Schock für den Krisen-Club! Spätes 2:2 verhindert Heimsieg

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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15.12.2019, 15:59 Uhr
Zwischen Verzweiflung und Erschöpfung - Lukas Mühl war nach dem Abpfiff völlig demoralisiert.

Zwischen Verzweiflung und Erschöpfung - Lukas Mühl war nach dem Abpfiff völlig demoralisiert. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Schon beim Aufwärmen bekamen die Profis des 1. FC Nürnberg einiges zu lesen. "Wer nicht kämpft, kann Nürnberg verlassen", teilte die Nordkurve auf einem zirka 40 Meter langen und knapp drei Meter hohen Transparent mit, dahinter zunächst schweigende Menschen – die sich wenig später allerdings auf bedingungslosen Support verständigten.

Dass die Stadion-Regie zudem wie immer das Lied "Ehre, wem Ehre gebühret" einspielte (Textzeile: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren"), war natürlich reiner Zufall, passte vorab aber perfekt zur tristen Stimmung rund um den Club. Nach acht Spielen ohne Sieg kein Wunder, Platz 16 – viel schlimmer, dachte man eigentlich, viel schlimmer kann es jetzt aber wirklich nicht mehr werden.

Drei Veränderungen in der Startelf

Doch, es kann. Der 1. FC Nürnberg - das lehrt spätestens die Partie gegen Holstein Kiel - findet derzeit immer einen Weg, den eigenen Sieg zu vermeiden. Nach 90 vor allem spannenden und dramatischen Minuten wandert nur ein müder Punkt auf das Konto der Franken. Dabei hatte Sörensen in der 38. Minute per Freistoß die Führung erzielt, Dornebusch einen Straßstoß von Özcan pariert und Hack nach knapp einer Stunde auf 2:0 erhöht. Doch Kiel schlug jedoch zurück. Serra glückte der Anschlusstreffer (77.) und zunächst schien es so, als könne sich der Club mit viel Einsatz trotzdem zum ersten Heimsieg zittern. Bis zur 93. Minute - dann zerstörte ein Kopfball von Stefan Thesker alle Hoffnungen.

Trainer Keller setzte im Vergleich zum 1:3 in Stuttgart am Montag unter anderem auf drei frische Kräfte; die Nominierungen von Hack, Dovedan und Sorg sollten sich belebend auswirken, dafür mussten Lohkemper, Jäger und Handwerker auf die Bank. Nicht mal ins 20-köpfige Aufgebot schafften es diesmal Ishak, Petrak, Fuchs, Besong und Nürnberger – vielleicht schon mehr als eine Randnotiz. Erras fehlte leicht angeschlagen.

Dornebusch kratzt Elfer von der Linie

Zurzeit scheint es allerdings ziemlich egal zu sein, wer da so alles im mausgrauen Trikot über den Rasen rennt. Dem Club merkte man auch in den ersten 20, 30 Minuten gegen Kiel wie allseits befürchtet den Negativtrend der vergangenen Wochen an. Die Gäste hatten deutlich mehr Ballbesitz, kamen aber nur selten vielversprechend in den Strafraum. Iyoha schoss einen guten Meter drüber, ansonsten kontrollierten die Nürnberger immerhin das hinterste Platzdrittel.

Nach vorn lief zunächst aber nicht viel bis gar nichts zusammen; nach dem ersten Eckstoß in der 29. Minute setzte Mühl einen Kopfball etwas zu unplatziert an, kurz vor dem Halbzeitpfiff fehlten dem Innenverteidiger sogar nur ein paar Zentimeter. Da konnte er seinen Fehlversuch freilich verschmerzen, weil der Club bereits führte. Sörensen hatte einen Freistoß aus knapp 25 Meter sehenswert über die Mauer ins Kieler Tor gezirkelt (38.), doch sollte die Freude schnell getrübt werden.

Nach einer Flanke brachte Behrens Özcan zu Fall, Elfmeter für Kiel. Der Gefoulte trat selbst an, scheiterte aber an glänzend reagierenden Dornebusch im Nürnberger Kasten, so dass der Drittletzte erstmals seit dem 27. Oktober (1:1 gegen Regensburg) wieder eine Führung mit in die Kabine nehmen konnte.

Bitterer geht es kaum mehr

Der zweite Durchgang begann vor über 25000 Zuschauern und dem Christikind dennoch wie der erste: Kiel agierte, der Club reagierte – und benötigte einen zuverlässigen Torwart. Dornebusch klärte einen Schuss von Iyoha mit den Fäusten (55.) und musste gegen Kiels technisch gute und schnelle Offensivkräfte auch in der Folgezeit sehr aufmerksam sein.

Nürnberg verlegte sich mehr und mehr aufs Kontern, trug seine Angriffe aber nicht selten zu kompliziert und hektisch vor. Hack zielte knapp vorbei, zumindest mal wieder ein Abschluss nach knapp einer Stunde, dem er in der 67. Minute das 2:0 folgen ließ: Nach einer Balleroberung im Mittelfeld schaltete der Club schnell um, über Dovedan und Schleusener landete die Kugel beim deutschen U21-Nationalspieler, der sich nicht lange bitten ließ.

Selten gewordene Glücksgefühle im Max-Morlock-Stadion, in dem noch lange nicht Schluss war; nach Serras 1:2 (77.) ging mal wieder das große Zittern los. Der Club kam nun kaum noch zu Entlastungsangriffen, agierte zwar mit viel Leidenschaft, die Angst vor einem weiteren Treffer der Norddeutschen war jedoch bis auf die Ränge des Stadion-Achtecks zu spüren. Diese Angst in den Köpfen von Spielern und Fans, sie sollte zur selbsterfüllenden Prophezeihung werden. In der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte Thesker per Kopf den 2:2-Ausgleich. Und stürzte den Club in eine tiefe Vorweihnachts-Depression. 

1. FC Nürnberg: Dornebusch - Sorg, Sörensen, Mühl, Valentini - Geis (81. Jäger), Behrens, Schleusener (85. Zrelak), Hack - Frey, Dovedan (86. Cerin)

Holstein Kiel: Reimann - Neumann (86. Baku), Wahl, Thesker, van den Bergh - Ignjovski (62. Atanga), Mühling, Özcan, Iyoha (81. Porath), Lee - Serra

Tore: 1:0 Sörensen (38.), 2:0 Hack (67.), 2:1 Serra (77.), 2:2 Thesker (90.+3)  | Gelbe Karten: Schleusener (65.) | Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau) | Zuschauer: 25.000

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