Mit (M)Oral gegen den FCN: Ingolstadt sieht Riesenchance

5.7.2020, 20:41 Uhr
Kennt den Club aus diversen Begegnungen - hier ging's für Tomas Oral 2016 als FSV-Frankfurt-Coach gegen eine damals noch von René Weiler trainierte Truppe.

Kennt den Club aus diversen Begegnungen - hier ging's für Tomas Oral 2016 als FSV-Frankfurt-Coach gegen eine damals noch von René Weiler trainierte Truppe. © Sportfoto Zink / DaMa

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, auch wenn das am Dienstag beinahe ausgefallen wäre. Für ein paar Minuten hatte sich der FC Ingolstadt am Samstag kurz vor 16 Uhr nach dem 2:0 bei 1860 München bereits wie ein Aufsteiger in die Zweite Liga fühlen dürfen. Bis es in der dritten Minute der Nachspielzeit noch einen Armelfmeter in Würzburg gab. Also natürlich keinen, "den man in so einer Situation gibt", wie Tomas Oral lamentierte, ohne lamentieren zu wollen. 2:2. Aus der Traum. Jedenfalls vorerst.

+++ Fast aufgestiegen heißt FCN-Gegner +++

Der Trainer des FC Ingolstadt stand auch in der Pressekonferenz noch hörbar unter Strom; dass es seine seit Ende Mai und dem Re-Start vielbeschäftigte Mannschaft am Dienstag im Max-Morlock-Stadion und am Samstag in Ingolstadt (Anstoß jeweils um 18.15 Uhr/Live-Ticker auf nordbayern.de) in der Relegation mit dem 1. FC Nürnberg zu tun bekommt, schien Oral nicht gerade zu beunruhigen.

Stattdessen versuchte der FCI-Coach die Erfolgsaussichten gegen den Drittletzten der 2. Liga irgendwie in Worte zu packen, bis ihm die Steigerungen ausgingen. Die Perspektive, aus eigener Kraft mindestens Vierter zu werden in der 3. Liga, nannte er "eine Riesenchance, die haben wir genutzt". Die nächste ist aber noch mehr als riesig, also riesiger, vielleicht sogar am riesigsten: der Club. "Jetzt haben wir eine noch größere", glaubt Oral.

Wiesingers Vorfreude und aggressive Schanzer

Das mit der Größeralsriesigchance für Ingolstadt glaubt sein Nürnberger Kollege Wiesinger, Vorname Michael, selbstverständlich nicht. "Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meinem ehemaligen Verein“, ließ der offenbar nicht minder zuversichtlich ausrichten; vor ziemlich genau zehn Jahren hatte Wiesinger die Ingolstädter in der Relegation gegen Rostock in die 2. Liga geführt und versucht jetzt, genau das zu verhindern. "Wir wissen, was wir bekommen: einen aggressiven Gegner“, verbal selbst jenseits der Seitenlinie.

Wegen heftiger Reklamationen sah Oral am Samstag zum zweiten Mal Gelb. Weil der FC Ingolstadt zwischenzeitlich drohte, sein Saisonziel zu verfehlen, ist Oral Anfang März sein eigener Nachnachfolger geworden und musste somit im Crashkurs korrigieren, was zwischenzeitlich unter Jeff Saibene weniger gut funktioniert hatte. Der VW-Konzernklub, 2016/17 noch stolzer Erstligist, wirkt nach wie vor extrem ambitioniert; auch deswegen ist Oral, ein gebürtiger Ochsenfurter, der schon RB Leipzig und als Assistent von Felix Magath den FC Fulham betreuen durfte, bereits der zehnte Trainer beim FC Ingolstadt in gut vier Jahren, was im gleichen Zeitraum selbst der 1. FC Nürnberg nicht geschafft hat (sieben).

Umbruch und Kutschke

In knapp vier Monaten und seiner mittlerweile dritten Amtszeit formte Oral eine Gruppe, die nicht unbedingt schwächer zu sein scheint als die in der vergangenen Spielzeit, als sich der FC Ingolstadt in der Relegation vom SV Wehen überrumpeln ließ. Danach gingen 19 Fußballer und 19 kamen, der zurzeit formstarke Torhüter Marco Knaller oder Torjäger Stefan Kutschke sind geblieben. Wegen einer Oberschenkelverletzung könnte der Kapitän gegen seinen Ex-Verein allerdings fehlen.

Trotzdem ist die Stimmung rund um den FC Ingolstadt gerade mindestens prächtig; gut und gerne 30 Fans nahmen ihr Team am Samstagabend und nach der Rückkehr aus München mit viel Applaus in Empfang, "weiter geht‘s" ist im Video des Donaukurier mehrfach zu vernehmen. Weiter geht‘s – gegen den 1. FC Nürnberg und mit noch größer als riesigen Aufstiegshoffnungen. "Um das wettzumachen, was wir letztes Jahr verbockt haben", wie Oral noch im Grünwalder Stadion sagte.

2016, wieder ein Thema

Eine der Begründungen, warum der Schanzer-Trainer den Club zurzeit mindestens als Geschenk des Himmels betrachtet für seine Elf um den einstigen Wunderknaben Maximilian Beister, ist zwar schon über vier Jahre alt, für Oral aber plötzlich wieder aktuell. "Es ist ja noch nicht so lange her, dass sie diesen Nackenschlag in der Relegation verkraften mussten", meinte er in der Pressekonferenz, "wir sind Relegations-erpropt als Verein, diesen Vorteil wollen wir natürlich nutzen." Das kann man so sehen, muss man angesichts ihrer düsteren Erlebnisse gegen den SV Wehen im Mai 2019 aber nicht. Nach einem 2:1 im Hinspiel ging das Rückspiel im eigenen Sportpark mit 2:3 verloren.

Forscher FCI: "Dann feiern wir halt nächsten Samstag"

Alles hatte für den FC Ingolstadt gesprochen und spricht aus Sicht des FC Ingolstadt jetzt wieder für den FC Ingolstadt, selbst nach elf Spielen in fünf Wochen. „Dann feiern wir halt nächsten Samstag“, sagte Innenverteidiger Nico Antonitsch am Samstag und nach dem 13. Spiel in sechs Wochen. Der 1. FC Nürnberg hatte im gleichen Zeitraum deren fünf und jetzt auch noch sechs Tage mehr zur Vorbereitung; wirklich fair ist das nicht, aber letztlich eben auch nur eine von vielen Merkwürdigkeiten in letzter Zeit.

 

Nürnbergs Verlustängste? Sie sind größer, sagt Oral

Michael Wiesinger, mit seinem Club seit Samstagnachmittag zurück aus dem Kurz-Trainingslager, nimmt den Vorteil dankend an, ohne ihn überbewerten zu wollen, der Sportvorstand hingegen packt einen aus: "Ingolstadt will unseren Platz in der Zweiten Liga", sagt Robert Palikuca, "das werden wir zu verhindern wissen." Wie genau, wird man sehen, wenn es vor allem um einen Haufen Geld geht. Nur etwa eine Million von derzeit rund 17 Millionen bliebe für den Club in der 3. Liga übrig vom TV-Geld. Wohl auch deshalb versichert Tomas Oral: "Sie haben wesentlich mehr zu verlieren als wir." Und das ist ausnahmsweise mal nicht übertrieben. 

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