"Schwere Rezession" durch Corona: Bald wieder drei Millionen Arbeitslose?

20.3.2020, 13:36 Uhr
Geschlossene Läden, nur wenige Menschen unterwegs: So wie hier in Koblenz sehen derzeit die meisten deutschen Fußgängerzonen aus.

© Thomas Frey, dpa Geschlossene Läden, nur wenige Menschen unterwegs: So wie hier in Koblenz sehen derzeit die meisten deutschen Fußgängerzonen aus.

Eineinhalb Wochen ist noch Geduld gefragt, dann gibt es erstmals harte Zahlen: Am 31. März gibt die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg das nächste Mal die Arbeitslosenzahlen für Deutschland bekannt. Wie sie das macht - ob wie immer in einer Pressekonferenz vor Journalisten in der Zentrale der Bundesbehörde in der Regensburger Straße oder nur per Stream - steht noch nicht fest.

Schon jetzt zu befürchten ist allerdings, dass der Frühjahrsaufschwung, der in normalen Zeiten den Arbeitsmarkt um diese Jahreszeit beflügelt, heuer ausfällt. Denn es sind keine normalen Zeiten. Wegen der Coronakrise sind Firmen geschlossen oder stellen ihre Produktion ein. Vielen Betrieben droht das Aus. Mit Folgen für die Beschäftigten, die um ihren Job fürchten müssen - oder ihn bereits verloren haben.

"Drastischer Rückgang"

"Der Arbeitsmarkt gerät massiv unter Druck", schreibt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Vorausschau für das Jahr. Zu erwarten sei ein "drastischer Rückgang" des Bruttoinlandsprodukts von zwei Prozent. "Vorübergehend schrumpft das BIP sogar um mehr als sechs Prozent". Zugrunde liegt der Prognose die Annahme, dass ein Teil der Wirtschaftstätigkeit für sechs Wochen ausfalle und dann über einen ebenso langen Zeitraum zur Normalität zurückkehre.

"Deutschland steht vor einer schweren Rezession", schreiben die Arbeitsmarktforscher. Komme es zu noch gravierenderen zweieinhalbmonatigen Ausfällen, die sich erst bis zum Jahresende wieder normalisierten, ergäbe sich für das Jahr 2020 rechnerisch sogar eine Schrumpfung der deutschen Wirtschaft um 4,7 Prozent.

Für den Arbeitsmarkt sei der Ausblick zweigeteilt. "Einerseits gehen wir davon aus, dass der Arbeitsmarkt, gemessen an den gravierenden Einschränkungen, insgesamt noch relativ robust bleiben kann, wenn die Corona-Ausbreitung einen vorübergehenden Effekt in der Wirtschaftstätigkeit zur Folge hat. Arbeitskräftehorten tritt typischerweise gerade bei vorübergehenden und externen Schocks auf", sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen.

"Andererseits gibt es neuartige Herausforderungen vor allem durch die unmittelbaren Ausfälle von Wirtschaftstätigkeit gerade in Bereichen, die üblicherweise weniger von Konjunkturschwankungen betroffen sind. Angesichts der Schwere der Krise müssen gegebenenfalls weitere drastische Stützungsmaßnahmen ins Auge gefasst werden.“

Die Arbeitslosigkeit wird im Jahresdurchschnitt 2020 laut IAB-Vorausschau bei 2,36 Millionen Personen liegen. Das wären rund 90.000 mehr als 2019. Doch Weber warnt: „Käme es aber zu den genannten zweieinhalbmonatigen Ausfällen mit einer verzögerten Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit erst bis zum Jahresende, so könnte die Arbeitslosenzahl zeitweise die Marke von drei Millionen überschreiten."

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