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Problemzone Fürther Stadtwald: Mountainbiker wollen Frieden

5.5.2021, 21:24 Uhr
So schön kann Fliegen sein: Der Mountainbike-Fahrer Martin Schubert führt dem Fotografen einen Sprung im Fürther Stadtwald nähe der Alten Veste in Zirndorf vor.

So schön kann Fliegen sein: Der Mountainbike-Fahrer Martin Schubert führt dem Fotografen einen Sprung im Fürther Stadtwald nähe der Alten Veste in Zirndorf vor. © Foto: Alexander Schlirf

Der Verein Trailworks Fürth war noch nicht gegründet, da hatten deren spätere Mitglieder schon eine Konferenz mit dem Ordnungsamt, den Staatsforsten, dem Stadtförster und der Unteren Naturschutzbehörde. Es gibt anscheinend großen Gesprächsbedarf.


Auch in Hilpoltstein haben Mountainbiker Probleme


Herr Schmid, gibt es Stunk im Fürther Stadtwald?

Peer Schmid: Im Stadtwald treffen viele Menschen und Interessen auf einem relativ kleinen Stück Wald aufeinander – da ist Stress fast unvermeidbar. Es war ein guter Zug vom Ordnungsamt, nicht einfach Verbote auszusprechen, sondern sich über die Vereine an die Mountainbiker zu wenden. Nicht als die einzigen Verursacher, aber als Teil der Probleme. So können wir an der Lösung mitarbeiten, was wir auch gerne tun.

Was sind die ersten Erkenntnisse aus dem Meinungsaustausch?

Wir als Trailworks Fürth haben im Vorfeld lange an einem Konzept gearbeitet: Was ist uns im Stadtwald aufgefallen? Was stört uns selbst? Wir haben kein einseitiges Problemverständnis, wir teilen die Bedenken des Ordnungsamtes hinsichtlich einiger wild gebauter Rampen und neuer Wege. Also haben wir uns gefragt: Was sind wir bereit zu tun, wozu sind wir in der Lage?

Was ist die Antwort?

Wir fokussieren uns auf den Stadtwald und die Pflege von bestehenden Strecken, die es teilweise schon zehn Jahre oder noch länger gibt und da gibt es schon viele gute Möglichkeiten. Wir sehen aber auch seit Beginn der Pandemie eine zunehmende Belastung für den Wald: Immer mehr Leute fahren Rad, man trifft Fußgänger, die gefühlt noch nie in einem Wald waren, wild parken und irgendwie auch ihren Müll nicht wieder mitnehmen können. Aber auch wir Mountainbiker tragen unseren Teil dazu bei: Es wurde mehr gefahren und gebaut, Strecken haben unter der intensiven Nutzung und Trockenheit genauso gelitten wie der ganze Wald. Wir möchten im Rahmen des Möglichen Strecken offiziell übernehmen und pflegen, auch um den Wildwuchs durch ein gutes, umwelterträgliches Angebot zu reduzieren.

Wer ist Mitglied bei Trailworks?

Wir sind aktuell über 60 Leute, viele sind Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, des Radsportclubs RSC Fürth, der schon die Cross- und Querfeldeinrennen im Stadtwald organisiert hat, des Allgemeinden Deutschen Fahrradclubs ADFC oder der Deutschen Initiative Mountainbike DIMB. Zusätzlich haben wir viele Aktive eingesammelt, die bislang wenig Lust auf Vereine hatten. Mountainbiken ist eine Individualsportart und daher sind die Fahrer selten vereinsseitig organisiert. Aber jeder von uns kennt wiederum jemanden, der auch im Stadtwald fährt und andere ansprechen kann, wenn etwas verbreitet werden soll. Insofern decken wir ein breites Spektrum ab. Die neue Website und Instagram helfen uns, die Diskussion noch weiter zu tragen.

Krater hinter der Alten Veste

Peer Schmid, 47 Jahre alt, ist Scrum-Master bei der Firma DATEV und lebt in Dambach. Seit 20 Jahren setzt er sich so oft es geht für eine Runde durch den Fürther Stadtwald auf sein Mountainbike.
Anfang April gründete er mit weiteren Aktiven den Verein „Trailworks Fürth“, um die Spannungen zwischen Sportlern und den Behörden abzubauen.

