Ice Tigers gegen die DEG

Bodnarchuk gesperrt- und was man sonst noch über die Playoffs wissen muss

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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4.4.2022, 19:21 Uhr
Duell auf Augenhöhe: Ryan Stoa und Jerry d'Amigo (rechts). 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Duell auf Augenhöhe: Ryan Stoa und Jerry d'Amigo (rechts). 

Die Ice Tigers sind Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey Liga. In 28 Jahren haben sie nunmehr zum 23. Mal die Playoffs erreicht. 1999 und 2007 endeten die Spielzeiten im Finale, ansonsten lief es nicht immer ganz so erfolgreich. Wie ist diesmal die Stimmung?

Ryan Stoa nahm Anlauf und stürmte mit voller Geschwindigkeit durch die Gasse, die seine Kollegen für ihn gebildet hatten, um nicht allzu viele Stockschläge abzubekommen. So feiern Eishockey-Mannschaften Geburtstage, Geburten, Hochzeiten oder, wie in Stoas Fall, Vertragsverlängerungen. Der Mittelstürmer bleibt zwei weitere Jahre in Nürnberg. Am Dienstagvormittag dürften sich die Ice Tigers schon wieder aufstellen, dann für ihren Kapitän. Rekordspieler Patrick Reimer hängt ein elftes Jahr in Nürnberg ran. Schon vor dem Playoff-Start gibt es viel zu feiern. Das war bei den Ice Tigers nicht immer so. Die Angst vor dem Versagen bestimmte oft die Herangehensweise, einmal zog sich ein Manager zum Weinen in den Mannschaftsbus zurück. Cheftrainer Tom Rowe aber hat diesen Jahrgang verändert. „Mannschaften müssen an sich selbst glauben“, sagt Stoa. „Wir haben hier nicht ganz so gut angefangen, waren zwischendurch Vorletzter. Seitdem ging es nur nach oben. Wir glauben an uns selbst. Wir glauben, dass wir in dieser Liga jeden schlagen können. Und das werden wir jetzt von Spiel zu Spiel machen.“

Wie sieht es beim Gegner aus?

Anders. Am Montag wurde bekannt, dass Harold Kreis die Düsseldorfer EG nicht wird betreuen können. Der erfahrene Cheftrainer musste aufgrund eines familiären Notfalls nach Kanada. Dass die Co-Trainer Thomas Dolak und Daniel Kreutzer den damals corona-positiven Kreis noch Mitte März beim 2:1 in Nürnberg erfolgreich vertreten hatten, ist ebenso in Vergessenheit geraten wie die makellose Saisonbilanz gegen die Ice Tigers (3:1, 4:1, 5:4, 2:1). Nach zuletzt vier Niederlagen in Folge ist die Stimmung rund um den Traditionsklub seltsam gereizt.

Auf welche Spieler gilt es bei der Düsseldorfer EG zu achten?

Zurück in Nürnberg, wenn auch vorerst nur für ein Spiel: Daniel Fischbuch.

Zurück in Nürnberg, wenn auch vorerst nur für ein Spiel: Daniel Fischbuch. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

In Nürnberg kennt man den Spieler mit der Rückennummer 71. Im Sommer 2019 war Daniel Fischbuch als Mitläufer zu den Ice Tigers gekommen, eine erstaunliche Saison später wechselte er als Topscorer zur DEG. Wie kaum ein zweiter DEL-Spieler kann der mittlerweile 28 Jahre alte Angreifer Entscheidungen erzwingen. Zumindest statistisch erfolgreicher war jedoch der Kanadier Brendan O‘Donnell, der dank 22 Treffern und 53 Punkten in 56 Partien in Düsseldorf zur Symbolfigur für eine überraschend sorgenfreie Saison wurde. Nach massiven Etatkürzungen galt die DEG, ähnlich wie die Ice Tigers, vielen als Abstiegskandidat. Unter der Führung von Harold Kreis übernahmen aber junge Spieler wie Alexander Ehrl und bis dahin eher unbekannte Spieler wie O‘Donnell viel Verantwortung. Auch das kennt man aus Nürnberg. Einzig zwischen den Pfosten blieb die erhoffte Entwicklung bislang aus. Weder Mirko Pantkowski (23) noch Hendrik Hane (21) zählen in der DEL zu den Spitzentorhütern. In Nürnberg nicht unbekannt: Marco Nowak, der Deutschland bei den Olympischen Spielen in Peking vertreten hat, zu Patrick Reimers besten Kumpels zählt und in der kommenden Saison für die Eisbären Berlin spielt, und Verteidiger David Trinkberger.

