

Der deutsche Profi-Fußball befindet sich längst im Notfall-Modus, möchte aber nicht herumjammern. Anderen Firmen geht es in der Corona-Krise mindestens genauso schlecht. Also hoffen sie einfach, dass der Spuk bald vorbei sein möge. Je länger die Zwangspause dauert, "desto größer ist der wirtschaftliche Einfluss auf die Vereine", betont Rossow, "und das betrifft nicht nur einen Verein und nicht zehn Vereine, das betrifft alle Vereine, solvente und weniger solvente.

Die Club-Partner: Geld gibt's "nicht einfach aus Liebhaberei"

Die weniger solventen natürlich mehr als die solventen wie Bayern München oder Borussia Dortmund, deren Luxussorgen der Club gerne hätte. Im Sportpark Valznerweiher ist die Lage angespannt bis ernst, zumal auch von Seiten der Geldgeber nicht mit Solidaritätsgesten gerechnet werden darf. Entsprechende Gespräche würden gerade geführt, sagt Niels Rossow "es ist auch Fakt, dass wir auch mit Kapitalgesellschaften agieren, die speziellen Auflagen und Vorgaben unterliegen und jetzt nicht einfach aus Liebhaberei uns etwas zukommen lassen können. Sie sind selber verpflichtet, seriös zu wirtschaften."

Der Kaufmännische Vorstand kann aber auch eine gute Nachricht vermelden: Die Lizenzierung für 2020/21 verläuft bislang planmäßig, "da haben wir schon eine sehr positive Vorab-Bewertung gekriegt, dahingehend kann man schon sagen, dass wir weiter sehr solide gewirtschaftet haben". Die Frage ist nur, was die Unterlagen samt Sternchen wert sind, wenn die DFL im Herbst nochmal draufschaut. Falls bis dahin die finanziellen Folgen der Corona-Krise absehbar sein sollten.

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