FCN zieht Reißleine bei Keller: Wiesinger startet kämpferisch

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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29.6.2020, 18:32 Uhr
Soll den FCN vor der Katastrophe retten: Michael Wiesinger.

Soll den FCN vor der Katastrophe retten: Michael Wiesinger. © Sportfoto Zink / JüRa, NN

Am Montag hatten sie beim 1. FC Nürnberg einigermaßen flott gearbeitet. Für 17 Uhr hatten sie eine Pressekonferenz angesetzt. Der Inhalt des virtuellen Treffens war da längst bekannt: Der Club trennt sich vor den Relegationsspielen um den Klassenverbleib von Trainer Jens Keller und vertraut stattdessen auf eine interne Team-Lösung, bestehend aus Michael Wiesinger, dem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, und Marek Mintal, dem Trainer der vereinseigenen U21.

Das lief bis dahin alles sehr glatt, dann aber wurde man doch wieder daran erinnert, dass eben nicht alles glatt läuft beim Club. Die PK also verzögerte sich: technische Probleme, als ob sie nicht Probleme genug hätten. Als es dann mit leichter Verzögerung losging, sah man den Sportvorstand Robert Palikuca und Wiesinger, der im Trainerteam die Entscheidungen treffen soll. Palikuca durfte dann sagen, dass er zuletzt mit Keller in einem "sehr ehrlichen Austausch" gestanden hat, und dass dieser Austausch mit einem Gespräch am Montagmorgen erst einmal geendet ist. Die Mannschaft, sagte Palikuca, sei zuletzt zu oft "in die gleichen Muster verfallen und Jens hat es nicht geschafft, diese Muster aufzubrechen".


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Deshalb musste Palikuca nun nach der Partie in Kiel handeln, freundlich in die richtige Richtung gedrängt offenbar von anderen Verantwortlichen am Valznerweiher. Und Keller? "Hat es mit Fassung getragen", sagte Palikuca, "er ist überzeugt, dass das eine gute Entscheidung ist." Nunja, wie es auch sei, jetzt übernehmen Wiesinger und Mintal zunächst bis zum Saisonende. Wie es danach weiter geht, sagt Palikuca, da könne man danach darüber sprechen. Dass auch seine Posten zur Debatte steht, überrascht den Sportvorstand. In den Gesprächen mit dem Aufsichtsrat, sagt Palikuca, "ist meine Person bis jetzt nicht thematisiert worden." Er sagt aber auch: "Dass das passiert, ist klassisch im Fußball."

Klassisch im Fußball ist auch, dass ein neuer Trainer versucht, ein neues Feuer zu entfachen. Auch Michael Wiesinger bemühte sich am Montag in dieser Hinsicht und sagte deshalb: "Wir müssen die finden, die zu allem bereit sind, die durchs Feuer gehen." Wiesinger deutete allerdings auch an, dass vielleicht nicht alle die Kraft haben, um durch das Feuer zu gehen und sprach mit Blick auf den Fitness-Zustand der Mannschaft von einer "wichtigen Trainingswoche, wenn wir gut arbeiten". Wiesinger versuchte sich während des Auftritts an einer Mischung aus Sachlichkeit und Emotionen und gab zu, dass ihn das Vertrauen von Vereinsseite "brutal unter Druck" setzt. Womit man wieder bei der allgemeinen Gefühlslage beim 1. FC Nürnberg angekommen war, was auch Wiesinger noch merkte. Der sagte deshalb noch, dass "das ein geiles Erlebnis ist, so eine Relegation". Spätestens da war es dann auch gut, dass der Montag für den 1. FC Nürnberg irgendwann zu Ende ging.

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