Fußball Landesliga

SpVgg Jahn Forchheim vergibt den Dreier im Aufstiegskampf

18.9.2021, 19:48 Uhr
Mit der Leistung in der zweiten Halbzeit in Bruck unzufrieden: Timo Noppenberger (Mitte).

Mit der Leistung in der zweiten Halbzeit in Bruck unzufrieden: Timo Noppenberger (Mitte). © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Timo Noppenberger wollte nur noch weg. Nach Abpfiff kletterte er über die kleine Mauer, die den Rasen an der Tennenloher Straße umrahmt, und ging so so schnell wie möglich Richtung Kabine. Bloß runter vom Platz. Bloß alleine sein. Weil er trotz all der Wut ein freundlicher Typ ist, hält er für ein kurzes Gespräch an.

"Wir haben aufgehört, unseren Fußball zu spielen"

Noppenberger findet klare Worte, hat sich aber erstaunlich gut im Griff. Nach 26 Jahren und die allermeisten davon im Fußball, hat er auch das schon einmal erlebt - es war nicht der erste späte Ausgleich, den er mit seinem Team kassiert hat. Es war aber wie immer einer zu viel.

"Wir haben aufgehört, unseren Fußball zu spielen", sagt der Jahn-Kapitän. "In der zweiten Halbzeit haben wir immer weniger gemacht und den Gegner zu Kontern eingeladen. Dass dann am Ende einer durch geht, hat sich abgezeichnet." Genau das fehle den Forchheimern zu einer "richtigen Spitzenmannschaft", sagt Noppenberger. "Wir müssen es von Anfang bis Ende durchziehen."

Die Sportvereinigung war mit einer Serie von drei Siegen in Folge nach Erlangen gereist. Am Samstag aber traf der Jahn auf mutige Gastgeber. Dimitrios Fotiadis hatte schon kurz nach Anpfiff den ersten Abschluss. Axel Hofmann parierte mit einer Hand. Nach einer Viertelstunde hatten beide Mannschaften gute Chancen vergeben, zuerst schoss Lukas Dütsch klar drüber, dann köpfte Nikola Milovski freistehend rechts daneben.

"Ich hätte gern gewonnen und dafür kein Tor geschossen"

Insgesamt war der FSV das aktivere Team. Bruck eroberte immer wieder den Ball im Mittelfeld. Die bis dato beste Chance aber hatte der Jahn nach einem Eckball von Tim Hofmann: Philipp Nagengasts Kopfball klatsche auf den Querbalken. Noch besser platziert war kurz darauf der Distanzschuss vom unbedrängten Timo Noppenberger, der genau oben links im Tor einschlug (27.). Ein schöner Treffer, über den sich der 26-Jährige nach Schlusspfiff aber "nicht wirklich" freuen konnte: "Ich hätte gern gewonnen und dafür kein Tor geschossen."

In der ersten Halbzeit flachte das Tempo nach der Gäste-Führung ab, die Forchheimer übernahmen die Kontrolle. Bruck kam vor der Pause nur noch einmal gefährlich nach vorne: Fotiadis verpasste das Abspiel, als der FSV Zwei-gegen-Eins aufs Jahn-Tor zu lief.

Nach dem Seitenwechsel musste Christos Iosifidis eine scharfe Noppenberger-Hereingabe parieren, auf der Gegenseite hielt Axel Hofmann einen Flachschuss von Jonas Händel. Der Jahn spielte es sonst clever herunter, verpasste aber das 2:0 nachzulegen. Deshalb blieb es auch ohne große Strafraumaktionen spannend. In der Schlussphase hatte der eingewechselte Yannic Dittmar die Hundertprozentige zum Ausgleich, traf alleine vor dem gegnerischen Tor den Ball aber nicht.

Slama vollendet einen Konter zum 1:1

Besser machte es Ahmed Slama, der nach einem Steilpass den Ball gerade noch so traf, dass dieser über die Linie kullerte (81.). Forchheim war mit einem Mal platt, die Brucker drängten nun auf den Sieg. Der gelang zwar nicht mehr, für Jahn-Kapitän Timo Noppenberger fühlte sich das 1:1 dennoch an wie eine Niederlage.

So schnell wie erhofft hatte er es danach trotzdem nicht in die Kabine geschafft. Während des Interviews hatte Forchheims Trainer Christian Springer seine Mannschaft in den Kreis gebeten. Da durfte der Kapitän nicht fehlen. Noppenberger sprintete also zurück auf den Platz und gesellte sich zu seinen Teamkollegen. Wie heilsam das sein kann, merkte man ihm wenig später an. Der Frust war noch da, die Wut aber war verflogen.

Abgesehen vom 1:1 in Bruck ist Noppenberger mit dem Verlauf der Hinrunde zufrieden, vor allem angesichts der langen Corona-Pause und der durchwachsenen Vorbereitung. "Jetzt sind wir wieder im Flow", meint der Kapitän. "Wir sind in Schlagdistanz. Die Spiele gegen Vach und Herzogenaurach waren unsere Dellen. Doch jetzt wollen wir oben angreifen."

Die Bayernliga ist weiterhin das große Ziel. Noppenberger möchte dorthin zurück, nachdem er mit dem Jahn nach seinem Wechsel zur Saison 2018/19, damals vom Baiersdorfer SV, schon zum zweiten Mal in der fünfthöchsten Spielklasse aufgelaufen war. Damals hatte es für Forchheim nicht gereicht, die Sportvereinigung stieg ab.

"Big-Point-Spiel" in Stadeln

Die Rückkehr führt in diesem Jahr über die Aufstiegsrunde, das erklärte Saisonziel des Jahn. Die ersten vier jeder Vorrundengruppe spielen nach der Winterpause den Direktaufsteiger und den Zweitplatzierten aus. Die Hinrunde in diesem neuen Gruppenmodus ist nun gespielt, Forchheim liegt auf Rang drei im Soll - und hat zum Auftakt der restlichen Vorrunde gleich ein "Big-Point-Spiel", wie Noppenberger sagt, in Stadeln. Deren Mannschaft hat sich mit dem 2:1-Sieg über die überraschend starken Herzogenauracher an die Tabellenspitze gesetzt.

Eine Feier gab es trotzdem noch am Samstagabend. Tim Hofmann hatte zu seinem Geburtstag die ganze Mannschaft zu sich eingeladen. Spätestens dann ist auch das letzte Fünkchen Wut verflogen.

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