Peer Schmid, 47 Jahre alt, ist Scrum-Master bei der Firma DATEV und lebt in Dambach. Seit 20 Jahren setzt er sich so oft es geht für eine Runde durch den Fürther Stadtwald auf sein Mountainbike.
Anfang April gründete er mit weiteren Aktiven den Verein „Trailworks Fürth“, um die Spannungen zwischen Sportlern und den Behörden abzubauen. © Foto: privat

Ihr Verein versucht, für eine sehr heterogene Gruppe zu sprechen. Was legitimiert Sie dazu?

Es hat an vielen Stellen im Stadtwald immer mal wieder Stress mit Anwohnen oder dem Forst gegeben. Und es gab immer schon Leute, die sich um einen Ausgleich bemüht haben. Der Krater hinter der Alten Veste ist so ein Spot. Anwohner schütten ihre Gartenabfälle in die Strecken, dann räumt man auf und sieht zu, dass es wieder ruhiger und weniger vermüllt ist. Diejenigen, die dort schon lange fahren, haben auf die eingewirkt, die neu dazugekommen sind. Und mit genau diesen Kontakten haben wir gesprochen und am Konzept gearbeitet, an vielen Spots und mit wirklich einer Menge Menschen. Unsere Position beruht also auf einem breiten Konsens.

Und alle haben auf Sie und ihre Vorschläge gehört?

Nein. Der überwiegenden Anzahl von Aktiven ist aber klar, dass einige Sachen im Stadtwald weit über alles im öffentlichen Raum Vertretbare hinaus gehen. Aber es gibt auch die Ausreißer, denen das schlicht egal ist, die ihren Anspruch klar über das Risiko stellen, Teile des Stadtwalds als fahrbaren Bereich zu verlieren. Wie weit hier etwas erreicht werden kann, wird sich zeigen. Aber wir werden auch daran gemessen werden, wie sehr wildes Bauen reduziert wird.

Wie darf man sich diese illegalen Bauten vorstellen?

Alles, was nicht von Natur aus vorhanden ist, wird als Bau eingestuft: Rampen, drei Schaufeln voll Erde vor einem Baumstamm, eine Schanze oder eine Landung, eine Abbruchkante zum Droppen, die befestigt ist – da gibt es viele Facetten. Für manches davon haben ein Dutzend Leute ein paar Tage gegraben.

In Nürnberg am Schmausenbuck und an der Alten Veste in Zirndorf tauchen immer wieder wild in den Wald gebaute Schanzen oder neue Wege auf, wo vorher noch Dickicht war. Ärgert Sie das auch so wie die Förster?

Ja, das ist oft ein zu großer Eingriff. Im Fürther Stadtwald war das letztes Jahr vor den Osterferien gut zu beobachten, als viele Jugendliche durch die Schulschließungen plötzlich frei hatten und die Zeit zum Streckenbau genutzt haben. In Größe und Umfang, die es so bisher nicht gegeben hat. 

Wir sehen auf Instagram und Youtube, dass Leute, die gar keinen Bezug zum Stadtwald haben und in der Umgebung schon aktenkundig sind, herkommen und kubikmeterweise Erde bewegen. So ist ein Zehn-Meter-Sprung entstanden. Maximaler Schaden von einer sehr kleinen Gruppe, die es damit allen schwerer macht. Und wenn der Kick vorbei ist, muss wieder etwas Neues, Größeres her. Insofern ist das keine gute Entwicklung.

Die Stimmung kippt

Auch die Haftung ist ein Problem, oder?

Richtig. Der Forst kann das nicht stillschweigend dulden und tut das auch nicht. Es gibt aber Bauten, die jahrelang nicht eingerissen wurden . . .

. . . und jetzt plötzlich zur Diskussion stehen?

Ja. Denn die Stimmung kippt. Bestimmte Trends gab es ja schon vor der Pandemie und wenn dann die meisten Freizeitangebote schließen, beschleunigt das Entwicklungen, die einfach nicht okay sind. Wir haben als Mountainbiker aber auch lange zugesehen, uns zwar geärgert, aber doch wenig dagegen gemacht. Jetzt fällt uns das auf die Füße. Wir erleben gerade zum Beispiel in Erlangen, dass Bußgelder verhängt werden. Es trifft jetzt also alle, auch die, die nie selbst Rampen gebaut haben.

