Gespräche mit den Spielern

"Gefühlt bis in den Schlaf": Wie Fürths Trainer Schneider in der Krise mit Druck umgeht

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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10.9.2022, 11:00 Uhr
"Ein wichtiger Austausch": Trainer Marc Schneider schätzt die Einzelgespräche mit seinen Spielern (hier Timothy Tillman).

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink "Ein wichtiger Austausch": Trainer Marc Schneider schätzt die Einzelgespräche mit seinen Spielern (hier Timothy Tillman).

Im Juni, als die andauernde sportliche Krise noch weit weg schien, da sprach Marc Schneider sehr ausführlich über den Umgang mit seinen Spielern. "Es geht darum, sie als Menschen kennenzulernen", sagte Schneider damals. Darum herauszufinden, "welchen Rucksack sie aufhaben", also was vor Schneiders Engagement bei der Spielvereinigung passiert ist. "Jeder Spieler hat seine Vergangenheit, die einen prägt", erzählte der Trainer damals. "Ich muss Dinge wissen, damit ich mit jedem so umgehen kann, dass ich das Beste aus ihm herausholen kann."


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In den drei Monaten danach ist die Rucksack-Metapher noch häufiger benutzt worden. Die Last auf den Schultern der Spieler ist ja mit jedem sieglosen Spiel größer geworden. Ein Großteil der Mannschaft hat ja schon länger (seit dem 12. Februar 2022) nicht mehr gewonnen - und überhaupt seit dem Aufstieg im Mai 2021 nur dreimal den Platz als Sieger verlassen. Deshalb führt Marc Schneider auch dieser Tage wieder viele Einzelgespräche - zuletzt auch nach dem Training, als man ihn mehrere Minuten lang im vertrauten Austausch mit seinen "Jungs" sah.

Diese Gespräche "sind ein Teil meiner Arbeit", erzählte der Trainer am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Auswätsspiel beim 1. FC Magdeburg am Sonntag (13.30 Uhr). Sie sind aber nicht nur ein Instrumentarium, um mit der Krise klarzukommen, sondern Bestandteil der täglichen Arbeit. Auch für den Fall, dass die Zukunft sehr viel schöner wird als die traurige Vergangenheit und Gegenwart. "Das hört nicht auf, wenn es gut läuft", so Schneider, "und beginnt nicht, wenn es nicht so gut läuft."

Gespräche zwischen Spieler und ein Trainer seien "ein wichtiger Austausch, dass die Jungs Feedback kriegen. Was ist gut? Was ist nicht gut? Woran können Sie arbeiten? Was ist entscheidend? Und für mich, um zu wissen, wie die Gefühlslage ist. Denn jeder geht mit Drucksituationen anders um. Den einen belastet es weniger, weil er sich weniger Gedanken macht. Der andere nimmt es mit - gefühlt sogar bis in den Schlaf."

Die anhaltende Negativität macht aber nicht nur den Rucksack auf dem Rücken schwerer, sondern belastet die Spieler auch mental. "Natürlich geht es in der jetzigen Situation um den Kopf", sagt der Trainer - vor allem bei den jungen Spielern, die eine solche Situation wie die der Spielvereinigung im Spätsommer 2022 noch nicht erlebt haben in ihrer Karriere. "Es geht aber vor allem darum: Was kann ich beeinflussen und was nicht?", betont Schneider.

Seine Spieler sollen sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, wie zuletzt mancher im Training. Und sie sollen sich auch nicht von Schiedsrichter-Entscheidungen oder der womöglich hitzigen Atmosphäre wie am Sonntagnachmittag in Magdeburg beeinflussen lassen, sondern einfach ihr Ding durchziehen. Wichtig sei, "dass jeder weiß: Wenn der Schiedsrichter anpfeift, habe ich meine Aufgabe zu 100 Prozent zu erledigen. Dann werde ich der Mannschaft auch helfen" - um endlich aus der anhaltenden sportlichen Krise herauszukommen.

"Dass wir noch Schritte nach vorne machen müssen, ist uns bewusst", sagte Schneider am Freitagnachmittag. "Wir versuchen, die Schritte so schnell wie möglich gemeinsam zu machen."

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