Knackpunkt "Physis"

Logische Entwicklung: Stefan Leitl erklärt den Aufwärtstrend des Kleeblatts

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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14.2.2022, 17:30 Uhr
Jubelnde Fürther, traurige Gegner: In der Hinrunde war das oft noch andersrum.
 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Jubelnde Fürther, traurige Gegner: In der Hinrunde war das oft noch andersrum.  

Im Moment des Erfolges dachte Stefan Leitl nochmal zurück. An Zeiten, in denen er jede Woche Niederlagen erklären musste, auch wenn er teilweise selbst nicht so recht wusste, warum seine Mannschaft gerade verloren hatte. Nach dem 2:1 gegen Hertha BSC, dem dritten Heimsieg dieser Saison, wurde der Trainer des Kleeblatts nach der Vergangenheit gefragt, danach, ob sich seine Mannschaft so langsam den Respekt der Gegner erarbeitet.

Dieser Respekt, antwortete Leitl, sei immer da gewesen, "die Ergebnisse in der Hinrunde haben aber oft nicht die Leistung widergespiegelt". Inzwischen belohnt sich das Kleeblatt immer häufiger für gute Auftritte, "es ist für mich logisch, dass wir momentan gerade zuhause punkten", sagte der Trainer. "Wir sind mit einer Mannschaft in die Liga gestartet, die als Aufsteiger vier absolute Eckpfeiler verloren hat", so Leitl. "Da muss man auch auch mal den Hut vor der Mannschaft ziehen, mit welcher Einstellung und Leidenschaft alle bereit waren, immer das Beste für den Verein zu geben."

Vorwerfen konnte man seinen Spielern, die sich erst zu einer Gemeinschaft zusammenfinden mussten, auch in der Hinrunde wenig. Die Umstellung von der zweiten auf die erste Liga hat Zeit beansprucht - die man im harten Wettkampfalltag allerdings nicht hat. Wer nicht sofort funktioniert, als Einzelspieler wie als Team, wird gnadenlos bestraft. So ging es dem Kleeblatt im Herbst 2021. "Dass es dauern wird, bis wir in der Liga ankommen, war klar", betonte der Trainer.

Inzwischen ist seine Mannschaft längst angekommen - was man nicht nur an den jüngsten Ergebnissen ablesen kann. Bei der Suche nach Erklärungen landete Stefan Leitl in den vergangenen Wochen immer wieder bei einem Wort: Physis. Der Duden beschreibt diese als "körperliche Beschaffenheit des Menschen", was schon zeigt, dass die Antwort keine leichte ist, sondern eher eine komplexe Mischung mehrerer Faktoren.

"Physis wird oft auf Ausdauer reduziert, aber darum geht es nicht", erklärt der Trainer. "Unsere Ausdauerwerte sind gut." Das beweisen seine Spieler Woche für Woche, in dem sie sehr viel laufen und sprinten, um die von Leitl geforderte Kompaktheit und Stabilität in der Defensive herzustellen und den Gegner permanent unter Druck zu setzen. Um diesen Aufwand aber auch in Ertrag zu verwandeln braucht es mehr, "einen gewissen Rhythmus, eine Anpassung, was das Training betrifft", wie es der Trainer nennt.

In diesen Rhythmus kam seine Mannschaft aber zu Beginn nicht, weil sie ständig zurückgeworfen wurde. Weil ständig irgendetwas passierte, das wie eine unsichtbare Kraft alle Anstrengungen torpedierte. "Wir hatten in der Hinrunde unglaublich viele Themen in der Mannschaft und im Verein", erinnert sich Leitl. "Mit neuen Spielern, die aus Verletzungen kamen, die vielleicht auch monatelang nicht gespielt hatten."

Diese wieder fit zu machen war nicht einfach. "In der Trainingsbelastung hat man meist nur kurze und kleine Spiele und bewegt sich nicht auf dem großen Feld", so der Trainer. "Und dann hatten wir Einheiten mit zwölf, 13 Spielern. So kommst Du einfach in keinen Rhythmus." Inzwischen haben seine "Jungs nach und nach über die Trainingssteuerung und dadurch, dass sie die Verletzungen überwunden haben, deutliche Schritte nach vorne gemacht."

Und so durfte der Trainer im Moment des Erfolges nicht nur zurück, sondern auch nach vorne schauen. "Wir werden weiterhin so spielen wie heute", sagte Leitl nach dem 2:1 gegen Hertha BSC. "Und wir werden noch einige Punkte holen."

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