Corona, Gehirnerschütterungen, Dehnungen, Zerrungen, Geburten – zu manchen Spielen traten die Ice Tigers nur noch zu elft an. Hat sich die personelle Lage rechtzeitig vor den Playoffs entspannt?

Ja, zumindest sieht es so aus. Der zuletzt verletzte Stoa wollte am Montag gar nicht mehr vom Eis gehen, im Gespräch danach allerdings auch nicht verraten, ob er schon am Dienstagabend wieder eingreifen wird. Allerdings kann man solche Aussagen unter „Folklore“ einordnen. Im Liga-Alltag erfährt man mitunter, welche Kieferpartie wie lange operiert wurde. Vom ersten bis zum letzten Playoff-Spiel werden die Spieler hingegen nur noch in Unter- und Oberkörper eingeteilt. Spezifische Auskünfte zu Verletzungen gibt es keine mehr. Der aktuelle Gegner und auch künftige Gegner könnten diese Informationen schließlich zu ihrem Vorteil nutzen – und, ja, das ist eine begründete Vorsichtsmaßnahme. Unsere Prognose: Stoa spielt. Dass Tom Rowe vielleicht doch nicht die volle Auswahl zur Verfügung steht, hat derweil nichts mit Verletzungen zu tun.

Welche Nachwirkungen hat das eskalierte 5:4 zum Hauptrundenabschluss in Schwenningen?

Natürlich hat Tom Rowe mit seiner Mannschaft noch einmal ernsthaft über dieses Spiel geredet, das die Ice Tigers nach Treffern von Tim Bender, Patrick Reimer und Tim Fleischer früh dominiert hatten, und darüber, wie, nun ja, unüberlegt es war, sich von den im letzten Heimspiel mit allen Mitteln um einen würdevollen Saisonausklang kämpfenden Schwenningern aber zu manch, nun ja, unüberlegter Aktion haben hinreißen lassen. Andrew Bodnarchuk verpasst deshalb zwei von drei möglichen Spielen gegen Düsseldorf. Der Disziplinarausschuss der DEL sperrte den Verteidiger wegen seines späten Checks gegen den Kopf von Schwenningens Alexander Karachun. Und natürlich haben 100 Strafminuten das Vorhaben sabotiert, ohne große körperliche Beeinträchtigungen in die Playoffs zu starten. Rowe aber glaubt nicht, dass seine Spieler die Müdigkeit spüren werden: „Es ist die beste Zeit des Jahres. Dafür spielen wir das ganze Jahr. Diese Freude wird den Schmerz überdecken. Meine Spieler werden die Playoffs genießen.“

Ähem, Playoffs - wie funktioniert das gleich noch einmal?

Am Dienstag (19.30 Uhr) empfangen die Ice Tigers die DEG in der Arena Nürnberger Versicherung. Am Donnerstag treten die beiden Mannschaft zur selben Uhrzeit in Düsseldorf an. Haben sie die Siege danach gerecht aufgeteilt, kommt es zu einer dritten Partie am Freitag wiederum in Nürnberg, die endgültig darüber entscheidet, wer im Viertelfinale ab Sonntag (gegen Berlin oder München) antreten darf. Dann sind drei Siege nötig, um sich fürs Halbfinale zu qualifizieren (best-of-five). Bis zum ersten deutschen Meistertitel fehlen den Ice Tigers also nur noch elf Siege.

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