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Planspiele in der Pandemie: Sportmediziner hat am DFL-Konzept mitgewirkt - 25.04.2020 10:41 Uhr

Noch herrscht Stillstand: Das DFL-Konzept soll mithelfen, dass der Ball bald wieder rollen kann.

© Sportfoto Zink / WoZi


"Es war ein stetiges Lernen aus der dynamischen Situation einer Pandemie", beschreibt Werner Krutsch die intensiven Beratungen und Analysen des Kompetenzteams unter Federführung von DFB-Arzt Tim Meyer. Generell basiere das Konzept "auf intensiver Hygiene, detaillierten Isolierungsmaßnahmen und regelmäßigen Kontrollen durch Tests". Oberstes Gebot war dabei stets "der Schutz der Spieler und dass wir der Bevölkerung nichts wegnehmen dürfen", wie Krutsch betont.

Lauterbach ledert los

Zweifel am 41 Seiten starken Strategiepapier ließen dennoch nicht lange auf sich warten. Der Deutsche Städtetag etwa forderte Nachbesserungen mit Blick auf das Umfeld. "Wir müssen damit rechnen, dass sich Fans vor den Stadien treffen", gab Geschäftsführer Helmut Dedy zu bedenken. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte den Plan, die Saison vor leeren Rängen zu Ende zu bringen. "Wir müssen den jungen Leuten die Botschaft vermitteln: Haltet Abstand, tragt einen Mundschutz, das Virus ist gefährlich", sagte der Politiker im BR. Dies würde durch einen Bundesliga-Start "konterkariert".

"Das würde jede andere Branche auch tun" 

Die gespaltene Gefühlslage selbst in Reihen der Fans kann Krutsch verstehen, "es ging mir die letzten Wochen in vielen Situationen auch so". Es sei wichtig, "dass auch in einer polarisierenden Diskussion die ethischen Umstände des Berufsfußballs berücksichtigt werden". Zugleich hält es der frühere Abwehrspieler, der unter anderem für den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg auflief, aber für legitim, dass eine Branche, die ums Überleben kämpft, alles versucht, "um das Risiko maximal zu reduzieren und sich zu retten. Das würde jede andere Branche auch tun". Gerade am Profifußball hingen zehntausende Arbeitsplätze. Und im Gegensatz zu anderen Sportarten wie dem Handball, wo sich Geisterspiele nicht rentieren würden, lebe der Fußball eben sehr stark von TV-Geldern.

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"... dann muss der Fußball natürlich zurückstecken" 

Noch herrscht Stillstand: Das DFL-Konzept soll mithelfen, dass der Ball bald wieder rollen kann.

© Foto: privat


Die Vorwürfe, die Bundesliga erhalte eine Sonderrolle, hält Krutsch deshalb für falsch. Die DFL habe eher durch die frühzeitige Beschäftigung mit der Thematik in einer Phase, "als die Krise gerade am Wachsen war und die Dynamik noch eine ganz andere als heute", eine "Führungsrolle" übernommen – und nun ein detailliertes Konzept mit Lösungsmöglichkeiten vorgestellt, "die dann zum Tragen kommen, wenn es Lockerungen geben kann und die Politik sie als adäquat ansieht". Bedenken, die Massentests könnten zu Lasten der Allgemeinheit gehen, sieht Krutsch als unbegründet an. "Die Fakten besagen, dass die Tests für den Profifußball in den nächsten Wochen in jedem teilnehmenden Labor nur eine sehr geringe Prozentzahl ausmachen." Sollte es zu Engpässen im Gesundheitssystem kommen, "dann muss der Fußball natürlich zurückstecken, keine Frage", pflichtet Krutsch DFL-Chef Christian Seifert bei.

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"Das ist etwas anderes als bei einer Muskelzerrung" 

Auf Kritik stieß der Punkt, wonach Corona-Fälle innerhalb einer Mannschaft künftig nicht mehr der Öffentlichkeit mitgeteilt werden sollen. Für Krutsch liegt hier allerdings ein Missverständnis vor. Keinesfalls solle etwas vertuscht werden, betont er, "die Transparenz bleibt voll erhalten". Vielmehr gehe es bei einer meldepflichtigen Erkrankung um zeitliche Abläufe und Prioritäten, "das ist etwas anderes als bei einer Muskelzerrung". So erfolge erst die Meldung an das Gesundheitsamt, dann eine sofortige Isolierung des Betroffenen und eine genaue Analyse von Infektionswegen. Danach würden auch die Medien informiert.

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Für einiges Stirnrunzeln sorgte das Bundesarbeitsministerium, das laut Spiegel in einem internen Schreiben eine Maskenpflicht für Spieler vorschlägt und möglichst jede Berührung vermeiden will – bei einem Kontaktsport wie Fußball ein eher groteskes Ansinnen. "Dass Handshakes oder ein Torjubel im Pulk zur Emotion des Fußballs gehören, ist klar. Sie sind aber aktuell nicht zu empfehlen", sagt Krutsch, "wir reglementieren sie aber nicht." Je disziplinierter Hygiene- und Isolationsmaßnahmen eingehalten würden, "desto sicherer ist der Schutz." Generell hält der 40-Jährige das Risiko für Spieler, sich mit dem Virus zu infizieren und auch daran zu erkranken, für gering. Eine mit Hilfe der Vereine durchgeführte Analyse ergab unter 1100 Profis 14 Infektionen – und die datierten alle aus der Zeit vor Einführung der strengen Maßnahmen.

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Normalisierung, Lob und wenig Hoffnungen  

Nun bleibt abzuwarten, welche Schlüsse die Politik zieht. Das Robert Koch-Institut hielt sich mit einer Bewertung zurück. "Wir können uns da nicht positionieren. Das ist Teil des Arbeitsschutzes", erklärte eine Sprecherin. Krutsch jedenfalls würde sich wünschen, dass Regierung und Behörden bald grünes Licht geben. "Wir befinden uns in der Phase der Normalisierung der Gesellschaft, weil Politik, Medizin und viele andere Branchen in unserem Land Großartiges geleistet und richtige Entscheidungen getroffen haben." Wenig Hoffnungen macht der passionierte Hobbykicker, der beim Club in der Traditionself und Ü40 aufläuft, dem Amateurfußball: "Da werden leider wohl noch mehrere Monate ins Land gehen."

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Uli Digmayer

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