Nur Michalski trifft

1:2 beim Aufsteiger! Kleeblatt verliert auch in Magdeburg und ist jetzt Letzter

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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11.9.2022, 15:22 Uhr
Pure Verzweiflung: Marc Schneiders Kleeblatt unterliegt auch dem 1. FC Magdeburg.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Pure Verzweiflung: Marc Schneiders Kleeblatt unterliegt auch dem 1. FC Magdeburg.

Der Name "Magdeburg" ist ein sehr wichtiger in der Vereinsgeschichte des Kleeblatts. Am 31. Mai 1914 gewannen die Fürther Fußballer auf dem dortigen Viktoria-Platz in einer "Zweieinhalbstundenschlacht", wie die Zeitungen damals schrieben, mit 3:2 gegen den VfB Leipzig. Mit seinem Golden Goal in der 153. Minute (!) schoss Karl Franz die Spielvereinigung zum ersten Deutschen Meistertitel, dem 1926 und 1929 noch zwei weitere folgen sollten.

"Es war in Magdeburg im Monat Mai, die Spielvereinigung war auch dabei. Sie schlug die Leipziger mit 3:2 und bracht' die Meisterschaft nach Fürth herbei", sangen die euphorisierten Menschen kurz darauf bei der ausgelassenen Feier im Fürther Geismannsaal. 108 Jahre später ist niemandem beim Kleeblatt mehr zum Feiern zumute - saisonübergreifend gelang der Mannschaft ja schon 20 Spielen kein Erfolg mehr.

Deshalb reiste die Spielvereinigung am Sonntagnachmittag als zwischenzeitlicher Tabellenvorletzter zum Schlusslicht nach Magdeburg. Nach dem 1:2 (1:1) beim Aufsteiger sind die Fürther, die inzwischen seit 21 Pflichtspielen sieglos sind, selbst Schlusslicht der zweiten Bundesliga - und spielten während der 94 Minuten auch genau so. Wie ein Absteiger.

Die spannendste Frage vor dem Anpfiff beantwortete Marc Schneider mit "Oualid Mhamdi". Der 19-Jährige, der im Sommer aus der U19 von Viktoria Köln nach Fürth gekommen war, durfte den am Knie verletzten Simon Asta auf der rechten Abwehrseite vertreten - sicher auch, weil der zuletzt angeschlagene Luca Itter es nicht in das Spieltags-Aufgebot schaffte. Genauso wenig wie der in Fürth fast dauerverletzte Jeremy Dudziak.

Unerklärliche Aussetzer

Mit dem fast identischen Personal spielte das Kleeblatt auch genauso wie vergangene Woche gegen Sankt Pauli. Vom Anpfiff weg waren die Magdeburger die bessere Mannschaft, das Kleeblatt kam so überhaupt nicht ins Spiel, verlor alle entscheidenden Zweikämpfe und wirkte ob des abermals sehr schlechten Beginns mit jeder Minute noch ein bisschen mehr verunsichert.

Die Stürmer Dickson Abiama und Branimir Hrgota kamen beim Anlaufen immer einen Schritt zu spät, im Mittelfeld bekamen die Fürther keinen Zugriff, auch die Defensive leistete sich immer wieder unerklärliche Aussetzer im Spielaufbau. Vor allem der sonst so sichere Oussama Haddadi spielte mehrmals dem Gegner den Ball in den Fuß, Mhamdi offenbarte auf seiner rechten Seite eklatante Mangel beim Stellungsspiel.

Nach vier Minuten jubelten die klar überlegenen Magdeburger fast zum ersten Mal. Bei einem Freistoß von Amara Condé flog Connor Krempicki nur um Haaresbreite an der Führung vorbei - Mhamdi hatte das Abseits aufgehoben. Die Fürther hingegen konnten den Ball kaum länger als ein paar Sekunden in den eigenen Reihen halten und wurden ihren Gegner deshalb auch nie gefährlich. Erst nach 24 Minuten steckte Tobias Raschl mal für Abiama durch, der aber von zwei Magdeburgern problemlos abgedrängt wurde.

