Schon wieder drei Gegentore

Das nächste 1:3! Kleeblatt verspielt frühe Führung in Köln

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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1.10.2021, 23:45 Uhr
Da sah's noch gut aus! Marco Meyerhöfer hatte die Spielvereinigung in der Domstadt ins Vordertreffen gesetzt.

Da sah's noch gut aus! Marco Meyerhöfer hatte die Spielvereinigung in der Domstadt ins Vordertreffen gesetzt. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Wie sehr die Kölner ihren FC lieben, wie sehr ein Fußballverein die Menschen begeistern kann, das sah man am Freitagabend an jeder Ecke. In der Innenstadt trugen die Fans stolz das Trikot ihres Klubs spazieren, je näher man dem Stadion kam, desto voller wurden die Bars und Kneipen. Vor den Toren bildeten sich schon zweieinhalb Stunden vor Anpfiff lange Schlangen, es wirkte, als wollte die ganze Stadt dabei sein an diesem siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga.

40.000 Menschen durften nach den neuesten Corona-Regeln in Nordrhein-Westfalen tatsächlich dabei sein. Als sie kurz vor Anpfiff ihre Hymne sangen, mer stoon zo dir, da war diese Begeisterung wieder zu spüren, es war ohrenbetäubend laut. Zwischenzeitlich verstummte das Stadion zwar, am Ende aber jubelten sie gemeinsam über ein 3:1 (0:1) für ihren FC.

Das Spiel begann aus Fürther Sicht mit einer Überraschung. Stefan Leitl entschied sich, auf der Torhüterposition zu wechseln und schickte Marius Funk für Sascha Burchert auf den Platz. Timothy Tillman, der in der Woche zuvor erst sein Bundesliga-Debüt gegeben hatte, spielte für Julian Green, ansonsten vertraute der Trainer demselben Personal wie gegen den FC Bayern. Wie in der Vorwoche attackierten die Fürther ihren Gegner wieder aggressiv und versuchten, den Kölnern die Spielfreude zu nehmen.

Die Taktik ging auf, eine erste kurze Drangphase des FC überstanden die Fürther problemlos. Dann schaffte Marco Meyerhöfer das Kunststück, 40.000 Menschen mit einem Schuss verstummen zu lassen. Tillman schickte den mitgelaufenen Meyerhöfer mit einem perfekten Pass in den Strafraum, wo der Rechtsverteidiger frei vor Horn ganz entspannt zum 0:1 einschob (7. Minute).

Es war, im siebten Spiel, endlich das langersehnte frühe Führungstor für das Kleeblatt. Die Fürther verteidigten danach geschickt und voller Elan, abgesehen von einigen Weitschüssen wurden die Kölner kaum gefährlich. Als Havard Nielsen im Strafraum zu Boden fiel, forderten sie einen Elfmeter, der Schiedsrichter hatte zuvor aber auf Abseits entschieden (10.). Genauso wie eine Viertelstunde später, als Hrgota alleine auf den Kölner Torhüter zulief, den Ball aber nicht an ihm vorbeibrachte.

Die Spielvereinigung blieb weiter gefährlich, sechs Minuten später sah sich Kölns Timo Horn mit Jeremy Dudziak konfrontiert. Der Fürther zielte ein paar Millimeter zu ungenau, vom Innenpfosten sprang der Ball zurück ins Feld, der Nachschuss landete erneut am Pfosten. Kurz vor der Pause rettete Funk stark gegen Modeste - dann war Halbzeit. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit führte das Kleeblatt zur Pause. Und hätte es kurz nach Wiederanpfiff einen Konter besser ausgespielt, wäre der erste Sieg zum Greifen nah gewesen.

Dann aber wurde es wieder laut in Müngersdorf. Kölns Benno Schmitz spitzelte den Ball am herauseilenden Funk vorbei, sodass Sebastian Anderson zum Ausgleich einschieben konnte (50.). Das Stadion kochte jetzt - und die Kulisse beflügelte den FC. Nur Sekunden später scheiterte Anderson am Fürther Torhüter. Nach 56 Minuten aber war Marius Funk erneut geschlagen. Und wieder war es ein Gegentor nach einem Standard. Jonas Hector verlängert eine Ecke auf den zweiten Pfosten, wo Ellyes Shkiri und Rafael Czichos den Ball über die Linie drückten.

Das Tor wurde zwar vom VAR auf Abseits überprüft, zählte aber. Köln hatte das Spiel also gedreht, die Fans waren entzückt. Die Atmosphäre schien die Fürther nun ein bisschen einzuschüchtern. Nach einer Stunde verzeichnete der FC 7:0 Ecken, eine lenkte Funk gerade noch an die Latte. Leitl reagierte und brachte Cedric Itten und Jamie Leweling für Hrgota und Tillman (63.), Chancen auf den Ausgleich erspielten sich die Fürther aber zunächst keine.

Deshalb wechselte der Fürther Trainer eine Viertelstunde vor Schluss auch noch Dickson Abiama ein. Wirklich zwingend waren die offensiven Aktionen nicht, dem Kleeblatt lief nun die Zeit davon. Zwei aussichtsreiche Standardsituationen schenkte Jeremy Dudziak leichtfertig her. Die Rache gab es um 22.18 Uhr. Nach einer Fürther Ecke konterten die Kölner blitzschnell, Shkiri traf in der 89. Minuten zum entscheidenden 3:1. Das Stadion tobte jetzt - und feierte seinen Effzeh minutenlang lautstark.

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