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Gewerkschaftsbund fordert Corona-Kontrollen in Unternehmen

In einigen Betrieben ist nicht alles so, wie es sein sollte - 31.07.2020 05:57 Uhr

Eine Gebäudereinigerin wischt einen Flur. Vor allem in dieser Branche spiele der Gesundheitsschutz oft kaum eine Rolle, kritisiert die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt.


Die Coronakrise trifft viele Unternehmen und Mitarbeiter. Die Auswirkungen von Corona auf Unternehmen sind extrem unterschiedlich, wie bei einer Pressekonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Mittelfranken deutlich wurde. Der öffentliche Dienst etwa steht aktuell vor einer Tarifrunde, betroffen sind zahlreiche systemrelevante Berufe. "Wir sollten überlegen, wie viel der Gesellschaft zum Beispiel die Arbeit von Pflegern wert ist", sagt Rita Wittmann von Verdi Mittelfranken.


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Während sich Wittmann und ihr Team aktuell auf Streiks vorbereiten, sind für Gewerkschaftskollegen aus anderen Branchen vor allem Kurzarbeit, drohende Entlassungen und fehlende Kontrollen in den Betrieben Hauptthemen. Fast 20 000 Betriebe im Bereich der Arbeitsagenturen Nürnberg, Fürth und Ansbach/Weißenburg haben Kurzarbeit angemeldet. "Hart trifft es die Automobilzulieferer", erklärt Andreas Weidemann, erster Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg. Und auch im Bereich Maschinenbau gibt es vermehrt Kurzarbeit. "Mit Kurzarbeitergeld-Quoten von 80 bis 90 Prozent halten sich jedoch die Auswirkungen für die Mitarbeiter in Grenzen", ergänzt er.

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Anders sieht das im Bereich Gastronomie aus: Hier gibt es laut Regina Schleser, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Nürnberg, kaum Aufstockungen des Kurzarbeitergeldes. Die Situation in manchen Bereichen sei dramatisch – vor allem, weil viele Arbeitgeber keinen Tarif bezahlen. "Als wieder hochgefahren wurde, wurden teilweise bevorzugt Leute eingesetzt, die keine Forderungen gestellt haben", erklärt Schleser. Oft werde weniger Personal eingesetzt: "Die Leute arbeiten nicht, sie ackern." Bei dem geplanten Gesetz zum Verbot von Werkverträgen in Schlachtbetrieben fordert sie Nachbesserungen, weil Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten ausgenommen sind. "Es gibt in Nürnberg Betriebe in der Fleischwirtschaft, die haben gerade mal 50 Mitarbeiter und dazu das Doppelte bis Dreifache an Leuten, die Werkverträge haben", nennt Schleser ein Beispiel.


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Auch Lena Zimmermann von der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) berichtet von chaotischen Bedingungen. Vor allem im Bereich der Gebäudereinigung spiele der Gesundheitsschutz oft kaum eine Rolle. "Mitarbeiter mussten ohne Schutz Zimmer von Corona-Patienten reinigen", sagt sie und ergänzt: "Jugendliche im Park werden kontrolliert, aber was an den Arbeitsplätzen passiert, interessiert niemanden." Auch auf den Baustellen, wo die Arbeiten überwiegend normal weiterliefen, könnten oft die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

Wenige Probleme gibt es bei der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Nürnberg, wie Gewerkschaftssekretär Sebastian Henn berichtet. Hier gibt es kaum Kurzarbeit.

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KERSTIN FREIBERGER

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