Was ist nun der Vorschlag von Trailworks, wie Frieden einkehren könnte?

Man muss differenzieren: Wenn es Sachen gibt, die seit Jahrzehnten genutzt werden, an denen nicht aktiv gebaut wird, dann sollten die einen gewissen Schutz genießen. Es gibt Modelle, bei denen die Gemeindeversicherung die Haftung übernehmen kann, lokale Vereine steigen in die Trägerschaft ein, oder man pachtet bestimmte Bereiche. Verkehrssicherungspflicht und Instandhaltung muss dann der Verein tragen. Wir wollen etwas leisten und Verantwortung übernehmen, damit die Strecken gepflegt werden und es weniger Wildwuchs gibt. Und sich die Dinge umweltverträglich einpendeln.

Wie ist nun der Kommunikationsweg?

Bislang hat der Forst ungewollte Strecken mit Baumstämmen oder Ästen versperrt, um sensible Bereiche zu schützen. Die Sperren waren dann teilweise nur Stunden später wieder geräumt, also nicht wirksam. Oder es entstehen Umfahrungen, also neuer Schaden. Die Initiative des Ordnungsamts hat dazu geführt, dass die Parteien jetzt miteinander sprechen und über konkrete Maßnahmen verhandeln können. Allein das ist schon ein echter Schritt nach vorn.

Wem gehört der Wald?

Man kann heraushören: Es geht auch um die Frage, wem der Wald gehört.

Rechtlich ist das einfach: Es gibt kein Gewohnheitsrecht. Und nur weil wir seit Jahren eine gebaute Strecke befahren, ist sie trotzdem nicht legal. Aber die Behörden haben die Kommunikation angeboten und wir sehen dieses Entgegenkommen als Verpflichtung, etwas Vernünftiges daraus zu machen. Es gibt viele gute Vorbilder, auch hier in der Gegend. Ich bin mir also sicher, dass es auch für den Stadtwald etwas Tragfähiges geben wird.


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Sie selbst gehören also nicht zu denen, die eine Schanze oder einen Parcours brauchen zum Mountainbiken?

Nein, eher nicht. Ich fahre häufig in kleinen Gruppen, je nachdem, wer Zeit hat und ähnliches Fahrkönnen mitbringt, meist Runden von 18 bis 20 Kilometer. Dabei läuft immer ein wenig der Wettbewerb über digitale Dienste, denn viele Strecken sind markiert und man kann die Zeiten anderer Leute einsehen und vergleichen – so wird es eigentlich nie langweilig. Aber diese Markierungen liefern auch die GPS-Daten neuer Strecken und machen diese schneller bekannt. Auch für Biker von außerhalb, was dann noch mehr Last bedeutet.


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Das heißt, man bewegt sich eher abseits der Hauptwege?

Genau. Die geschotterten Hauptwege sind für die meisten Mountainbiker nur Transferstücke. Es spielt sich viel auf den schmaleren, naturbelassenen Nebenwegen ab. Doch offiziell sind das manchmal keine Wege, sondern vielleicht nur Wildwechsel oder Trampelpfade – jedenfalls kein Teil des Wegenetzes und damit beim Befahren eher wie eine Querfeldeinfahrt zu sehen. Und dann wird es für die Behörden problematisch, wurde uns in den Gesprächen mitgeteilt. Auf diesen teils neuen Wegen dringt man immer weiter in die Rückzugsräume der Wildtiere ein, die im Stadtwald eh schon knapp sind.

Von wie vielen Radfahrern im Stadtwald reden wir?

Wir bereiten eine Zählung vor. Geschätzt aber kommt man schnell auf bis zu 1000 Radler am Tag, da der Stadtwald auch als Teil des Arbeitswegs genutzt wird. Es ballt sich an fünf, sechs Stellen enorm plus eben den Transferstrecken zwischen den beliebtesten Spots – gerade am Wochenende wird es dann schnell echt voll.

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