Führungswechsel im Verein

Jörg Wiemann gibt Vorsitz des AC Bavaria ab

Holger Peter
Holger Peter

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19.12.2021, 12:47 Uhr
Daheim im Eisen-Reich: Jörg Wiemann, selbst ein erfolgreicher Kraftdreikämpfer, inmitten der Geräte in den Trainingsräumen des AC Bavaria Forchheim.

Daheim im Eisen-Reich: Jörg Wiemann, selbst ein erfolgreicher Kraftdreikämpfer, inmitten der Geräte in den Trainingsräumen des AC Bavaria Forchheim.

Marten Arsumanjan, Christoph Seefeld, Maximilian Brandmayer - so heißen die Aushängeschilder des AC Bavaria Forchheim. Doch dass sie auf internationaler Bühne erfolgreich seien können, verdanken sie einem Mann, der im Hintergrund die Fäden zog. Jörg Wiemann, ein hochdekorierter ehemaliger Kraftdreikämpfer, kann mit Fug und Recht als Architekt des modernen Vereins, der inzwischen der größte im Landkreis ist, bezeichnet werden. Nach 21 Jahren gibt er den Vorsitz in jüngere Hände.


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Und das mit dem Architekten ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn seit im April 1908 der "Ring- und Stemmclub Bavaria Forchheim" im Gasthaus Krone gegründet wurde, waren die Athleten immer wieder Mieter auf der Wanderschaft. In Wirtshaussälen, Turnhallen und sogar in Garagen wurden die damals einzigen Sportarten Ringen und Gewichtheben betrieben.

Das änderte sich auch in der Neuzeit nicht. Jörg Wiemann hat seit seinem Vereinseintritt 1989 bereits zwei Umzüge hinter sich. Aus der "Grünen Au" in Buckenhofen, wo man von 1991 bis 2003 zu Hause war, ging es in die alte Spinnerei nahe der B 470, als "Untermieter" der seit September dieses Jahres geschlossenen Magnesia Kletterhalle, in der auch Wiemann angestellt war.

Doch als sich abzeichnete, dass es auch dort nicht dauerhaft weitergehen würde, setzte man sich im Bavaria-Vorstand zusammen und machte Nägel mit Köpfen: Man beendete das "Nomadendasein" und plante ein eigenes Sportzentrum. Das steht seit Oktober 2013 bekanntlich im Gewerbegebiet im Forchheimer Stadtsüden. Und erfüllt offenbar alle Wünsche des Klientels.

Die Wachstumsraten des AC Bavaria lassen selbst Bitcoin-Spekulanten vor Neid erblassen. "Als wir von der Grünen Au in die Spinnerei umgezogen sind, hatten wir 93 Aktive, als es dann in den Breitweidig ging, waren es schon 1100", berichtet Jörg Wiemann. Und heute sind es über 2300.

Die Investitionen für das 1,7-Millionen-Euro-Projekt, das von Stadt und Bayerischem Landessportverband bezuschusst wurde und 2034 abbezahlt sein wird, haben sich also gelohnt. Bei dieser Erfolgsgeschichte passte vieles zusammen, wie Jörg Wiemann glaubt: der allgemeine Fitnesstrend und das Gesamtkonzept: eine moderne, geräumige Anlage, reichlich Fachkompetenz bei den Trainern und Kursleitern, ein vielfältiges Angebot und nicht zuletzt: ausreichend Parkplätze, wie der Ex-Vorsitzende ganz pragmatisch anfügt.

Für Wirbel sorgte zwischenzeitlichen die Klage der kommerziellen Konkurrenz auf Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Das neue Studio komme einem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gleich, die steuerliche Vergünstigungen und Förderungen für den Verein stelle eine Wettbewerbsverzerrung dar. Tatsächlich musste der AC Bavaria regieren und lagerte seine Fitnesssparte 2017 in eine gemeinnützige GmbH aus.

Standesgemäß: Statt einer Staffelübergabe inszenierten die Athleten für den Führungswechsel eine Hantel-Übergabe. Der alte Vorsitzende Jörg Wiemann (rechts) übergibt an Sergio Kaiser.

Standesgemäß: Statt einer Staffelübergabe inszenierten die Athleten für den Führungswechsel eine Hantel-Übergabe. Der alte Vorsitzende Jörg Wiemann (rechts) übergibt an Sergio Kaiser. © Foto: Holger Peter

Die formale Professionalisierung bedeutete jedoch keine Spaltung der Vereinsfamilie. Die Fitness-Asse sind weiterhin Klubmitglieder und stellen dort sogar die überwältigende Mehrheit. Kampfsportler (Ringen, Boxen, Sumo, Mixed Martial Arts und Muay Thai) fallen dagegen lediglich mit etwa 400 Personen ins Gewicht und die bei Meisterschaften aktiven Kraftdreikämpfer mit rund 50 Köpfen. "Aber die Wettkämpfer machen Werbung für den Verein", bewirbt Wiemann die Vielfalt. Bei so vielen Disziplinen unter einem Dach, können sich Talente in mehreren Abteilungen ausprobieren.

Und mit noch einem Pfund können die Forchheimer wuchern. "Ich habe schon viel Herzblut für den AC Bavaria gegeben, das war teilweise eine 24-Stunden-Job", erzählt Wiemann. Dieses Engagement zahlt sich jetzt in der Pandemiezeit besonders aus. Im Lockdown waren die Trainingsräume im Breitweidig phasenweise komplett leergeräumt, weil die Geräte an Mitglieder ausgeliehen wurden. Wiemann hat sie persönlich ausgeliefert, was man ihm nicht vergisst: "Wir hatten kaum Kündigungen", sagt er und fügt hinzu: "Wir sind da wirklich stolz auf unsere Mitglieder.".


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Auch in der schrittweisen Öffnung war der AC Bavaria immer vorne dabei: mit ausgeklügelten Hygienekonzepten, die natürlich nicht immer unproblematisch waren. "Um die Abstände einhalten zu können, mussten wir einige Geräte sperren – und dabei überlegen, welche am meisten genutzt werden. Das sorgte logischerweise für diverse Proteste, aber da kann man es nicht allen recht machen", erinnert sich Wiemann. Und seit 2G plus gilt, hat man im Foyer eine eigene kleine Teststation eingerichtet, wo ein Angestellter die Tests der Trainingswilligen überprüft.

Die vielen Änderungen haben aber selbst den erfahrenen Funktionär manchmal an die Grenzen gebracht, wie er schildert: "Da hatte man gerade alle Mitglieder per Aushang, Mail, Homepage und Social Media über die neuen Regeln aufgeklärt, dann galt zwei Tage später wieder etwas ganz anderes. Und die Details waren oft so kompliziert formuliert, dass selbst die Experten im Landratsamt nicht mehr durchblickten."

Nach 21 Jahren in der Doppelfunktion als Vereinschef und Geschäftsführer will Jörg Wiemann aber nun wenigstens etwas kürzer treten und gibt den Vereinsvorsitz in jüngere Hände (siehe nebenstehendes Interview) – mit gutem Gewissen: "Ich habe das bisher nur mit einem guten Team schaffen können, und hier haben wir viele kompetente und engagierte Leute, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen."

Schließlich können auch die stärksten Muskelmänner die ganz großen Brocken nur gemeinsam stemmen. Beim AC Bavaria hat man das erkannt.

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