Fußball-Landesliga

Noch ein langer Weg: FSV Erlangen-Bruck nach dem Umbruch

31.7.2021, 20:26 Uhr
Redebedarf nach dem Spiel: Co-Trainer Levent Özdemir (links) und Thomas Roka sprechen zu ihrer Mannschaft

Redebedarf nach dem Spiel: Co-Trainer Levent Özdemir (links) und Thomas Roka sprechen zu ihrer Mannschaft © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Thomas Roka hatte direkt nach Schlusspfiff zur ersten Krisensitzung gebeten. Seine Spieler hockten im Kreis auf dem Rasen, er und sein Assistent Levent Özdemir standen vor ihnen. Das Trainer-Duo hatte vor dieser Saison noch die Brucker A-Jugend angeleitet, und auch jetzt sah Roka wieder in sehr viele sehr junge Gesichter. Der FSV hat den nächsten Umbruch hinter sich, aus dem letzten Landesliga-Spiel der Corona-Saison 2019/21 ist nur noch ein Fußballer übrig, der damals im September 2020 in der Startelf stand: Hayri Özdemir.


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Mittlerweile ist der 30-Jährige Kapitän der Truppe, Führungsspieler, eine absolute Säule seiner Mannschaft. Im Januar 2017 ist der Innenverteidiger nach Bruck gewechselt, seither hat er einige Umbrüche erlebt. So unerfahren wie jetzt aber waren Mannschaft und Trainer nie. Für den FSV geht es nur um den Klassenverbleib. Dass es auch damit eng werden könnte, hat man allerdings am Samstag beim Heimspiel-Auftakt gegen den FC Eintracht Münchberg gesehen. Die Brucker unterlagen mit 1:2 (0:2) - und mussten sich dann einiges anhören von ihren Coaches.

Während aus der Gästekabine Partyhits über den Platz dröhnten, fand Thomas Roka eine Mischung aus mahnenden und motivierenden Worten. "Wir wussten, dass wir erst einmal Dreck fressen müssen", sagt Roka. Dass das keinem schmeckt, war in den erschöpften und wütenden Gesichtern seiner Zuhörer abzulesen.

"Ein Geschenk" führt zum 0:1

Von Beginn an war der FC Eintracht Münchberg gefährlicher gewesen. FSV-Keeper Christos Iosifidis rettete zweimal klasse. Beim dritten Mal hatte der junge Torwart keine Chance mehr. Ausgerechnet Hayri Özdemir schlug bei einem Rettungsversuch nach einer flachen Hereingabe von rechts neben den Ball, hinter ihm musste Dennis Pajonk nur noch einschieben (25.). "Das war ein Geschenk", sagt Hayri Özdemir selbstkritisch.

"Für mich ist allerdings auch manches neu", meint der Verteidiger, der sich ebenfalls erst auf seine Nebenleute einstellen muss. "Das Team wurde immer jünger, da müssen wir auch Fehler machen dürfen. Schade, dass es mir passiert ist. Doch besser mir als einem jüngeren Spieler." Mit seiner Erfahrung könne er das besser wegstecken: "Es ist nicht mein erster Fehler und es wird nicht mein letzter sein."

Nach einer halben Stunde kamen die Brucker immer noch nicht in die Partie, das Offensivspiel stockte gewaltig. Ein Distanzschuss von Hakim Graine - eine Einzelaktion - war lange der einzige Abschluss der Hausherren. Auf der Gegenseite fand Münchberg große Lücken in der FSV-Abwehr. Gegen Pajonk parierte Iosifidis erneut stark, ehe er ein zweites Mal geschlagen war. Wieder kam die Hereingabe vom rechten Flügel, Lucas Köhler am rechten Pfosten spitzelte den Ball aus drei Metern ins Netz (42.). "Hier haben wir als Mannschaft ganz schlecht verteidigt", moniert Hayri Özdemir. "Wir hatten keinen Zugriff, der Gegner hat mich uns gemacht, was er wollte."


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In der Pause habe sich das Team dann taktisch besser auf Münchberg eingestellt, dazu stimmte nach Wiederanpfiff auch die Einstellung. So wurde es etwas besser, auch weil die Oberfranken nicht mehr so konsequent agierten wie noch in Halbzeit eins. Anton Gnerlich hatte Pech und traf nur den Pfosten. Nikola Milovski zielte scharf links vorbei. In der 77. Minute dann endlich der Anschlusstreffer: Ahmed Slama brachte den Ball sehenswert im linken Toreck unter. Beim Gegner war Kapitän Pajonk mittlerweile verletzt raus. Der Ausgleich aber fiel nicht mehr.

"Wir spielen in Zukunft lieber nur zweite Halbzeiten", sagt Roka. Wie zuvor in Röslau war seine Mannschaft erst nach 45 Minuten, diesmal eigentlich erst nach 60 Minuten, konkurrenzfähig. Im ersten Durchgang wirkte das neu aufgestellte Team nicht Landesliga-reif - vielleicht auch: noch nicht. "Wir können noch nicht so befreit aufspielen, für manche geht es noch zu schnell", sagt Roka. "Deshalb machen wir ungewöhnlich viele Fehler. Doch das braucht Zeit. Die Ansätze, dass es besser wird, hat man gesehen."

"Ich habe keine Panik, eher Vorfreude"

Hayri Özdemir ist ebenfalls zuversichtlich. "Zwei Spiele, zwei Niederlagen sind ärgerlich", sagt er. "Ich hatte hier in Bruck aber auch schon einmal sieben Niederlagen, damals in der Bayernliga." Auch das hat die Mannschaft überstanden und irgendwann wieder einmal gewonnen. "Ich habe keine Panik, eher Vorfreude, weil ich weiß, dass wir uns von Spiel zu Spiel weiterentwickeln werden", sagt Hayri Özdemir. Bald soll es nach Abpfiff keine Krisensitzungen mehr geben, nur die Party in der Kabine.

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