Kommentar: Beim Tierwohl liegt vieles im Argen

3.3.2021, 12:24 Uhr
So hätten die meisten von uns gern, dass die Ställe aussehen. Die Realität jedoch ist eine andere. 

So hätten die meisten von uns gern, dass die Ställe aussehen. Die Realität jedoch ist eine andere.  © imago stock&people, imago/Frank Sorge

Nach jahrelangen Kämpfen ist zwar endlich seit Januar das betäubungslose Kastrieren der Ferkel verboten, das umstrittene Kükentöten soll 2022 ein Ende haben und auch ein erster Schritt zum Ausstieg aus dem Kastenstand, in dem Schweine teilweise bis zu 70 Tagen fixiert werden, ist getan. Aber man könnte schon viel weiter sein, wenn die Politik nicht so zögerlich reagierte hätte.

Erstaunliches Verhalten

Umso erstaunlich ist das Verhalten des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit Julia Klöckner (CDU) an der Spitze. Immer wieder – unter anderem in einem Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion und der SPD-Fraktion unter dem Titel "Wir stehen für Tierschutz“ – feiert die Ministerin ihre Erfolge. Dass sich Klöckner, die bereits wegen ihrer Nähe zur Industrie aufgefallen ist, nun als "Retterin der Nutztiere“ hinstellt, ist lächerlich.


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Mit der Änderung des Tierschutzgesetzes wurde die betäubungslose Ferkelkastration schon 2013 verboten. 2019 sollte Schluss damit sein. 2018 – damals war Klöckner bereits Bundeslandwirtschaftsministerin – wurde dann im Bundestag entschieden, die Methode weiterhin bis Ende 2020 zu erlauben, weil Alternativen fehlten. Die jetzt beschlossenen Alternativen standen aber schon damals fest.


Auch der Kastenstand beschäftigt Politik und Gerichte seit Jahren. 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht ein Urteil, wonach Kastenstände unverzüglich angepasst werden müssen, so dass die Sauen ihre Gliedmaßen ausstrecken können. Wieder vergingen Jahre, bis entschieden wurde, dass ab 2035 (!) Muttertiere nur noch maximal fünf Tage um den Zeitpunkt der Geburt herum fixiert werden dürfen. Und Klöckner wirbt mit dem Ende des Kastenstandes, wo überhaupt noch kein Ende absehbar ist. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Eier mit männlichen Kücken werden weiter aussortiert

Und es geht noch weiter: Der Ausstieg aus dem Kükentöten, der 2022 erfolgen soll, klingt vielversprechend, doch Tierschützer kritisieren zu Recht, dass damit die Probleme nicht gelöst sind. Hühner werden weiterhin als Sache behandelt und Eier mit männlichen Küken aussortiert. Auch hier gibt es eine Übergangsfrist. Ab 2024 soll auch das Töten von Hühnerembryonen im Ei nach dem sechsten Bruttag verboten werden. Bis dahin dürfen Eier zwischen dem neunten und 14. Bebrütungstag vernichtet werden.


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Diese Methode ist zu Recht umstritten. Die Aufzucht von Zweinutzungshühnern, die sowohl Eier legen als auch Fleisch ansetzen, spielt bei den Alternativen leider nur eine geringe Rolle. Und trotz eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, dass wirtschaftliche Interessen nicht das Töten der Küken rechtfertigen, wurde das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, das Kükentöten 2020 zu beenden, nicht eingehalten. Ein Erfolg ist das ganz sicher nicht.

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