Zwei Minuten darauf rettete Andreas Linde seine indisponierten Vorderleute gerade noch in höchster Not, die Magdeburger Führung wäre längst verdient gewesen - und fiel in der 37. Minute auch. Zehn Minuten zuvor hatte Dickson Abiama bei der einzigen Fürther Chance das Außennetz getroffen, auf der anderen Seite des Feldes zeigte ihm Moritz Kwarteng, wie man es besser macht. Einen harten Distanzschuss des Magdeburgers konnte Linde nur nach vorne abwehren, Cristiano Piccini reagierte gedankenschneller als Haddadi und traf aus wenigen Metern zum 1:0.

Doch der Jubel verhallte vier Minuten darauf schon wieder. Das bis dato extrem harmlose Kleeblatt wachte kurzzeitig auf -und die zwei jüngsten Zugänge glichen das Spiel wieder aus. Damian Michalski setzte sich bei einem Eckball von Marco John gegen seinen Bewacher durch und köpfte den Ball aus elf Metern zum 1:1 ins Netz. Es war ein Tor aus dem Nichts. Weitere vier Minuten später war Halbzeit - und das Kleeblatt konnte sich angesichts des Spielstandes sehr glücklich schätzen.

Anders als vor acht Tagen gegen Sankt Pauli kam die Spielvereinigung aber nicht anders aus der Kabine. Stattdessen ging das Trauerspiel weiter. Magdeburg war der erneuten Führung deutlich näher - weshalb Marc Schneider nach gut einer Stunde reagierte und den abermals überforderten Abiama erlöste und seine Formation umstellte. Julian Green durfte nach Wochen auf der Bank mal wieder mitspielen und bildete fortan mit Tobias Raschl und Max Christiansen das Mittelfeld in einer Art 4-3-3.

Dreierwechsel in der 67. Minute

Besser wurde es aber auch mit diesem Impuls von Außen nicht, im Gegenteil. Linde verhinderte in der 66. Minute bei einem Schuss des eingewechselten Tatsuya Ito das 2:1, die Fürther schwammen erneut - weshalb eine Minute später sogar drei frische Spieler an der Seitenlinie standen. Für den ebenfalls überforderten und bereits verwarnten Mhamdi kam U23-Spieler Natanas Zebrauskas zu seinem Profi-Debüt, Sebastian Griesbeck, der für Raschl übernahm, feierte sein Comeback - diesmal allerdings nicht in der Abwehr, sondern auf der Sechs. Zudem sollte Afimico Pululu auf der linken Außenbahn frische Impulse setzen, weshalb Armindo Sieb vorzeitig Feierabend machen musste.

Pululu stand kurz darauf im Mittelpunkt, weil er nach gutem Zuspiel von Hrgota frei vor Reimann vergab - dabei aber ohnehin im Abseits stand (70.). Es sollte erneut die einzige Möglichkeit der Fürther bleiben, die drei Minuten später wieder Glück hatten. Ito legte für Condé auf, der aus 16 Metern aber nur die Latte traf. Die Fürther hingegen wurden nur einmal kurz durch Green gefährlich, dessen Distanzschuss aber kein größeres Problem für Reimann war.

Und dann geschah das, was sich schon die ganze zweite Halbzeit angedeutet hatte: Der junge Zebrauskas kam auf der rechten Abwehrseite genauso wie seine Abwehrkollegen nicht in den Zweikampf, der Ball landete bei Moritz Kwarteng, der ihn von der Strafraumlinie sehenswert ins rechte Eck schlenzte. Das Stadion flippte aus, die Menschen standen auf und feierten ihre Mannschaft, die sich die erneute Führung redlich verdient hatte.

Die Fürther Mannschaft versuchte, nochmal zurückzukommen - war dabei aber genauso überfordert wie während des ganzen Spiels. Um 15.22 Uhr pfiff der Schiedsrichter ab, besiegelte die nächste Niederlage des Kleeblatts - das jetzt Tabellenletzter ist.

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