Schon 33 Gegentore

Auch Marius Funk überzeugt nicht: Hat das Fürther Kleeblatt ein Torwartproblem?

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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24.11.2021, 06:00 Uhr
Was hab' ich da nur gemacht? Marius Funk nach dem 0:2, das er den Gladbachern selbst aufgelegt hatte.

Was hab' ich da nur gemacht? Marius Funk nach dem 0:2, das er den Gladbachern selbst aufgelegt hatte. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Die Entscheidung war offenbar so schwer, dass Stefan Leitl sie so lange wie möglich hinauszögerte. Auch zwei Tage vor dem ersten Pflichtspiel dieser Saison wollte sich der Fürther Trainer noch nicht festlegen, welcher seiner Torhüter in der Bundesliga spielen wird. Sascha Burchert war dem Kleeblatt im Aufstiegsjahr ein solider Rückhalt gewesen und dazu in der Mannschaft hoch angesehen, Herausforderer Marius Funk aber hatte sich in der Vorbereitung so gut wie nie präsentiert.

Erst nach einem langen Gespräch vor der Abfahrt zum Pokalspiel in Babelsberg stand fest, dass Burchert, der Aufstiegstorhüter und Vize-Kapitän, auch in der Bundesliga im Tor stehen wird. In den ersten sechs Saisonspielen offenbarte der 32-Jährige wieder einige altbekannte Schwächen, rettete die Fürther aber auch in einigen Spielen vor höheren Niederlagen.

Dann geschah etwas, was niemand erwartet hatte: Am 1. Oktober musste Burchert überraschend auf die Bank, in Köln stand erstmals Marius Funk im Tor. "Wir waren nicht unzufrieden mit Saschas Leistungen", sagte Leitl, "ihm hat aber auch schon in der letzten Saison teilweise das Matchglück gefehlt, dass er den ersten Ball mal hält und uns damit im Spiel hält." Das Trainerteam fand, dass es an der Zeit gewesen sei, "einen neuen Reiz zu setzen".

Burchert traf diese Entscheidung hart. Von der Bank sah er in den Wochen danach, dass sich sein Herausforderer auch nicht besser anstellte und vor allem seine große Stärke mit jedem Spiel ein bisschen mehr zu verlieren schien. Funk hatte in der Vergangenheit durch sein fußballerisches Können geglänzt, er schien ein Torhüter moderner Prägung zu sein. Einer, der mitspielt, der mit einem Abschlag auch mal einen Angriff einleiten kann. Doch zuletzt schlug der 25-Jährige viele Bälle ins Aus oder Nichts, in Gladbach legte er Florian Neuhaus sogar das 2:0 auf.

Eine Torhüterdiskussion wollte Stefan Leitl nach dem Abpfiff nicht führen. "Ein Torhüter ist immer das letzte Glied der Kette", sagte der Trainer. "Marius weiß, dass er einen Bock geschossen hat, auf der anderen Seite hat er aber auch zwei, drei Bälle richtig gut gehalten und uns vor Schlimmerem bewahrt." Insgesamt, betonte Leitl, "ist es keine gute Situation für uns". Seine Mannschaft kassiere viel zu viele Gegentore, "ich will das aber nicht nur am Torhüter festmachen, das ist mir zu einfach".

Ein Blick in die Statistik zeigt aber, dass das Kleeblatt auch wegen seiner Torhüter Tabellenletzter ist. Funk wehrte nur 54,3 Prozent der Schüsse aufs Tor ab, Burchert ist mit 61,1 Prozent einen Rang besser - auf dem drittletzten Platz. Während Manuel Riemann in Bochum oder Stefan Ortega in Bielefeld ihrer Mannschaft im Abstiegskampf auch mal Punkte festhalten, hat die Spielvereinigung keinen herausragenden Torhüter.

Vielsagende Worte von Leitl

"Wir würden uns alle wünschen, dass wir mal länger im Spiel bleiben", sagt Leitl dazu. Für Funks Unsicherheiten hatte er durchaus Verständnis, vor allem in Gladbach, wo das Kleeblatt wenig zusammenbrachte und die gesamte Mannschaft verunsichert wirkte. Die Gesamtsituation sei "eine mentale Belastung und mentaler Stress", sagte der Trainer. Wie es jetzt weitergeht? "Wir werden alles nochmal analysieren und auch mit den Keepern besprechen", betonte Leitl vielsagend. "Wir wollen ja punkten und müssen schauen, dass wir die Spieler mit der besten Form auf den Platz bringen." Es wird wieder eine harte Entscheidung.

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