Olympische Spiele

Viertelfinale! Nürnberger Hockeyspieler Weigand trifft in Tokio

30.7.2021, 17:04 Uhr
Tor für Deutschland: Justus Weigand (in Weiß) trifft im Regen von Tokio zum 3:1 gegen Großbritannien.

Tor für Deutschland: Justus Weigand (in Weiß) trifft im Regen von Tokio zum 3:1 gegen Großbritannien. © Sebastian Gollnow, dpa

Kurz vor dem Abflug nach Tokio hat Justus Weigand noch einmal zurückgedacht. In seinem Kopf liefen die vergangenen Jahre wie in einem Film ab, ein Highlight-Clip des eigenen Lebens. Er sah den jungen Justus Weigand, der mit vier Jahren bei der HG Nürnberg zum ersten Mal einen Hockeyschläger in der Hand hielt; der im Buchenbühler Wald groß wurde und sich dort von einem Talent zu einem sehr guten Hockeyspieler entwickelte.

Er sah sich selbst auf dem Sofa, wie er 2008 und 2012 vor dem Fernseher mitfieberte, als Max Müller und Christopher Wesley olympisches Gold holten. Wie er davon träumte, selbst eines Tages bei Olympia dabei zu sein. Wie er schon mit 18 zu gut für die HGN und die zweite Bundesliga war. Wie er 2018 zum Nürnberger HTC in die erste Liga wechselte - und auch dem NHTC in wenigen Monaten entwuchs, um sein Glück beim Mannheimer HC zu finden.

Eine einzige Erfolgsgeschichte

Das Leben von Justus Weigand ist seit Jahren eine einzige Erfolgsgeschichte. 2019 wurde er mit der deutschen U21 Europameister, vor ein paar Monaten holte er mit der A-Nationalmannschaft EM-Silber. Vor zwei Wochen saß er dann in einem Flugzeug, das ihn und die deutsche Hockey-Auswahl nach Japan brachte - zu den Olympischen Spielen. "Die erste Woche war sehr überwältigend", erzählt Weigand, "wir sind mit Fahrrädern durchs Olympische Dorf gefahren und haben uns alles angeschaut."

Inzwischen ist er seit 14 Tagen in Tokio, er muss jeden Morgen zum Spucktest antreten und in einer App eintragen, wie es ihm geht. Es ist ja immer noch Pandemie. Trotzdem genießt er jede Sekunde bei Olympia, mitunter vergisst er sogar, dass es Spiele unter ganz besonderen Umständen sind. "Es wird irgendwann zur Normalität, obwohl es nicht normal ist", sagt Weigand. "Der olympische Spirit ist auf jeden Fall gegeben, es ist sehr beeindruckend."

"Ein krasses Gefühl", sagt Weigand

Justus Weigand ist aber nicht als Olympia-Tourist in Japan, sondern als Spieler der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Er ist mit einer sogenannten "P-Akkreditierung" dabei, ursprünglich sollte er nur eingreifen, wenn sich ein anderer verletzt. Wegen der Pandemie wurde diese Regelung kurzfristig geändert, pro Spiel dürfen 15 von 17 Spielern mitwirken. Beim 7:1 gegen Kanada und beim 1:3 gegen Belgien musste der 21-Jährige noch zuschauen, dann aber überbrachte der Bundestrainer die frohe Kunde.

Gegen Großbritannien stand Weigand zum ersten Mal auf dem Feld - und traf beim 5:1 sogar einmal. "Es ist ein krasses Gefühl", sagt er, "ein Tor ist natürlich immer cool, aber wichtig ist, dass wir als Team gut gespielt haben." So wirklich hat er noch nicht realisiert, was er da in dieser Woche geschafft hat, "es geht alles so schnell", sagt er. Gegen Südafrika durfte er am Donnerstag wieder mitspielen - und hinterher über einen "herben Rückschlag" und einen "Weckruf für uns" sprechen.

Nach dem 3:4 wurde es am letzten Spieltag nochmal spannend, mit einem 3:1 gegen die Niederlande am Freitag zog Deutschland aber ins Viertelfinale ein. Dort geht es am Sonntag gegen Argentinien. Justus Weigand hat noch viel vor, er will es den größten Hockeyspielern Nürnbergs gleichtun. "Mein Traum ist es, eine Medaille zu holen", sagt er. "Denn das ist das Größte, was ein Sportler erleben kann."

Wenn es diesmal nicht klappt, eben 2024. Oder 2028. Selbst dann wäre Justus Weigand erst 28 Jahre alt.

0 Kommentare