2:3 beim Spitzenreiter

Ice Tigers punkten in Mannheim: Adler nur im Penalty-Schießen besser

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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7.11.2021, 16:37 Uhr
Normal, oder? Ryan Stoa lässt sich zu seinem 1:1 beglückwünschen. 

Normal, oder? Ryan Stoa lässt sich zu seinem 1:1 beglückwünschen.  © Uwe Anspach, dpa

Roman Horlamus ist Medienmanager der Nürnberg Ice Tigers und solcher sicher nicht neutral. Am Freitagabend aber schien er seiner Begeisterung als Eishockeyfan auf seinem privaten Twitterkanal Ausdruck verleihen zu wollen. „Ich sag so was ja nicht oft“, schrieb er nach dem 4:3 gegen Wolfsburg, „aber das war eines der besten Eishockeyspiele, die ich je gesehen habe.“ Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Horlamus sehr viele Eishockeyspiele live gesehen hat, nicht nur Spiele der Ice Tigers.

In Schwenningen wiederum erlebten die Adler Mannheim zugleich ein Eishockeyspiel, das kaum zu den besten in der erfolgreichen Geschichte des Klubs zu zählen ist. Die Mannschaft um den Nationalspieler Matthias Plachta verlor das Derby 0:1. Ein euphorisierter Außenseiter und ein frustrierter Favorit – für ein weiteres gutes Eishockeyspiel waren das die besten Voraussetzungen. Beim rasanten 2:3 (0:1, 1:1, 1:1, 0:0, 0:1) nach Penalty-Schießen lieferte der wiederbelebte Playoff-Kandidat dem Titel-Kandidaten nicht nur einen großen Kampf. Nürnberg spielte Eishockey auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer.

Vorne Stoa, hinten Treutle

Den Ice Tigers fehlten Blake Parlett und Oliver Mebus. Bei Mannheim fehlte Plachta nach einem positiven Corona-Test am Sonntag, dazu war der starke Finne Ilari Melart nicht einsatzbereit. Pavel Gross konnte natürlich trotzdem noch eine Allstar-Mannschaft aufs Eis schicken, die bereits nach 41 Sekunden wie eine Spitzenmannschaft reagierte. Fabrizio Pilu, bis ins Frühjahr noch Mitglied der Adler-Familie in Mannheim, hatte den Bruchteil einer Sekunde zu wenig zu Zeit, um den Puck kontrolliert zu klären, ein Pass und einen Abschluss von Andrew Desjardins später lag die Scheibe im Netz (1. Minute).

In einer früheren Verfassung hätte das Spiel für die Ice Tigers da bereits gelaufen sein können. Nach einer unfreiwillig langen Trainingsphase unter Tom Rowe und vier Siegen in Folge aber reagierte Nürnberg selbstbewusst und ungerührt auf den frühen Rückstand. Die Ice Tigers störten die Adler früh und aggressiv und fuhren ihre Angriffe konsequent zu Ende: Gregor MacLeod traf so die Latte, Tim Fleischer traf so plötzlich alleine vor Felix Brückmann. Die Nürnberger waren gleichwertig und psychologisch im Vorteil, nachdem sie sich fünf Minuten lang erfolgreich in Unterzahl erwehrt hatten, zwei Minuten davon nur mit drei Feldspielern. Ryan Stoa nutzte das Momentum zum Ausgleich (39.), Torhüter Niklas Treutle nutzte es, um erst David Wolf (35.), dann Korbinian Holzer (36.) zu frustrieren.

Kurioses in Overtime

Am Freitag noch hatten sie alle nach dem entscheidenden Penalty von Patrick Reimer nicht sich selbst, sondern Marcus Weber gefeiert. Für den Verteidiger war das 4:3 gegen Wolfsburg das 400. Spiel in der DEL. Das Foto, das dabei entstand, zeigte eine Mannschaft, die füreinander einsteht. Das zeigte sie auch in Mannheim, wobei nicht unterschlagen werden soll, dass das 2:1 für Nürnberg wohl nicht hätte zählen dürfen, weil Torschütze Stoa Holzer zuvor den Schläger aus der Hand geschlagen hatte (45.).

Danach parierte Treutle noch einmal glänzend gegen Sinan Akdag (49.), bei Thomas Larkins Ausgleich (47.) hatte er jedoch keine Chance. Die Gäste ließen sich aber nicht ins eigene Drittel drängen, sondern blieben selbstbewusst. Daniel Schmölz verpasste den möglichen Siegtreffer (59.), Treutle hielt nach einem Wolf-Schuss die Scheibe fest (60.). In der Verlängerung wurde es zunächst nicht gut, aber kurios: Die Ice Tigers vergaben leichtfertig einen 3-1-Konter, aus dem Missverständnis entstand ein 3-0-Konter, den die Adler wiederum leichtfertig vergaben.

Im Penalty-Schießen trafen allein die Mannheimer Borna Rendulic und Nigel Dawes. Die Ice Tigers gehen trotzdem mit einem Erfolgserlebnis in die Deutschland-Cup-Pause.

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