11°

Dienstag, 20.04.2021

|

zum Thema

Kommentar: Beim Tierwohl liegt vieles im Argen

Vieles klingt besser als es ist - 03.03.2021 12:24 Uhr

So hätten die meisten von uns gern, dass die Ställe aussehen. Die Realität jedoch ist eine andere. 

26.02.2021 © imago stock&people, imago/Frank Sorge


Nach jahrelangen Kämpfen ist zwar endlich seit Januar das betäubungslose Kastrieren der Ferkel verboten, das umstrittene Kükentöten soll 2022 ein Ende haben und auch ein erster Schritt zum Ausstieg aus dem Kastenstand, in dem Schweine teilweise bis zu 70 Tagen fixiert werden, ist getan. Aber man könnte schon viel weiter sein, wenn die Politik nicht so zögerlich reagierte hätte.

Erstaunliches Verhalten

Umso erstaunlich ist das Verhalten des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit Julia Klöckner (CDU) an der Spitze. Immer wieder – unter anderem in einem Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion und der SPD-Fraktion unter dem Titel "Wir stehen für Tierschutz“ – feiert die Ministerin ihre Erfolge. Dass sich Klöckner, die bereits wegen ihrer Nähe zur Industrie aufgefallen ist, nun als "Retterin der Nutztiere“ hinstellt, ist lächerlich.


Schweinebauern in der Krise: "Wenn es so weitergeht, lass ich die Tiere auf die Straße"


Mit der Änderung des Tierschutzgesetzes wurde die betäubungslose Ferkelkastration schon 2013 verboten. 2019 sollte Schluss damit sein. 2018 – damals war Klöckner bereits Bundeslandwirtschaftsministerin – wurde dann im Bundestag entschieden, die Methode weiterhin bis Ende 2020 zu erlauben, weil Alternativen fehlten. Die jetzt beschlossenen Alternativen standen aber schon damals fest.

Bilderstrecke zum Thema

"Auf 180": Landwirte blockieren Aldi-Zentrallager in Unterfranken

Hunderte Traktoren waren in der Nacht zum Montag auf den bayerischen Bundesstraßen unterwegs. Der Grund: Die Landwirte protestieren gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Lebensmittelpreise. Mehrere Aldi-Discounter und Zentrallager wurden von den Demonstranten blockiert. So auch die Zu- und Abfahrten des Lagers in Helmstadt (Landkreis Würzburg). Hier waren rund 90 Fahrzeuge unterwegs, die B8 musste zeitweise gesperrt werden.



Auch der Kastenstand beschäftigt Politik und Gerichte seit Jahren. 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht ein Urteil, wonach Kastenstände unverzüglich angepasst werden müssen, so dass die Sauen ihre Gliedmaßen ausstrecken können. Wieder vergingen Jahre, bis entschieden wurde, dass ab 2035 (!) Muttertiere nur noch maximal fünf Tage um den Zeitpunkt der Geburt herum fixiert werden dürfen. Und Klöckner wirbt mit dem Ende des Kastenstandes, wo überhaupt noch kein Ende absehbar ist. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Eier mit männlichen Kücken werden weiter aussortiert

Und es geht noch weiter: Der Ausstieg aus dem Kükentöten, der 2022 erfolgen soll, klingt vielversprechend, doch Tierschützer kritisieren zu Recht, dass damit die Probleme nicht gelöst sind. Hühner werden weiterhin als Sache behandelt und Eier mit männlichen Küken aussortiert. Auch hier gibt es eine Übergangsfrist. Ab 2024 soll auch das Töten von Hühnerembryonen im Ei nach dem sechsten Bruttag verboten werden. Bis dahin dürfen Eier zwischen dem neunten und 14. Bebrütungstag vernichtet werden.


Revolution aus Franken: Stoppen diese Ideen den Klimawandel?


Diese Methode ist zu Recht umstritten. Die Aufzucht von Zweinutzungshühnern, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen, spielt bei den Alternativen leider nur eine geringe Rolle. Und trotz eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, dass wirtschaftliche Interessen nicht das Töten der Küken rechtfertigen, wurde das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, das Kükentöten 2020 zu beenden, nicht eingehalten. Ein Erfolg ist das ganz sicher nicht.

Bilderstrecke zum Thema

Eine Woche pro Monat vegan leben - das denken die Franken darüber

Studentinnen und Studenten haben sich in Ansbach zu folgendem Thema umgehört: Was halten Sie davon, sich sieben Tage im Monat vegan zu ernähren? Die Meinungen der Franken sind unterschiedlich.


7

7 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft