Sonntag, 29.03.2020

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Reales Szenario: SpVgg muss Geisterspiel austragen

Der HSV-Kracher steigt wegen des Coronavirus' ohne Zuschauer - 10.03.2020 21:00 Uhr

Die Ränge des Ronhofs bleiben am Freitag gegen den HSV leer. © Oliver Acker / www.digitale-luftbilder.de


Das Wetter passte zur düsteren Meldung: Die von 13.000 Fußballfans mit Spannung erwartete Zweitliga-Begegnung zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem Hamburger SV am Freitag im Ronhof muss ohne Zuschauer stattfinden.

Handy-Alarm auch in Fürth - Leitls Schreie  -  und Sandhausen? 

Als am Nachmittag um kurz nach drei die Nachricht auf den Handys der Nation aufploppte, quälten sich die Kleeblatt-Profis gerade im Nieselregen auf dem Kunstrasenplatz des Trainingszentrums. Nach einer Stunde scheuchte Trainer Stefan Leitl seine Männer wieder in die Kabine: "Keiner steht länger als nötig außen herum!" Nicht noch einen Spieler mit einer Erkältung verlieren. Nicht in diesen Tagen, in denen wohl zehn Spieler ausfallen – und jetzt auch noch die Zuschauer.

Mindestens zwei der restlichen fünf Heimspiele müssen – Stand jetzt – ohne Zuschauer stattfinden: gegen den HSV, gegen Osnabrück am 5. April. Da die Bayerische Staatsregierung die Anweisung aussprach, bis Karfreitag keine Veranstaltungen mit über 1000 Menschen stattfinden zu lassen, ist die Partie gegen den SV Sandhausen derzeit nicht betroffen. Sie ist nach dem Osterwochenende um den 19. April noch nicht genau terminiert.

Schwiewagner: "Wir rechnen mit erheblichen Einbußen" 

Diejenigen, die bereits ihre Eintrittskarten für die beiden sicher betroffenen Spiele bezahlt haben, bekommen nun ihr Geld zurück. Das Prozedere will die SpVgg so bald wie möglich bekannt geben. Auch Dauerkarteninhaber, Sponsoren und VIP-Gäste müssen entschädigt werden. Geschäftsführer Holger Schwiewagner sieht eine große Belastung auf die Fußball-KG zukommen: "Wir rechnen mit erheblichen Einbußen, das kann in den siebenstelligen Bereich gehen."

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Dass die Verbände einen Hilfsfonds einrichten könnten, glaubt er nicht. "Wir gehen davon aus, dass wir das selbst stemmen müssen." Doch er werde am Montag schon sehr deutlich, wenn die deutschen Profifußballvereine zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Die Frage aus Fürth werde lauten: "Wie geht man mit den wirtschaftlichen Nachteilen der kleinen Vereine um?" Zudem ärgere Schwiewagner, dass alle bayerischen Vereine ohne Publikum spielen, in anderen Bundesländern aber - Stand Dienstag - durchaus Zuschauer erlaubt sind.

Klatschnasser Azzouzi: "Es ist eine Katastrophe" 

Noch deutlicher wird sein Geschäftsführer-Kollege Rachid Azzouzi, der sich das Training angesehen hat und sich klatschnass in den Unterstand des Funktionsgebäudes flüchtet: "Es ist eine Katastrophe! In unserem knapp bemessenen Budget kann das schon eine bedrohliche Situation für den Verein werden." Für das Treffen am Montag fordert er, "in alle Richtungen zu denken".

Doch er denke auch an die Fans, die sich gefreut hatten auf das HSV-Spiel, "wir hätten volle Hütte gehabt, wollten die Leute von der Emotion her mitnehmen". Dass man noch vor zwei Tagen annehmen durfte, das Spiel finde statt, ärgere ihn am meisten. "Ich weiß nicht, ob das alles zuende gedacht ist. Natürlich ist die Gesundheit das höchste Gut, aber ich kann die Verhältnismäßigkeit nicht erkennen."

Dürfen Journalisten in den Ronhof?

Trotzdem werden nun um die Mannschaft herum gewisse Dinge eingeschränkt. Öffentliche Termine gibt es erst einmal keine mehr. Es ist noch nicht einmal sicher, ob am Freitag Journalisten in den Ronhof dürfen. Holger Schwiewagner erklärt dazu: "Es soll so wenig Personal wie möglich am Freitag im Ronhof arbeiten. Auch Mitarbeiter der Spielvereinigung, die keinen Arbeitsauftrag haben, müssen daheim bleiben."

In dieser düsteren Woche sieht er jedoch auch Licht am Ende des Tunnels. Denn genauso wie die Mannschaft aufgrund der vielen Verletzungen enger und sogar erfolgreich zusammenrückt, so scheint auch bei den Fans Solidarität vorzuherrschen. "Wir haben positive Signale von Dauerkarteninhabern bekommen, dass sie ihr Geld für die ausgefallenen Spiele nicht zurück wollen."

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