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Hersteller von Tierfutter schlagen Alarm: Müssen deutsche Haustiere im Winter hungern?

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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8.8.2022, 14:59 Uhr
Katzen sind beim Futter wählerisch, Hunde können dagegen auch mit Alternativen gefüttert werden. (Symbolfoto)

© Monika Skolimowska, dpa Katzen sind beim Futter wählerisch, Hunde können dagegen auch mit Alternativen gefüttert werden. (Symbolfoto)

Mit einem offenen Brief wandten sich die Geschäftsführer von Fressnapf und Futterhaus im Juli an die Bundesregierung und drückten ihre "große Besorgnis" aus. Im Falle einer Energiekrise im Winter und der damit einhergehenden Priorisierung von Gas in der Industrie warnen sie vor einem Futtermittelmangel für Haustiere in Deutschland.

Wie der Geschäftsführer der Fressnapf-Gruppe, Johannes Steegmann, der Zeit mitteilt, sei die Produktion von Heimtierfutter sehr energieintensiv und großteils von Erdgas abhängig. Das Futter für Dosenkonserven muss ähnlich wie H-Milch sehr stark erhitzt werden, damit es haltbar bleibt und den Hygieneanforderungen entspricht. Würde das Gas für die kritische Infrastruktur und Lebensmittelproduktion priorisiert werden, hätten die Tierfutterhersteller das Nachsehen. "Durch den drohenden Engpass in der Gas-Versorgung sehen wir unseren Auftrag der artgerechten Versorgung der Heimtiere in konkreter Gefahr", heißt es deshalb in dem Schreiben an die Bundesregierung.

Die Folgen wären fatal: Rund 47 Prozent aller Deutschen besitzen ein Haustier. Das sind in absoluter Zahl rund 34,7 Millionen Hunde, Katzen, Ziervögel und Kleintiere in Deutschland, wie aus einer Studie aus dem Jahr 2021 hervorgeht. Eine beachtliche Zahl an Futterdosen muss täglich produziert werden, um alle Tiere zu versorgen. Indirekt steigt dadurch auch der Preis für Fleisch, das in den Konserven verarbeitet wird. Somit wird das Futter - wie viele andere Produkte im Einzelhandel - auch teurer. Die Bundesregierung steht derzeit mit der Bundesnetzagentur in Kontakt. Die Lage sei angespannt, eine Entscheidung über die Priorisierung könne erst mit Sicherheit im Winter getroffen werden. Solange bleiben Tierbesitzer, Hersteller und Einzelhändler weiter im Ungewissen.

Alternativen zum Katzen- oder Hundefutter aus Dosen

Aus rechtlicher Sicht ist das Tierwohl verfassungsrechtlich geschützt. Darunter fällt auch die artgerechte Fütterung. Doch gibt es Alternativen zum Futter aus der Dose? Tierärztin Astrid Behr erklärt gegenüber der Zeit, dass man hier zwischen den Tierarten unterscheiden muss.

Katzen seien wählerischer und würden Futter auch verweigern. Hier lohnt es sich, einen Futter-Vorrat zu Hause anzulegen, gleichzeitig das Tier aber auch frühzeitig an anderes Futter zu gewöhnen. Zudem können Katzen auch Fisch, angebratenes Hackfleisch, Hähnchen, Hüttenkäse oder gekochtes Ei (in Maßen) essen. Nur Gemüse sei schwierig, da die Vierbeiner zu 90 Prozent Fleischesser sind.

Hunde fressen dagegen nur zu 60 Prozent Fleisch, 40 Prozent können Gemüse und andere Ballaststoffe im Ernährungsplan ausmachen. Behr erklärt, dass Besitzerinnen und Besitzer ihren Hunden auch selbst angebratenes Fleisch mit Reis oder Nudeln servieren können. Kaninchen können mit Heu, grünem Löwenzahn oder Salat gefüttert werden. Das Kraftfutter aus dem Handel würde die Nager ohnehin nur fett machen.

Katzen mit Hundefutter füttern: Geht das?

Der Verbandschef Zoologischer Fachbetriebe, Gordon Bonnet, rät davon ab. Denn der Magen-Darm-Trakt der beiden Tierarten ist unterschiedlich gestaltet. Füttert man Katzen mit Hundefutter, können Allergien, Blähungen oder Durchfall auftreten. Zudem benötigen Katzen Taurin und Arginin als lebenswichtige Nährstoffe, die nur in Katzenfutter enthalten sind. Umgekehrt sieht es jedoch anders aus: Hunde können durchaus Katzenfutter fressen. Allerdings nicht dauerhaft, da Katzenfutter einen höheren Fleischanteil hat. Durch das viele Fett und die Proteine könnten Hunde dadurch übergewichtig werden.

Der Artikel wurde am 09.08.2022 um 15.43 Uhr um weitere Informationen ergänzt.