Traum GFL: Miguel Kögel ist neuer Präsident der Rams

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

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8.12.2020, 15:39 Uhr
tarke Männer am Zeppelinfeld: Die Rams träumen immer noch von der ersten Liga, derzeit müssen sie aber pausieren.
 

© Sportfoto Zink / DaMa tarke Männer am Zeppelinfeld: Die Rams träumen immer noch von der ersten Liga, derzeit müssen sie aber pausieren.  

Tellerwäscher war Miguel Kögel nie, zum Millionär ist er auch nicht geworden. Die Geschichte des neuen Präsidenten der Nürnberg Rams hat dennoch etwas vom amerikanischen Traum. Ein Kunde hatte ihm und seiner Frau einst Freikarten für ein Spiel der Footballer am Zeppelinfeld geschenkt. Aus einem Besuch wurden zwei, bald saßen die Kögels jede Woche auf den Holzbänken. "Da habe ich zu meiner Frau gesagt: Wir sind hier jeden Sonntag, da könnten wir doch mal fragen, ob wir irgendwie helfen können", erinnert sich Kögel.

Also hat er die Wasserflaschen für die großen Jungs getragen, die da auf dem grünen Rasen um jeden Meter kämpften. Später wurde er zum Teammanager, während seine Frau Barbara sich um die Pressearbeit kümmerte. Seit kurzem ist Miguel Kögel der Boss der Nürnberg Rams. Vom Wasserträger zum Präsidenten. Kögel muss lachen, wenn man seine Geschichte so interpretiert. Klingt ja auch zu schön - dabei war dieses neue Amt keines, auf das er hingearbeitet hat. Im Gegenteil.


Nicht mehr Präsident der Nürnberg Rams: Alexander Schweiger hört auf


"Das hat mir viele Bauchschmerzen bereitet", sagt Kögel. Denn es sind ja unruhige Zeiten, um einen Verein zu übernehmen. Fast überall klagen die Verantwortlichen über Mitgliederschwund, seit Monaten müssen sie ihre Klubs durch die Krise navigieren und versuchen, alle irgendwie bei Laune zu halten. Bei den Nürnberg Rams tritt Miguel Kögel, der im Schichtdienst bei der VAG arbeitet, in dieser Zeit auch noch in sehr große Fußstapfen.

Denn viele Jahre lang war der Erfolg der Nürnberger Footballer mit einem Namen verbunden: Alexander Schweiger. Der 58-Jährige führte die Rams von der Aufbau- bis in die zweite Bundesliga, wo sie regelmäßig vor mehreren Hundert Zuschauern spielten. Vor einigen Tagen aber hat er sich als Präsident zurückgezogen. "Irgendwann ist die Zeit gekommen, um die Sache abzugeben", sagt Schweiger, der mehr Zeit für seine Familie haben möchte.

Der laute Knall

Seiner anderen Familie, der großen bei den Rams, wollte Schweiger den Traum von der ersten Liga, der German Football League (GFL), erfüllen. Dafür taten sie viel, arbeiteten hart, versuchten, immer mehr Sponsoren an Land zu ziehen - mit dem Aufstieg klappte es trotzdem nie. Vor zwei Jahren platzte der große Traum dann mit einem lauten Knall, das stete Scheitern hatte Spuren hinterlassen. Wegen Personalmangels zogen sich die Rams in die drittklassige Regionalliga zurück, Alexander Schweiger dachte da schon ans Aufhören. "Es gab aber so viel Trouble", sagt er heute, "dass ich niemandem einen Scherbenhaufen hinterlassen wollte."


Wegen Personalmangels: Rams steigen freiwillig ab


In der vergangenen Saison verpasste die neue Mannschaft den direkten Wiederaufstieg erst im Finale, im Jahr 2020 wollten die Rams wieder angreifen. In Thomas Evans verpflichteten sie einen jungen US-Amerikaner als Trainer, der auch schon Erfahrung am College gesammelt hatte. Im März fuhren sie mit 48 Spielern und 13 Trainern ins Trainingslager nach Rothenburg ob der Tauber - es sollte ein denkwürdiger Ausflug werden. Einer der Spieler zeigte die typischen Symptome einer Coronavirus-Infektion, wenig später fanden sich alle in Quarantäne wieder.

"Er hat dem ganzen Verein gut getan"

An Football war da nicht zu denken, ein paar Wochen später sagte der Verband die geplante Saison komplett ab. Spielen konnten die Rams also schon lange nicht mehr, Trainer Evans hat trotzdem Eindruck hinterlassen. Bis August versuchte der 29-Jährige, die Rams per Video und dann auch wieder auf dem Platz besser zu machen. "Er hat dem ganzen Verein gut getan", sagt Miguel Kögel, "die Erfahrung vom College kann man sich nicht entgehen lassen."

Ob der Gelobte im neuen Jahr wieder zurückkommt, ist noch offen. Es weiß ja niemand, wie und wann es weitergeht. Wenn der Football aber wieder über das Zeppelinfeld fliegt, dann werden sie auch wieder träumen. „Der Traum von der GFL lebt immer weiter“, sagt Kögel. Um sich und den Rams diesen Traum zu erfüllen, hat er schon „viele Ideen“ – unter anderem will er die Jugendarbeit verbessern, um ein stabiles Fundament für die Zukunft zu bauen.

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