Berufsausbildung in Corona-Zeiten: Schwierig, aber machbar

14.2.2021, 16:26 Uhr
Hotels mit wenigen Gästen und Messebetriebe ohne Veranstaltungen vor Ort sind nur einige Beispiele von besonders stark im Corona-Lockdown betroffenen Branchen. Eine Berufsausbildung ist dort zwar möglich, aber die Azubis erleben ihre Lernzeit unter nicht optimalen Umständen.

Hotels mit wenigen Gästen und Messebetriebe ohne Veranstaltungen vor Ort sind nur einige Beispiele von besonders stark im Corona-Lockdown betroffenen Branchen. Eine Berufsausbildung ist dort zwar möglich, aber die Azubis erleben ihre Lernzeit unter nicht optimalen Umständen. © Ronny Hartmann/dpa

Lennart Preuß ist einer jener Azubis, dessen Profession betroffen ist. Der 22-Jährige kam aus Südniedersachsen nach Franken, um bei der NürnbergMesse den Veranstaltungskaufmann zu lernen. Er ist im dritten Lehrjahr, kennt den lebendigen Messebetrieb vor Corona und erlebt nun die Branche im Krisenmodus.


Horrorjahr für die NürnbergMesse


Die Umstellung auf Krisenbetrieb war ein schleichender Prozess, schildert er im Video-Chat. "Zunächst haben die Azubis in ihren Fachabteilungen so lange wie möglich die Stellung gehalten, bevor es auch für uns ins Homeoffice ging. Mittlerweile läuft das meiste über Videokonferenzen. Das ist natürlich anders als im Büro, wo man Tür an Tür mit seinen Kollegen sitzt. Ich fühle mich trotzdem gut aufgehoben und habe nicht das Gefühl, vernachlässigt zu werden", berichtet Lennart, während er im ordentlichen Freizeithemd vor der Kamera sitzt.

Neue Betätigungsfelder

Das Messegeschehen und die Tätigkeit des angehenden Veranstaltungskaufmanns haben sich verändert. Zwar hat der direkte Kundenkontakt abgenommen und Veranstaltungen sind ausgefallen. Dafür sind andere Bereiche hinzugekommen, etwa digitale Plattformen, auf denen sich Unternehmen vorstellen können, und Veranstaltungsformate über Video-Chat, beschreibt Lennart. "Es ist spannend und einfach ganz anders. Ich glaube aber, dass uns dieses hybride Modell auch in Zukunft noch stärker begleiten wird. Man muss sich nur eine gewisse Flexibilität aneignen, um auf die künftigen Kundenbedürfnisse eingehen zu können."

Doch was ist mit den Azubis, die voller Tatendrang ins Berufsleben starten wollen, deren Branche aber im Lockdown heruntergefahren wurde? Diese Frage musste sich Sabine Powels, Geschäftsführerin des Hotels Victoria in der Nürnberger Königstraße, stellen. Das Hotel sei bis auf wenige Geschäftsreisende quasi geschlossen, schildert sie die Situation. Trotzdem haben im September zwei neue Azubis die Ausbildung zum Hotelfachmann angetreten – einer mehr als sonst. Für die Powels eine bewusste Entscheidung: "Der Fachkräftemangel wird nach Corona noch eklatanter sein, weil viele die Branche in der Pandemie verlassen."


Nach dem Corona-Schock: NürnbergMesse plant den Restart


"Glücklicherweise war es bis in den Oktober einigermaßen normal und wir konnten die Azubis angemessen einarbeiten", so Powels. Ansonsten befinden sich viele Beschäftigte, etwa aus dem Housekeeping, zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Nicht jedoch die Auszubildenden: "Die schmeißen gerade unser Haus und übernehmen auch solche Aufgaben."

Katharina Modjesch verantwortet die Ausbildung bei der NürnbergMesse und musste sich auch mit dem Thema "Berufseinstieg in Corona-Zeiten" auseinandersetzen. Trotz Pandemie und Messe-Ausfällen, sind im September 15 Azubis aus verschiedenen Fachrichtungen bei dem Unternehmen ins Berufsleben gestartet. "Viele wurden im Bekanntenkreis gefragt, wie es mit der Ausbildungsstelle aussieht. Das hat natürlich einige unserer Azubis beschäftigt", berichtet Modjesch und fügt hinzu: "Im September sind aber alle in die Ausbildung gestartet, mit der Zuversicht, dass es zwar weitergeht – aber anders als ursprünglich geplant."

Viel "learning by doing"

"Wir waren froh, dass die Einführungsveranstaltungen im September vor Ort stattfinden konnten, um sich besser kennenzulernen und die neuen Azubis mit den Älteren zu vernetzen", so Modjesch. Die Auszubildenden arbeiten ihren Worten zufolge früh eigenverantwortlich und werden von Beginn an in die Planungsteams mit einbezogen. "Man arbeitet dem Team zu, kommt aber auch mit Kunden in Kontakt. Es ist viel learning by doing, das gibt einem ein gutes Gefühl", fügt Lennart hinzu.


Messechef ist optimistisch: "Wir halten das lange durch"


Seit November arbeiten die Lehrlinge unter Absprache sowohl von zu Hause aus als auch im Unternehmen. "Die Auszubildenden wandern, unter Wahrung der Hygiene- und Sicherheitsregeln, durch mehrere Abteilungen. Der Versetzungsplan wird regelmäßig der Situation angepasst, so dass sie auch in andere Abteilungen eingeteilt werden können. Je nachdem, in welchem Team Unterstützung gebraucht wird", erläutert die Ausbildungsleiterin.

Im Hotel Victoria hat man nun viel Zeit für die intensive Betreuung der neuen Azubis sowie die ausführliche Prüfungsvorbereitung der älteren. "Wir haben ein junges Team, das in der Pandemie zusammengewachsen ist. Meine Hauptaufgabe ist, die Laune hoch zu halten und Zuversicht auszustrahlen", sagt Powels.


Trotz Corona: Neue Hotels gehen bald an den Start


"Für das kommende Ausbildungsjahr haben wir uns frühzeitig entschieden, wieder Ausbildungsplätze anzubieten", bekräftigt Katharina Modjesch. Auch Lennart Preuß ist optimistisch: "Ich will gerne weiter bei der Messe arbeiten. Die Branche wird sich erholen und auch die digitalen Möglichkeiten weiter nutzen und ausbauen. Wenn wir diesen Weg weitergehen, haben wir eine Zukunft."