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Wenig Vorbereitungszeit: FCN und Kleeblatt trainieren wieder

Am 17. Mai geht es für beide Vereine wieder los - 08.05.2020 06:13 Uhr

Endlich wieder Zweikämpfe: Auch Hanno Behrens (Mitte) und Mikael Ishak hatten gestern Nachmittag richtig Lust auf richtigen Fußball. © Foto: Thomas Hahn/Zink


Im Durchschnitt etwas mehr als 200 Zuschauer sind ganz ordentlich für das erste Mannschaftstraining. Gegen 13.30 Uhr durfte der 1. FC Nürnberg nach acht Wochen Pause gestern wieder zusammen loslegen, und wer wollte, konnte sich auf Facebook eine Live-Übertragung anschauen. Ansonsten fand die Einheit natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich ein Lkw fuhr hinten zweimal langsam durchs Bild, während sich auf dem Platz davor erwachsene Männer austobten wie kleine Buben nach einem nicht enden wollenden Hausarrest.

Nach etwa 40 Minuten stand plötzlich der Sportvorstand vor der Kamera; seinen Gemütszustand sollte Robert Palikuca unter anderem beschreiben nach dem, was am Mittwoch so alles passiert ist. Wie in einem Großteil der Auflage berichtet, hatte das DFL-Präsidium noch am Mittwochabend etwas überraschend den 15. Mai als Starttermin für die Saison-Fortsetzung angeordnet und die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga umgehend darüber informiert. Per Rundmail, aber ohne Diskussion.

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Zurück auf dem Platz: Der Club trainiert wieder gemeinsam

Passübungen, Eckla, Sechs-gegen-Drei, Einrücken, Abschlussspiel. So sah das erste Mannschaftstraining des 1. FC Nürnberg seit acht Wochen aus. Vieles davon war in Kleingruppen zuvor nicht umsetzbar. Am Donnerstag durften die Spieler des FCN zum ersten Mal wieder in voller Mannstärke auf den Max-Morlock-Platz auf dem Vereinsgelände, konnten Zweikämpfe führen und Spielformen üben. In einer guten Woche geht es bei St. Pauli schließlich schon wieder um wichtige Punkte im Abstiegskampf.


Zwischen der Entscheidung der Politik, professionellen Fußball trotz Coronakrise ab der zweiten Mai-Hälfte wieder zuzulassen, und der folgenden Anordnung der DFL lagen somit nur ein paar Stunden. Dem Verband konnte es vorgestern offenbar gar nicht schnell genug gehen, Fakten zu schaffen. Somit bleibt den Vereinen jetzt lediglich eine gute Woche Zeit, um sich gemeinsam vorzubereiten auf das nächste Punktspiel.


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Dass die Trainer landauf landab darüber nicht gerade begeistert sind, ja vereinzelt sogar richtig sauer, hatte Jens Keller bereits in einem Interview mit dieser Zeitung am 27. April angedeutet. "Der Verantwortung kann ich als Trainer nicht gerecht werden", sagte Keller auf die Frage nach möglichen Verletzungsrisiken infolge einer (nun doch arg) komprimierten Wettkampfsimulation. Zweikämpfe und anderer Körperkontakt sind im Sportpark Valznerweiher erst seit Donnerstagvormittag wieder erlaubt; "unter Einhaltung aller Maßnahmen aus dem Hygienekonzept der DFL" dürfe der Club ab sofort wieder in kompletter Kaderstärke üben, hatte das Nürnberger Gesundheitsamt telefonisch mitgeteilt. Gegen Mittag lag die mündliche Zusage der Behörde auch in Fürth vor.

Kritische Partie statt Highlight-Spiel

Mitte März hatte Trainer Stefan Leitl von der Partie gegen den Hamburger SV von einem "Highlight-Spiel" geschwärmt. Dass es nun ein eher kritisches Spiel wird, ist nach seinen Aussagen vor zwei Wochen in dieser Zeitung zu erahnen. Mehr als zwei Wochen Mannschaftstraining brauche er schon, um die Gesundheit der Spieler nicht zu gefährden. Nun sind es, mit unterschiedlichen Belastungsphasen, gerade noch zehn Tage bis zum Anpfiff im Ronhof.


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Ebenfalls am Donnerstag bestritt der Fürther Kader erstmals wieder Vollkontakt-Mannschaftstraining. Sogar die zuletzt verletzten Mergim Mavraj und Maximilian Wittek standen laut Pressesprecher Immanuel Kästlen auf dem Platz. Auf Funktionärsebene reagiert man in Fürth euphorisch. "Ich habe auch den Eindruck, dass sich unsere Spieler darauf freuen, endlich wieder um Punkte zu kämpfen", lässt sich Sportgeschäftsführer Rachid Azzouzi auf der Internetseite der SpVgg Greuther Fürth zitieren. Und sein Kollege Holger Schwiewagner ergänzt: "Die Politik hat uns mit ihrer Entscheidung Vertrauen geschenkt, welchem wir in Fürth unbedingt gerecht werden wollen. Diese Entscheidung, wie sie jetzt auf dem Tisch liegt, ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Vereins sehr positiv, entsprechend sorgsam und konsequent gilt es damit umzugehen."

Also kuschen sie alle vor der DFL, etwas anderes bleibt ihnen ja auch gar nicht übrig. Der Club muss am übernächsten Sonntag um 13.30 Uhr somit beim FC Sankt Pauli antreten, die Spielvereinigung Greuther Fürth empfängt zeitgleich den Hamburger SV. In welcher Verfassung, wird man sehen. Wenigstens sind die Voraussetzungen mit wenigen Ausnahmen für alle Vereine gleich.

Gemischte Gefühle

Auch der 1. FC Nürnberg wird sich arrangieren müssen. "Unterschiedlich" seien seine Gefühle, sagt Robert Palikuca, den es freut, "dass die Jungs wieder ihren Beruf ausüben können". Aber schon auch "ein bisschen ärgert", dass der in einer der vorherigen DFL-Mitgliederversammlungen wohl diskutierte Kompromiss mit mindestens zwei Wochen Vorbereitung "nicht mehr möglich ist". Dafür seien zumindest die Abläufe auf dem Rasen wieder "ganz normal, alles ohne Hemmungen".


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Neben dem Rasen ist hingegen nach wie vor alles anders; so haben die Profis selbst zu Spielen bereits umgezogen zu erscheinen, ab Sonntag oder Montag wird auch der Club in Nürnberg ein "Quarantäne-Trainingslagerhotel" (Palikuca) beziehen, aus dem am Samstag 20 Fußballer entweder in den Flieger oder Bus gen Hamburg steigen.

"Wir werden versuchen", sagte Robert Palikuca noch, "das Beste daraus zu machen." Ob das klappt, kann man am 17. und 24. Mai sogar im Free-TV verfolgen. Oder eben hin und wieder auf Facebook.

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Wolfgang Laaß und Martin Schano

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