Abschied nach 18 Jahren an der Spitze

Spielwarenmesse: Chef sagt seiner Droge Servus

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 14.09.16..FOTO: Michael Matejka ..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Verena Litz..ANZAHL: 1 von 1..
Verena Litz

Leiterin Redaktion Politik und Wirtschaft

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21.6.2021, 06:00 Uhr
Steht seit gut 18 Jahren an der Spitze der Spielwarenmesse eG: Ernst Kick. 

Steht seit gut 18 Jahren an der Spitze der Spielwarenmesse eG: Ernst Kick.  © Roland Fengler, NN

Herr Kick, Sie haben sich selbst einmal als "Messe-Junkie" bezeichnet – nun sagen Sie Ihrer täglichen Droge Ade: Ende Juni gehen Sie in den Ruhestand. Wie fühlt sich das an?

Ernst Kick: Ich werde dem Messewesen immer verbunden bleiben, da kann ich gar nicht anders. Und ich will natürlich auch sehen, wie sich die Spielwarenmesse unter meinen Nachfolgern verändert. Aber ich kenne mich: Ich kann auch loslassen. Ein bisschen Entwöhnung brauche ich allerdings schon.

Entzugserscheinungen erwarten Sie also keine? Immerhin sind sie seit über 18 Jahren Chef der Spielwarenmesse eG und, wie Sie selbst einmal sagten, ein begeisterter Arbeiter, für den 17-Stunden-Tage im Job keine Ausnahme seien.

Kick: Wenn ich Corona etwas Positives abgewinnen kann, dann das: Die Pandemie hat mir einen fließenden Übergang in die Rente ermöglicht…

…durch die erzwungene Entschleunigung?

Kick: Ja. Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt und das Abgeben der Verantwortung an eine neue Generation. Und, dass ich – wenn es Corona wieder zulässt – mit meiner Frau die Welt nun anders kennenlernen kann als auf Geschäftsreisen.

Corona hat auch die Spielwarenmesse ausgebremst, die regulär Ende Januar über die Bühne gegangen wäre. Die stattdessen geplante "Summer Edition" mussten Sie ebenfalls absagen. Ihr letztes Jahr als Spielwarenmesse-Chef haben Sie sich sicher ganz anders vorgestellt.


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Kick: Nicht nur ich, das ganze Team ist sehr traurig, dass wir unsere Pläne in diesem Jahr nicht umsetzen können. Das grundsätzliche Problem bei internationalen Messen ist die lange Vorlaufzeit. Die Vorbereitungen beginnen in der Regel eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Termin. Die Krux jetzt sind die Reisebeschränkungen und Quarantänevorschriften im Zuge von Corona: Sie machen es für Aussteller wie Besucher schwer bis unmöglich, eine Messeteilnahme zuzusagen – was wiederum uns blockiert: Ohne klare Perspektive können wir nicht planen.

Rechnen Sie damit, dass sich das Rad der Globalisierung wegen Corona ein Stück weit zurückdreht?

Kick: Was das internationale Messegeschäft betrifft: temporär ja, schon allein wegen der Reise- und Quarantänevorschriften. Ich hätte nie gedacht, dass die Internationalität, die ja bei der Spielwarenmesse sehr hoch ist, einmal zum Problem werden könnte. Regional und national ausgerichtete Schauen werden deshalb schneller wieder Tritt fassen als wir. Um die Zukunft der Spielwarenmesse ist mir aber nicht bange. Ich glaube zwar nicht, dass wir bereits bei der Schau 2022 die Aussteller- und Besucherzahlen der 2020er Veranstaltung erreichen, aber wir werden schnell wieder auf die Beine kommen.

Und wie sieht es mit der Globalisierung jenseits des Messegeschäfts aus?

Kick: Bei der Produktion ist es schwierig, das Rad zurückzudrehen – schon allein deshalb, weil die Anlagen dort stehen, wo sie stehen. Ein Aspekt der Globalisierung ist zudem, auf interessanten Märkten präsent zu sein. Vielleicht kommt es durch Corona zu einer vernünftigeren, überlegteren Globalisierung. Was wir uns nicht leisten können, ist Protektionismus.

Manch einer hat schon den Abgesang auf Präsenzmessen angestimmt, Tenor: Geht doch alles auch digital. Tut es das?

Kick: Das sehe ich überhaupt nicht so. Ausschließlich digital geht nichts im Messewesen. Es muss feste Treffpunkte geben, um Geschäfte zu ermöglichen - Menschen machen Geschäfte, nicht Maschinen. Und Messen sind die einzige Marketing-Plattform, die Menschen real zusammenführt. Auch die Zufallskontakte auf Schauen sind wichtig - und das kann kein digitales Medium bieten. Ich glaube fest an die Zukunft von Präsenzmessen. Es ist gut, dass Corona den Prozess zu hybriden Messen forciert hat: Die Digitalisierung bietet die Chance, Messen noch attraktiver zu machen. Zum Beispiel, indem Firmen bestimmte Produkte vorab digital präsentieren, die dann auf der Schau genau in Augenschein genommen werden können.

Ihre Nachfolge und die Ihres Vorstandskollegen Hans-Juergen Richter, der ebenfalls satzungsgemäß ausscheidet, ist seit gut einem Jahr geregelt. Künftig lenken mit Christian Ulrich, Florian Hess und Jens Pflüger drei "Eigengewächse" des Unternehmens die Geschicke der Spielwarenmesse. Bleiben Sie dem neuen Vorstand beratend verbunden oder ziehen Sie einen klaren Schlussstrich?

Kick: Ich habe keinen Beratervertrag und auch keinerlei Interesse, bei anderen Firmen in irgendwelchen Funktionen tätig zu werden. Der neue Vorstand muss die Möglichkeit haben, sich zu entfalten. Ich stehe den Kollegen natürlich zur Seite, falls sie meinen Rat wünschen – und ich erreichbar bin. Aber ich ziehe mein Privatleben einem Beraterdasein vor. Ich würde auch nicht in den Aufsichtsrat der Spielwarenmesse eG einziehen wollen, selbst, wenn das ginge – dazu muss man laut Satzung Unternehmer oder Geschäftsführer einer der Spielwarenbranche zurechenbaren Firma sein. Für mich heißt es Ende Juni: Jetzt ist es gut.

Sie reisen mit Ihrer Frau gerne in warme Gefilde, lieben das Meer, sind ein begeisterter Hobbykoch und stolzer Opa zweier Enkel. Das klingt nach einem vollen Programm ab Juli. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Kick (strahlt): Darauf, mit meinen Enkeln wieder richtig in Kontakt zu kommen. Wie haben uns jetzt wegen des Virus lange kaum gesehen. Und ich freue mich wirklich sehr darauf, mehr Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Ich koche übrigens nahezu täglich, das mache ich sehr gerne.

Ihre Frau kann darauf also weiter bauen?

Kick: Na klar!

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