Corona: Airport Nürnberg droht wirtschaftliches Desaster

Gregor le Claire

Redaktion Politik und Wirtschaft

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6.11.2020, 20:01 Uhr
Wenig los ist zurzeit am Flughafen Nürnberg. Was für die Anwohner angenehm ist, ist für das Unternehmen ein wirtschaftliches Problem.

© Günter Distler, NN Wenig los ist zurzeit am Flughafen Nürnberg. Was für die Anwohner angenehm ist, ist für das Unternehmen ein wirtschaftliches Problem.

Öffentlich besonders mitteilsam war Michael Hupe noch nie. In diesen Tagen aber bittet der Chef des Flughafen Nürnberg sogar um Verständnis, nicht einmal mehr für ein direktes Interview zur Verfügung zu stehen. Man möge die Fragen schriftlich einreichen.

Die Zeiten am Airport sind zu angespannt, als dass man nicht besser jedes Wort zuvor vorsichtig abwägt. Dabei wäre es schon interessant gewesen zu erfahren, ob Hupe eigentlich mit Ministerpräsident Markus Söder per Du ist (was er schriftlich einfach nicht beantwortet).

Wie steht Bayern zum Flughafen Nürnberg?

Schließlich dürfte es in den kommenden Wochen entscheidend darauf ankommen, wie vertrauensvoll und belastbar das Verhältnis zwischen dem Flughafen zu seinen beiden Gesellschaftern Freistaat und Stadt Nürnberg ist.

Denn es ist so gut wie nichts los in den Abfertigungshallen, und das seit Monaten. Corona, natürlich. „Definitiv unter eine Million Passagiere“ werde man dieses Jahr zählen, schreibt Hupe. Wirtschaftlich ist das ein Desaster. Anlagen und Infrastruktur am Airport sind auf etwa vier Millionen Fluggäste ausgelegt.


Trost in Corona-Zeiten: Auszeichnung für Flughafen Nürnberg.


„Unsere finanziellen Reserven reichen weit in das nächste Jahr“, versichert Hupe. „Allerdings ist klar, dass die Situation mit Andauern der Krise und dem jetzigen zweiten Lockdown nicht einfacher wird.“

Flughafen-Krisentreffen bei Andi Scheuer

Weil es nicht nur den Nürnbergern, sondern allen deutschen Airports so geht, traf sich die Branche gestern mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Krisentreffen. Der CSU-Politiker zeigte zwar viel Verständnis, konnte am Ende aber auch noch keine Rettungsmilliarden vom Bund zusagen.
Auf die rund 1000 Mitarbeiter am Airport Nürnberg kommt jetzt erst einmal ein Freiwilligenprogramm fürs Ausscheiden zu, das Hupe offiziell nicht einmal auf eine bestimmte Teilnehmerzahl begrenzen will. In Kurzarbeit sind zwei Drittel der Belegschaft ohnehin schon, befristete Verträge lässt das Unternehmen seit März auslaufen. Auch alle sonstigen Ausgaben hat der Airport-Chef auf das unvermeidliche Minimum heruntergefahren.


Gut möglich also, dass schon bald Stadt und Freistaat gefordert sein werden, die Verluste des Airports aus Steuergeldern auszugleichen. Die Argumente legt sich Hupe bereits parat: „Der Flughafen Nürnberg ist ein Katalysator für die Wirtschaft der Metropolregion.“ So baue etwa Siemens seinen Campus „nicht von ungefähr“ zehn Autominuten vom Flughafen entfernt.

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